Milot Rashica: Von der Tribüne zum Matchwinner - imago/Nordphoto
Milot Rashica: Von der Tribüne zum Matchwinner - imago/Nordphoto
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Werder Bremens Milot Rashica: Zeit für den Durchbruch

Köln – Bei kaum einem Spieler im Kader des SV Werder Bremen ist die Spanne zwischen Genie und Wahnsinn so derart ausgeprägt wie bei Milot Rashica. Zuletzt deutete der Tempodribbler aber eindrucksvoll an, dass die Entwicklung stark in Richtung Genie gehen kann.

Gegen Hannover 96 war der Kosovare zum Rückrundenauftakt mit seinen vielen Tempodribblings und dem entscheidenden Tor der Matchwinner. Das dürfte vor allem seinem Trainer Florian Kohfeldt gefallen haben, der im Falle von Rashica für seine Engelsgeduld belohnt wurde. "Milot hat heute das Spiel für uns entschieden", lobte der Fußballehrer im Anschluss.

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Während Rashica in den ersten beiden Spielen der Saison als Joker mit einer Vorlage und einem spielentscheidenden Freistoßtreffer gegen Eintracht Frankfurt noch als Senkrechtstarter gehandelt wurde, kehrte jäh Ernüchterung ein. Vor allem die starken Defizite im Defensivverhalten sorgten dafür, dass Kohfeldt den jungen Mann über weite Strecken der Hinrunde wahlweise auf die Bank oder auf die Tribüne setzte. Denn irgendwann hatten auch die vielen Einzelgespräche und das Studieren zahlreicher Videos nichts mehr gebracht.

Gegen Hannover war Rashica der auffäligtse Bremer und entschied die Partie mit dem einzigen Treffer - imago/Nordphoto

Und als der 22-Jährige gegen Ende der Hinserie dann doch noch einmal die Chance bekam, verballerte er gleich mehrfach die Hundertprozentigen. Gleichwohl war Kohfeldt von den enormen Qualitäten seines Spielers immer überzeugt. Gerade nach dem Spiel am 17. Spieltag gegen RB Leipzig als sich Werder auch wegen einer kläglich vergebenen Möglichkeit von Rashica mit 2:3 geschlagen geben musste, stand Kohfeldt seinem Problemfall zur Seite. "Ich habe ihm gesagt, dass ich jetzt für ihn da bin", sagte der Trainer danach.

Rashica sagt rückblickend: "Mal triffst du aus 30 Metern, dann nicht aus zehn Metern. Ich habe einfach versucht, diese Chancen zu vergessen und mich auf die nächsten Aufgaben zu fokussieren." Und das hat vor allem im Trainingslager in Südafrika hervorragend funktioniert. Rashica spielte trotz der verkorksten ersten Saisonhälfte befreit auf und drängte sich förmlich für die Startelf auf.

Gerade im taktischen Bereich hat sich Rashica verbessert. "Wie er die Vorgaben des Trainers in der Defensive zuletzt umgesetzt hat, zeigt, dass er sehr lernwillig ist", sagte Sportchef Frank Baumann schon in der Vorbereitung. Und auch gegen Hannover war sich Rashica für Defensiv-Aufgaben nicht zu schade, arbeitete gut nach hinten und gewann bei seiner Mannschaft die meisten Zweikämpfe (28).

Seine großen Stärken hat er natürlich, da sind sich alle einig, in der Offensive. Neben seinen zahlreichen Tempodribblings über die Flügel war er auch an elf Torschüssen beteiligt (Bestwert im Spiel) und zog die zweitmeisten Sprints an (28). Inzwischen ist Rashica sogar für einen Großteil der Standards bei Bremen verantwortlich.

Das Tor indes erzielte der technisch so versierte Rashica dann aber recht simpel per Abstauber. Oder wie Florian Kohfeldt es nach der Partie sagte: "Das Beste war, dass es ein dreckiges Scheißtor war." Doch egal wie: Es wird dem jungen Außenstürmer Auftrieb geben und bei Werder zumindest kurzfristig einen Stammplatz sichern. Das Potenzial, einer der großen Senkrechtstarter der Rückrunde zu werden, hat Rashica aber allemal.

Karol Herrmann