Bundesliga

Werder Bremen unter Florian Kohfeldt auf dem Weg zurück in goldene Zeiten

Köln - Es lief die 89. Minute im Weserstadion zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1. FC Nürnberg. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt führte mit 1:0 und der Bremer Coach holte Yuya Osako vom Feld und brachte mit Marco Friedl einen weiteren Verteidiger ins Spiel. Am Ende erzielte der "Club" noch den Ausgleich. Eine Woche später glich sich in Augsburg das Bild, aber diesmal brachten die Bremer das Ergebnis über die Zeit. Dank etwas Glück und einem Lernprozess des ganzen Teams.

Werder kämpft sich in Augsburg zurück in die Partie

Wie schon gegen Nürnberg geriet der SV Werder beim FC Augsburg in der Schlussphase unter Druck. Aber diesmal kam für die letzten Minuten mit Johannes Eggestein ein frischer Stürmer für den ganz starken Kruse. Werder setzte im Finish auf Entlastung und stellte sich nicht hinten rein. Zwar traf Michael Gregoritsch nach einer Ecke noch den Pfosten, aber ansonsten brachte Bremen das Ergebnis – anders als gegen den 1. FC Nürnberg - über die Zeit. Zum ersten Mal seit 13 Jahren ist der SVW damit nach vier Spieltagen noch ungeschlagen und hat sich damit erst einmal oben festgesetzt.

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Dabei kämpften sich die Hanseaten in Augsburg durchaus beeindruckend zurück in eine Partie, in der sie zunächst relativ souverän mit zwei Treffern führten und das Spiel innerhalb von 120 Sekunden komplett aus dem Spiel gaben: Zunächst erzielte Ja-Cheol Koo praktisch mit dem Pausenpfiff und 74 Sekunden nach dem Wechsel stellte Philipp Max sogar auf 2:2. Werder wirkte angeknockt und geriet ins Schwimmen. Aber nach einer guten Stunde sammelten sich die Bremer wieder.

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Max Kruse (r.) erzielte in Augsburg sein erstes Saisontor - © gettyimages / Christian Kaspar-Bartke

Bremer Spieler bleiben hungrig

Die Art und Weise, wie sich Werder in dieses Spiel zurückkämpfte, ist der Beleg eines neuen Bremer Selbstverständnisses, dass Florian Kohfeldt seiner Elf eingeimpft hat. Der 35-Jährige hat in Bremen wieder einen attraktiven Ballbesitzfußball etabliert, für den die Hanseaten in ihrer großen Zeit immer gestanden haben. In dieser Spielzeit haben nur die Bayern eine bessere Passquote als Werder, die bislang 85 Prozent ihrer Zuspiele zum Mitspieler brachten.

Zuweilen bleibt die defensive Stabilität – gerade auswärts - ein wenig auf der Strecke. In 14 Bundesliga-Auswärtsspielen unter Kohfeldt blieb Werder nie ohne Gegentor. Auch in dieser Spielzeit stand hinten noch nie die Null, aber dafür stimmen die Ergebnisse. Seit Kohfeldt in Bremer auf der Bank sitzt, holte Werder in 28 Partien 45 Punkte. Nur der FC Bayern und Schalke 04 holten in diesem Zeitraum mehr Punkte.

Macht der Gegner zwei Tore, will Werder eben drei schießen. Auch die Saisonziele erinnern an gute alte Zeiten. Die Rückkehr nach Europa hatten Spieler und Trainer unisono vor dem Start in die Spielzeit ausgegeben. An den ersten vier Spieltagen füllte die Mannschaft dieses ambitionierte Vorhaben mit Leben. Schon beim ersten Auswärtsspiel der Saison sicherte sich das Team dank einer starken Willensleistung noch drei Punkte in Frankfurt.

Video: Bremens Last-Minute-Sieg in Frankfurt

Eggestein ist der heimliche Chef

Wie hungrig die Bremer auf Erfolg sind, verdeutlichen auch die Interviews nach der Partie in Augsburg. Keine Spur von Selbstzufriedenheit ließ sich den Statements der Werder-Spieler entnehmen. "Nach dem 2:0 müssen wir das Spiel viel besser kontrollieren", befand beispielsweise Claudio Pizarro nach der Partie. Max Kruse betonte das glückliche zustande kommen der Drei Punkte: "Augsburg war das bessere Team, aber wir hatten heute das nötige Quäntchen Glück", so der Bremer Kapitän.

Doch nicht nur das Glück war heute auf Bremer Seite. Max Kruse zeigte seine bislang stärkste Leistung in dieser Saison und auch Neuzugang Davy Klaassen wird von Spiel zu Spiel besser. Die eigentliche Entdeckung dieser Saison ist aber Maximilian Eggestein. Das Bremer Eigengewächs hat sich zwar in der vergangenen Saison schon zum Stammspieler gemausert, aber im Vergleich zum Vorjahr hat er noch einmal einen großen Sprung gemacht. Der laufstarke Mittelfeldspieler ist trotz Größen wie Klaassen, Bargfrede oder Kruse der heimliche Chef im Bremer Spiel und erzielte in Augsburg bereits seinen zweiten Saisontreffer.

Mit Nuri Sahin saß zudem ein namhafter Neuzugang 90 Minuten auf der Bank. Kohfeldt hatte aber schon betont, dass der Ex-Dortmunder in der englischen Woche wohl seine Chance von Beginn an bekommen wird. Vielleicht wird Sahin gegen Hertha BSC auflaufen, die am Dienstag im Weserstadion zu Gast sind. Diese Partie wird ein echtes Spitzenspiel. Hertha könnte zumindest vorläufig an die Tabellenspitze springen und Werder sich auf Rang 2 schieben. Dann wäre Bremen offiziell Bayern-Jäger Nummer 1. Dann wäre wirklich alles wieder so wie in den guten alten Zeiten.

Florian Reinecke