Zusammenfassung

  • Werder spielt Augsburg beim 3:1-Sieg schwindelig

  • Belfodil bedankt sich mit zwei Toren für Startelfeinsatz

  • Bremens Trainer Kohfeldt warnt vor Selbstzufriedenheit

Augsburg - Es kann offensichtlich sehr trügerisch sein, acht Spieltage vor dem Ende der Bundesliga 35 Punkte gesammelt zu haben. Manuel Baum, den Trainer des FC Augsburg, beschlich jedenfalls dieser Tage das ungute Gefühl, "dass wir uns schon aus der Saison verabschiedet haben mit 35 Punkten". Und wie eine Mannschaft, die gedanklich schon die Planung für die Sommerpause begonnen hat, "haben wir auch gespielt", sagte Baum nach dem 1:3 (0:2) gegen Werder Bremen: "Tut mir Leid." Der Gegner hingegen spielt derzeit völlig befreit auf.

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Werder hatte erst 30 Punkte und deshalb keinen Grund, die Saison gedanklich schon abzuhaken. Trotz dieser Belastung spielte die Mannschaft so überzeugt von sich, so unbeschwert, dass dem FCA Hören und Sehen verging. "Die haben hin und her gespielt, lang und kurz, die haben gemacht, was sie wollten. Ich glaube, die hatten richtig Spaß", sagte FCA-Torhüter Marvin Hitz, der sich beileibe nicht darüber beschweren wollte und durfte, dass es am Ende nur drei Gegentore waren.

"Ich bin beeindruckt von der Souveränität, von der Art und Weise, wie wir gespielt haben." Zlatko Junuzovic (Werder Bremen)

Bremen spielte in Augsburg nicht wie eine Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpfen muss. "Ich bin beeindruckt von der Souveränität, von der Art und Weise, wie wir gespielt haben", sagte Kapitän Zlatko Junuzovic. Der Österreicher war bis zur 63. Minute selbst nur Zuschauer, versicherte aber, er habe mit dem Trainer "kein Problem". Wie sollte er auch? Denn Florian Kohfeldt hatte in Augsburg alles richtig gemacht, und das hatte schon mit der Aufstellung begonnen.

Der FC Augsburg kann beim 2:0 durch Belfodil nur zuschauen
Der FC Augsburg kann beim 2:0 durch Belfodil nur zuschauen © imago / Jan Huebner

Überragend bei den klar besseren Bremern war Ishak Belfodil. Der gebürtige Algerier war neben Philipp Bargfrede für Kapitän Junuzovic und Milot Rashica in die Mannschaft gekommen, dafür bedankte er sich mit zwei Toren (5./40.) sowie der Vorlage zum entscheidenden Treffer des ebenfalls starken Max Kruse (82.). Er habe, sagte Kohfeldt, einen "körperlich präsenten" Stürmer auf dem Platz haben wollten, "der auch in die Zwischenräume geht". Der Plan ging auf.

Zwei Mal nur an die Latte

Vor allem in der ersten Halbzeit mischten die Bremer die arg orientierungslosen Augsburger auf. "Die haben", klagte Philipp Max hernach, "fünf Spieler in der Offensive, die ständig kreuz und quer laufen". Und es hätte noch schlimmer kommen können: In der zweiten Halbzeit musste Max einen Kopfball von Belfodil von der Linie schlagen (53.), Maximilian Eggestein (57.) und Theodor Gebre Selassi (66.) trafen nur die Latte. Kruse und Eggestein vergaben eine Doppelchance (74.). 

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Augsburgs Philipp Max mit einer weiteren Torvorlage
Augsburgs Philipp Max mit einer weiteren Torvorlage © imago

Rani Khedira gelang zwischenzeitlich der Anschlusstreffer mit seinem ersten Tor in der Bundesliga (63.), bereits zum zwölften Mal in dieser Saison hatte Max dem Schützen die Vorlage gegeben. Bei einem Freistoß von Michael Gregoritsch verhinderten kurz darauf Torhüter Jiri Pavlenka und der Pfosten den Ausgleich (68.). Danach spielte Augsburg, wie Baum bemängelte, "zu viel und zu früh Harakiri" - und den Bremern damit in die Karten. Die blieben doch eher gelassen.

"Die Situation ist nicht so, dass wir uns aus dem Abstiegskampf verabschiedet haben. Wir brauchen noch Punkte." Florian Kohfeldt (Trainer Bremen)

Kohfeldt war "sehr einverstanden" mit seiner Mannschaft - warnte aber auch "vor Selbstzufriedenheit, die Situation ist nicht so, dass wir uns aus dem Abstiegskampf verabschiedet haben. Wir brauchen noch Punkte." Bremen hat 33. Das sollte bei acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz aber reichen. 

SID

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