Leipzig - Der VfL Wolfsburg setzt sich im DFB-Pokal mit 2:0 durch und weist einen starken RB Leipzig in die Schranken. Einmal mehr zeigen die Niedersachsen dabei eine homogene Mannschaftsleistung und weisen nach, dass ihr Kader auch in der Breite prima besetzt ist.

Nach gut einer halben Stunde gewann der Gästeblock in der ausverkauften Leipziger Arena erstmals die Oberhand. Gut 3.000 Wolfsburger Fans feuerten ihre Mannschaft so lautstark an, dass sie erstmals lauter waren als die völlig euphorisierten Leipziger Fans.

"Wir stehen zurecht im Viertelfinale"

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Bundesligist die Leipziger Daueroffensive überstanden und machte sich nun seinerseits daran, das Spiel zu kontrollieren. Am Ende stand ein 2:0-Sieg nach Toren von Daniel Caligiuri (20.) und Timm Klose (57.), der sowohl im Leipziger als auch im Wolfsburger Lager als verdient eingestuft wurde.

"Das war ein sehr schweres Spiel für uns", bilanzierte VfL-Coach Dieter Hecking nach dem Spiel. "RB hat eine Klasseleistung gezeigt und uns mit seinen wuseligen Spielern alles abverlangt." So hatte es auch Torschütze Daniel Caligiuri gesehen, der allerdings berechtigterweise nachschob, dass man das Spiel über eine Stunde kontrolliert habe: "Ich glaube, wir hätten uns nicht beschweren können, wenn RB hier mit 1:0 in Führung gegangen wäre. Am Ende haben wir aber verdient gewonnen und stehen zurecht im Viertelfinale."

Homogene Mannschaftsleistung

Tatsächlich zeigte der VfL eine homogene Mannschaftsleistung, bei der Offensive wie Defensive gleichermaßen überzeugten. In der Defensive, wo die Stammkräfte Robin Knoche und Ricardo Rodriguez erneut geschont wurden, machten besonders die Spieler auf sich aufmerksam, die in der Bundesliga kaum einmal über die Rolle der Back-ups hinausgekommen waren: Timm Klose überzeugte nicht nur durch seinen Kopfballtreffer, bei dem er sich mustergültig von seinen Gegenspielern getrennt hatte. Er behielt zusammen mit dem Innenverteidiger-Kollegen Naldo auch die Lufthoheit und durfte sich vom Trainer ein Lob anhören: "Ein starkes Spiel", fand Hecking. "Ich habe sowieso nicht verstanden, warum nach dem Werder-Spiel so viel Kritik auf ihn eingeprasselt ist."

Auch Marcel Schäfer zeigte auf der linken Abwehrseite eine hervorragende Partie. Der VfL-Dauerbrenner schaltete sich immer wieder gekonnt ins Angriffsspiel ein und sorgte mit seinen Standards häufig für Gefahr im Leipziger Strafraum. Dass das 2:0 nach einer Schäfer-Ecke fiel, war dann auch der Lohn einer starken Leistung. "Jetzt wollen wir nach Berlin", erläuterte Schäfer nach der Partie. "Und dann wollen wir dort natürlich auch den Titel holen."

Keine Wiederholung von 2011

Im Lager von RB hatte man vor der Partie von einer Wiederholung der Pokal-Sensation von 2011 geträumt. Damals warf man als Regionalligist die von Felix Magath trainierte Elf mit 3:2 aus dem Wettbewerb – in der ersten Runde. Dass der VfL sich seither merklich konsolidiert hat, war auch am Mittwoch mit Händen zu greifen: Fast ein Dutzend Torchancen erspielte sich der VfL, bei dem allein Bas Dost drei Mal die Gelegenheit hatte, für einen höheren Sieg zu sorgen. Der Niederländer war denn auch ziemlich sauer, dass er kurz vor Schluss gegen Niklas Bendtner ausgetauscht wurde. Kein Grund zur Sorge, wie Hecking ("so verhält er sich doch immer") findet. Schließlich spreche das nur für den Ehrgeiz des Goalgetters. Dass jedoch auch er die Konkurrenz im Nacken hat, betonte Sportdirektor Klaus Allofs: "Niklas Bendtner ist viel näher dran als seine Einsatzzeiten aussagen."

Dass der Wolfsburger Kader auch in der Breite stark besetzt ist, könnte dann auch ein großer Vorteil im Rennen um die Champions-League-Plätze sein. Schon am Samstag hat der VfL die Chance, beim FC Augsburg den nächsten Dreier einzufahren.

Christoph Ruf