Beliebtes Werkzeug der Trainer: Die Taktik-Tafel - © DFL Deutsche Fußball Liga
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Tipico Blog: Die Trainer der Bundesliga

Wenn der Anpfiff ertönt, werden sie scheinbar zu Statisten. Die Augen der Zuschauer ruhen auf dem, was auf dem Rasen geschieht. Dort spielt sich das Turbulente, Kuriose - und vor allem Entscheidende ab. Wenn der Anpfiff ertönt, dann haben die "Statisten" das Gros ihrer Arbeit bereits getan, die Einflussmöglichkeiten auf das Spielgeschehen sind fortan eingeschränkt. Die Trainer der 18 Bundesliga-Teams stehen daher deutlich seltener im Fokus als die Akteure auf dem Platz. Grund genug, einen Blick auf einige ihrer Zunft zu werfen.

Den Anfang macht - Ehre, wem Ehre gebührt - der Erfolgreichste. Obschon der FC Bayern München über einen herausragenden Kader mit Weltklasse-Fußballern verfügt, wird am Beispiel des Rekordmeisters einmal mehr deutlich, wie groß der Einfluss eines Trainers auf das Team sein kann. Mit dem ehemaligen Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft begann in der vergangenen Saison der Aufschwung des amtierenden Meisters, der zum Auftakt in die Spielzeit 2019/20 einige Startschwierigkeiten hatte.

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Hansi Flick gewann 27 seiner 32 Bundesliga-Partien, was einer Siegquote von 84 Prozent entspricht. Das ist unter allen Cheftrainern der Bundesliga-Historie ebenso Bestwert wie sein Punkteschnitt von 2,6 und der Schnitt von 3,2 Toren pro Partie. Bestwert - das klingt nüchtern gemessen an dem Abstand, den sich Flick auf seine Kollegen erarbeitet hat. Kein aktueller Bundesliga-Coach bringt es in seiner jeweiligen Historie auf eine Siegquote von über 55 Prozent, niemand auf einen Schnitt von mehr als zwei Zählern pro Partie und unter keinem anderen Coach schoss ein Team über drei Tore pro Spiel. Peter Bosz kommt immerhin auf einen Schnitt von 2,1 Treffern.

Flicks ärgster Verfolger kann hingegen die meiste Erfahrung vorweisen. Lucien Favre vom Vizemeister Borussia Dortmund ist mit seinen 63 Jahren nicht nur der aktuell älteste Trainer in der Bundesliga, sondern hat mit 304 Spielen als Chefcoach an der Seitenlinie auch die meisten aller aktuellen Bundesliga-Coaches betreut. Sein 300. Spiel war die Auswärtspartie bei der TSG 1899 Hoffenheim am 4. Spieltag. Der Schweizer ist damit der 25. Trainer, der es in der Bundesliga auf diese Anzahl an Partien bringt.

In 152 Spielen, also etwas mehr als der Hälfte, gingen Teams des 63-Jährigen als Sieger vom Platz. Zwar reicht seine Siegquote längst nicht an die von Hansi Flick heran. Doch häufiger als Favre hat kein aktueller Bundesliga-Trainer gewinnen können. Mit dem nächsten Bundesliga-Sieg würde er Huub Stevens auf Rang 14 der Trainer mit den historisch meisten Bundesliga-Siegen einholen.

Favres Erfahrung in allen Ehren - doch länger als Christian Streich ist kein aktueller Bundesliga-Trainer bei seinem Verein. Der Coach betreut den Sport-Club Freiburg seit nunmehr neun Jahren. Und das mit beachtlichem Erfolg: Unter Streich holte der SC in 263 Bundesliga-Spielen stolze 322 Punkte. Er hat den besten Punkteschnitt (1,22 pro Spiel) aller Freiburger Bundesliga-Trainer. Von Streichs 263 Partien gingen nur 103 verloren (39 %) – für einen „Low-Budget-Club“ eine beachtliche Quote. Alle anderen SC-Trainer verloren in der Bundesliga mindestens 45 % ihrer Spiele.

Streich ist 55 Jahre alt, da ist es wenig verwunderlich, dass er schon das eine oder andere Jahr bei seinem Club verbracht hat. Umso erstaunlicher ist jedoch, dass auf Rang zwei der dienstältesten Bundesliga-Trainer ein deutlich jüngerer Kollege steht. Florian Kohfeldt vom SV Werder Bremen zählt erst 38 Lenze, hat drei davon aber schon bei seinem aktuellen Verein verbracht. Noch jünger als Kohfeldt ist unter den aktuellen Bundesliga-Coaches natürlich nur Julian Nagelsmann, der im Februar 2016 im Alter von 28 Jahren jüngster Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte geworden war.

Trotz seines jungen Alters (33) saß Nagelsmann bereits bei 158 Bundesliga-Spielen auf der Bank und seine Mannschaften verloren nur 32 dieser Partien (20 %). Unter Nagelsmann holte Leipzig im Schnitt zwei Punkte pro Spiel und erzielte 2,31 Tore pro Partie – das ist der beste Punkte- und Toreschnitt aller RBL-Trainer in der Bundesliga.

Zum Trainerjob kann es jedoch auch gehören, dass es einen Wechsel auf der Position gibt. In dieser noch jungen Spielzeit haben bereits zwei Vereine getauscht - beide jeweils nach dem zweiten Spieltag. Der FC Schalke 04 trennte sich von David Wagner und holte dafür Manuel Baum. Der 1. FSV Mainz 05 wiederum installierte Jan-Moritz Lichte für Achim Beierlorzer. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte gab es nach zwei Spieltagen bereits zwei Trainerwechsel zu verzeichnen – seitdem allerdings keinen weiteren mehr.

In dieser Saison scheint sich ein Trend abzubilden. Systemtrainer wie Peter Bosz, der in Leverkusen stoisch am „niederländischen“ 4-3-3 festhält, sind in der Bundesliga eine Seltenheit geworden. Hier bewegen sich die Prioritäten klar zur taktischen Flexibilität. An den ersten acht Spieltagen der laufenden Saison spielten neben dem Niederländer nur Kölns Markus Gisdol (4-5-1) und Augsburgs Heiko Herrlich (4-4-2) zu Spielbeginn durchgehend mit derselben taktischen Formation.

Auch fast schon zum guten Ton in der Bundesliga gehört mittlerweile der muntere Wechsel zwischen Vierer- und Dreier- bzw. Fünferkette in der Abwehr. Über die Hälfte (elf von 18) aller aktuellen Bundesliga-Trainer (Favre, Neuhaus, Nagelsmann, Rose, Baum, Kohfeldt, Hütter, Fischer, Lichte, Matarazzo & Streich) wagten in der laufenden Saison schon die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette oder umgekehrt.