Mönchengladbach - Sein Bruder Eden ist ein Superstar beim FC Chelsea. Aber auch Thorgan Hazard, 2012 ebenfalls vom Londoner Club verpflichtet und mittlerweile an Borussia Mönchengladbach ausgeliehen, ist ein Fußballer von seltener Güte.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der 21-Jährige über seine ersten Monate bei der Borussia, er vergleicht die Bundesliga und Bayern München mit der Premier League und Chelsea, und er klärt den Unterschied zwischen belgischen und deutschen Pommes Frites.

bundesliga.de: Monsieur Hazard, am vergangenen Spieltag ist Borussias beeindruckende Serie von 18 Pflichtspielen ohne Niederlage beim BVB gerissen; wo war an diesem Abend das Selbstvertrauen, das nach einer solchen Serie eigentlich vorhanden sein müsste?

Thorgan Hazard: An Selbstvertrauen hat es uns nicht gemangelt. Eher schon könnte es sein, dass uns an diesem Tag das entscheidende Fünkchen mehr an Hingabe, an Willen und an Glauben an einen möglichen Sieg gefehlt hat. Wir haben zu lange abgewartet und Dortmund das Spiel machen lassen. Unterbewusst war da vielleicht der Gedanke, mit einem Punkt zufrieden zu sein. Zu guter Letzt darf man aber nicht vergessen, dass der BVB eine Topmannschaft ist, auch wenn sie vor diesem Spiel zwischenzeitlich den letzten Tabellenplatz belegt hatte.

bundesliga.de: Dortmund ist ohne Frage eine Klasse-Mannschaft, aber gegen die aktuell wohl noch weit höher einzuschätzenden Bayern hat Borussia gezeigt, dass man gegen jeden in der Liga eine Chance hat; wenn es also nicht an Selbstvertrauen mangelte, war man stattdessen vielleicht eine Spur zu selbstsicher?

0:1 beim BVB "kein Weltuntergang" für Favre

Hazard: Nein, das glaube ich nicht. Wie ich schon gesagt habe, das Problem war wohl, dass wir zu abwartend gespielt haben. Und wenn eine Top-Mannschaft wie Borussia Dortmund einmal ins Rollen kommt, hat es jeder Gegner sehr schwer.

bundesliga.de: Wie hat Lucien Favre reagiert?

Hazard: Der Trainer hat das Pressing des BVB besonders gelobt, hat aber natürlich auch angemahnt, dass wir weit besser spielen können. Jeder wusste aber, dass irgendwann einmal eine Niederlage kommen würde. Und Lucien Favre hat gesagt, dass das gewiss kein Weltuntergang sei.

bundesliga.de: Diese Serie bedeutet Vereinsrekord; haben Sie sich ein wenig mit Borussias Geschichte beschäftigt?

Hazard: Für mich, wie wohl für jeden anderen in dieser Mannschaft auch, ist es etwas ganz Besonderes an dieser Entwicklung teilhaben zu dürfen. Uns ist damit etwas für die Geschichtsbücher gelungen, wir sind jetzt einer außergewöhnlicher Teil der stolzen Geschichte dieses Vereins.

bundesliga.de: Lassen Sie uns nun über Sie persönlich sprechen. Ihr vollständiger Name ist Thorgan Ganael Francis Hazard, gibt es eine Geschichte zu Ihrem zweiten und dritten Vornamen?

Hazard: Ja, die gibt es (lacht). Ganael ist der Vorname meines Patenonkels, Francis der meines Opas.

Eingewöhnung fällt leicht bei Borussia

bundesliga.de: Sie stehen seit 2012 bei Chelsea unter Vertrag, haben aber noch kein Pflichtspiel für die Londoner bestritten, weil man Sie umgehend ausgeliehen hat. Erst an Zulte Waregem in Belgien, nun an die Borussia.

Hazard: Ich bin mit gerade einmal 18 Jahren aus der zweiten französischen Liga zu Chelsea gekommen. Also war mir immer bewusst, dass ich dort ganz sicher zunächst nicht spielen, sondern ausgeliehen werden würde. Chelseas Politik ist es, sich früh die Rechte an jungen Talenten zu sichern und diese dann erst einmal auszuleihen, damit die Spieler reifen können. Das war bei mit nicht anders als bei Romelu Lukaku, bei Kevin De Bruyne und bei Thibout Courtois. Genauso und nicht anders wollte ich es auch.

bundesliga.de: Wie kommen Sie mit der Sprache zurecht?

Hazard: Keine Frage, der Wechsel nach Deutschland bedeutet für mich sprachlich eine Herausforderung. Umso schöner ist es, dass es in der Mannschaft mit meinem Landsmann Filip Daems, mit Ibrahima Traoré und mit Yann Sommer drei Spieler gibt, mit denen ich mich auch auf Französisch unterhalten kann. Und selbstverständlich ist es eine große Hilfe, dass auch der Trainer Französisch spricht. Überhaupt ist mein Eindruck, dass bei Borussia alles dafür getan wird, dass es neuen Spielern leicht fällt sich einzugewöhnen.

bundesliga.de: Zieht es Sie noch oft nach Belgien, zu Ihrer Familie?

Hazard: Obwohl es zur belgischen Grenze nicht allzu weit ist, muss ich doch zweieinhalb Stunden fahren, wenn ich meine Eltern besuchen möchte. Bis jetzt habe ich das in den vergangenen vier Monaten erst zweimal, in den Länderspielpausen, geschafft. Das ist aber kein Problem, ich fühle mich hier sehr wohl. Nicht zuletzt, weil meine Freundin, meine Tochter und mein Hund bei mir sind.

bundesliga.de: Haben Sie in der Bundesliga Kontakt zu anderen belgischen Spielern?

Hazard:Junior Malanda vom VfL Wolfsburg, mit dem ich zusammen bei Zulte Waregem gespielt habe, ist ein enger Freund. Ganz klar, dass wir uns regelmäßig austauschen.

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