Mönchengladbach - Im 2. Teil des Interviews mit bundesliga.de spricht Thorgan Hazard über die Bundesliga und die fußballverrückte Familie Hazard.

bundesliga.de: Gibt es etwas typisch Belgisches, das Sie dennoch vermissen?

Hazard: Fritten!

bundesliga.de: Pommes frites? Die gibt es in Deutschland doch auch...

Hazard: Ja, das stimmt schon. Aber ich möchte doch gute Fritten (lacht)...

bundesliga.de: Okay, die Umstellung bei der Ernährung macht noch Probleme, wie aber haben Sie die sportliche Situation bisher wahrgenommen?

Hazard: Die physische Intensität ist in der Bundesliga eine ganz andere als etwa in Belgien. Anfangs hat das für mich eine große Umstellung bedeutet. Hier werden im Spiel, aber auch in den Trainingseinheiten höhere Anforderungen gestellt als das in der Jupiler League der Fall ist. In der Bundesliga ist jeder Spieler 90 Minuten in Bewegung, muss nach vorne, aber auch nach hinten arbeiten. Ich glaube dennoch, dass ich mich mittlerweile gut daran gewöhnt habe. Sehr beeindruckt bin ich übrigens auch von den tollen Stadien in Deutschland. Hier scheint wirklich nahezu jede Partie ausverkauft zu sein.

Zwischenfazit? Ich bin zufrieden!

bundesliga.de: Wie fällt Ihr Zwischenfazit nach vier Monaten Borussia und Bundesliga aus?

Hazard: In Belgien hatte ich in der Liga viel mehr Einsatzzeit als bisher hier. Trotzdem bin ich zufrieden. Denn ich habe meine Spiele in der Europa League und im Pokal bekommen und habe dort auch schon getroffen.

bundesliga.de: Von Ihrem Bruder Eden, der bei Chelsea spielt,  wissen Sie viel über die Premier League; ist die Bundesliga mittlerweile vorbei gezogen?

Hazard: Diese beiden Ligen sind die besten in der Welt. Die Bundesliga hat in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt und es ist gut möglich, dass sie mit der Zeit zur Premier League aufschließt. Trotzdem bleibt die Premier League für mich etwas ganz Besonderes.

"Wir bleiben auf dem Teppich"

bundesliga.de: Chelsea ist in England Tabellenführer, die Bayern sind es in Deutschland; wie schätzen Sie die Leistungsstärke dieser beiden Top-Clubs ein?

Hazard: Ich glaube, dass es aktuell in England schwieriger ist Meister zu werden. Auf der Insel gibt es in der Regel eine ganze Reihe ernsthafte Kandidaten auf den Titel, Chelsea, Manchester City, Arsenal, Liverpool und normalerweise auch Manchester United. So etwas wie in der vergangenen Saison in der Bundesliga, als Bayern München schon viele Wochen vor Saisonende als Meister feststand, ist für die Premier League undenkbar. In diesem Jahr aber mag es in der Bundesliga etwas anders zugehen.

bundesliga.de: Wegen Borussia?

Hazard: Nein, nein, nicht wegen Borussia (lacht)! Wie gesagt, wir bleiben auf dem Teppich. Aber die WM im Sommer und etwaige Verletzungen wegen der großen Belastung haben die Nationalspieler der Bayern viel Kraft gekostet, und man sieht, dass sie nicht jedes Spiel im Vorbeigehen gewinnen. Sie haben sich gegen Hamburg schwer getan (0:0; d. Red.), gegen Schalke (1:1; d. Red.) und auch gegen uns (0:0; d. Red.). Wolfsburg spielt bisher bärenstark, und, ganz ehrlich, auch Borussia Dortmund sollte man noch nicht abschreiben. Möglicherweise fällt der Vorsprung deshalb in diesem Jahr etwas geringer aus. Nichtsdestotrotz bleibt der FC Bayern natürlich der FC Bayern!

bundesliga.de: Haben Sie in den vergangenen Wochen einmal mit Eden über die Bundesliga gesprochen?

Hazard: Wir telefonieren ein-, zweimal die Woche miteinander und sprechen dann vor allem darüber, wie es der Familie geht. Aber natürlich wird auch über Fußball gesprochen. Eden verfolgt die Bundesliga nun sehr aufmerksam, ebenso wie er im vergangenen Jahr, als ich noch bei Zulte Waregem gespielt habe, nach Belgien geschaut hat.

Die Hazards haben Fußball in den Genen

bundesliga.de: Eden, bei Chelsea längst ein Superstar, soll gesagt haben, dass Sie der bessere Fußballer seien...

Hazard: Bei uns gibt es insgesamt sogar vier Brüder, die Fußball spielen. Kylian ist neunzehn, kommt aus der zweiten belgischen Liga und spielt jetzt für meinen Ex-Klub, Zulte Waregem. Ethan ist zwar erst elf und spielt Fußball bisher eher zum Spaß, aber auch er hat Talent. Und was Eden betrifft: Er gehört für mich zu den besten Spielern der Welt. Besser als er zu sein, das wäre eine ganz, ganz große Sache, ist aber auch weit entfernt!

bundesliga.de: Nicht nur Ihre Brüder, sondern auch beide Eltern sollen Fußball gespielt haben; waren die auch erfolgreich?

Hazard: Mein Vater hat in der zweiten belgischen Liga gespielt, meine Mutter in der 1. Frauen-Liga. Sie hat mit Fußball erst aufgehört, als sie mit Eden schwanger war.

bundesliga.de: Gab es angesichts dieser Fußball-Power für Sie überhaupt je eine Alternative zum Profi-Dasein?

Hazard: Neben dem Fußball habe ich früher auch viele andere Sportarten ausprobiert, etwa Tennis oder Basketball. Als Eden aber Schritt für Schritt immer besser wurde und schließlich den Sprung in ein Profi-Bereich geschafft hat, zum OSC Lille, der in der französischen Ligue 1 spielt, war das eine ganz große Sache für die ganze Familie. Von diesem Zeitpunkt an war für mich endgültig klar, dass ich auch Fußballer werden will!

 

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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