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Taktik-Analyse: Marco Roses Raute bei Borussia Dortmund

Seit Marco Rose in diesem Sommer das Zepter bei Borussia Dortmund übernommen hat, gibt es vor allem eine entscheidende Änderung: Der Coach lässt bevorzugt im 4-4-2 mit Raute spielen. bundesliga.de analysiert Stärken und Schwächen dieser Formation.

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Vor allem in den frühen 2000er-Jahren gab es in der Bundesliga wie im internationalen Spitzenfußball kaum ein Spielsystem, das so angesagt war wie das 4-4-2 mit Raute. Im letzten Jahrzehnt geriet es aber immer mehr in den Hintergrund und wurde von Formationen wie dem 4-2-3-1, dem 4-4-2 mit Doppelsechs und offensiven Außen sowie diversen Systemen mit Dreier-Abwehrkette verdrängt.

Doch nun holt Marco Rose bei Borussia Dortmund die etwas in Vergessenheit geratene Raute wieder aus der Schublade hervor. Und das macht durchaus Sinn, vor allem bei einem näheren Blick auf das Spielermaterial: Mit Neuzugang Donyell Malen, der lieber im Sturmzentrum als auf Außen agiert, bekommt Stoßstürmer Erling Haaland eine zweite Spitze an seine Seite, die nicht nur in der Lage ist, ihn mit Bällen zu füttern, sondern selbst auch Gegenspieler an sich bindet. So entstehen für den Norweger zwangsläufig mehr Räume.

Aber auch für Marco Reus, bei Marco Rose der zentrale Spieler und ohne Zweifel der verlängerte Arm des Trainers, gibt es die Idealposition: Als Zehner kann er aus der Tiefe das Spiel ankurbeln, aber gleichzeitig immer wieder in die Spitze stoßen, um seine enormen Stärken im letzten Drittel auszuspielen. Mit der Doppelspitze sowie dem Zehner Reus dahinter gibt es außerdem mehr Möglichkeiten im Angriffspressing, um den gegnerischen Spielaufbau schon bei den Innenverteidigern unter Druck zu setzen.

Aber auch die Qualitäten von Jude Bellingham kommen so viel besser zur Geltung. Auf der Achterposition als Verbindungsglied zwischen Defensive und Offensive funktioniert der Engländer noch besser als auf der Sechs. Inzwischen ist er zum Mittelfeldmotor des BVB geworden und aus der Startelf nicht mehr wegzudenken.

Weil es im Mittelfeld gleich vier zentrale Spieler gibt, haben die extrem spielstarken Dortmunder hier gleich mehrere Anspielstationen zur Verfügung, was vor allem dem spielfreudigen Mo Dahoud in die Karten spielt. Der neue Sechser kümmert sich in erster Linie um den Spielaufbau von hinten und hat dabei meist ein anspielbares Dreieck aus den beiden Achtern (Reyna/Bellingham) sowie dem Zehner Reus vor seinen Augen. Und wenn der Gegner das Zentrum dicht macht, gibt es umso mehr Räume auf den Flanken für die Außenverteidiger, allen voran Raphael Guerreiro.

Doch genau hier liegt auch der Nachteil der Raute. Denn rein nominell müssen die Außenverteidiger die gesamte Außenbahn beackern. Eine hoch komplexe Aufgabe für einen einzelnen Akteur. In einem System mit Außenstürmern gibt es immerhin zwei Spieler pro Seite. Entsprechende Räume entstehen also auch hier für die gegnerischen Mannschaften. Und so wundert es nicht, dass Dortmund in allen drei bisherigen Bundesliga-Partien zwei Gegentreffer kassiert hat. Wenn auf der anderen Seite dafür aber noch mehr eigene Tore erzielt werden, wie zum Auftakt gegen Frankfurt oder zuletzt gegen Hoffenheim, dürfte das Marco Rose zwar auch noch ein wenig ärgern, für die Zuschauer gibt es dafür jedoch meist ein Spektakel zu sehen.