Bayer Leverkusen feiert beim Sieg gegen Köln - © INA FASSBENDER
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Rekorde für die Super-Werkself: Bayer 04 Leverkusen auf dem Weg zum Titel

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Nie wieder "Vizekusen"? Bayer 04 Leverkusen will den Spitznamen, der den Verein seit 2002 begleitet, endlich ablegen. Mit zehn Punkten Vorsprung vor dem FC Bayern München ist die Werkself nun in bester Position, den Traum wahr zu machen.

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Am 24. Spieltag hat Bayer 04 Leverkusen den Vorsprung auf den zweitplatzierten FC Bayern München noch weiter ausgebaut. Weil der Rekordmeister bei einem 2:2 in Freiburg Punkte liegen ließ, Leverkusen aber beim Rheinischen Duell in Köln 2:0 gewann, steht die Werkself nun mit zehn Punkten Vorsprung an der Spitze der Bundesliga.

Damit baute Leverkusen seinen Rekord ungeschlagener Pflichtspiele eines deutschen Teams auf 34 aus. Nie zuvor blieb ein Bundesligist so lange unbesiegt. Zudem sind nun 24 ungeschlagene Bundesliga-Partien eingestellter Vereinsrekord der Werkself - bisher schaffte Leverkusen das nur in der Saison 2009/10. Am 25. Spieltag kann Xabi Alonsos Team gegen den VfL Wolfsburg eine neue Bestmarke für die Werkself aufstellen.

Die Unschlagbarsten: Werkself stellt neuen Unbesiegt-Rekord auf

Zuvor schaffte es nur eine einzige Mannschaft, länger als die ersten 24 Spiele einer Saison nicht zu verlieren: Der FC Bayern 2013/14 unter Pep Guardiola blieb sogar 28 Spieltage ungeschlagen, dann verloren die Münchner beim FC Augsburg. Gegen Augsburg muss Leverkusen erst am 34. Spieltag wieder ran, könnte möglicherweise eine unbesiegte Saison krönen, indem man selbst den Angstgegner der Super-Bayern ausschaltet.

Nie wieder "Vizekusen"?

Die Zweitbesten der Historie sind Alonsos Leverkusener auch in Punkten: Mit 64 Zählern nach 24 Spieltagen kann ebenfalls nur Guardiolas FC Bayern 13/14 mithalten - der holte sogar 68 Punkte. Doch mit den ewigen zweiten Plätzen soll nun Schluss sein. Das Trauma von 2002, als Bayer Leverkusen das Vize-Triple holte, soll endlich nur noch Geschichte sein. Die Bundesliga beendete die Werkself damals hinter Borussia Dortmund, im Pokalfinale unterlag man dem FC Schalke 04 und im Endspiel der Champions League verloren die Leverkusener gegen Real Madrid.

In einer historisch starken Saison führt Bayer 04 mit zehn Zählern Vorsprung - ein so hoher Punktunterschied wurde in der Geschichte der Bundesliga noch nie innerhalb der letzten zehn Spieltage einer Saison aufgeholt. Doch feiern wollen Granit Xhaka und Co. noch längst nicht. "Es sind noch zehn Spiele übrig, das bedeutet 30 mögliche Punkte. Das Rennen ist noch nicht vorüber", warnte der Mittelfeldregisseur eindrücklich.

Der Sommerneuzugang vom FC Arsenal musste in der vergangenen Saison miterleben, wie es ist, eine hohe Tabellenführung zu verspielen. Acht Punkte waren die Gunners bei nur neun offenen Spielen vor Manchester City, verloren aber am Ende das Rennen um die Meisterschaft. "Letzte Saison waren wir in einer ähnlichen Situation und haben nicht gewonnen", erklärte Xhaka nach der Partie gegen Köln, "das sage ich auch meinen Kollegen in der Kabine. Es ist noch nicht vorbei. Wir wollen bodenständig bleiben und von Spiel zu Spiel schauen."

Super-Werkself mit Super-Defensive

Doch vieles spricht für die Leverkusener, die nach einer bärenstarken Hinrunde eine noch bessere Rückrunde folgen lassen: An den ersten sieben Spieltagen holte Xabi Alonsos Elf sechs Siege und ein Unentschieden. Somit erreichte die Werkself 19 der möglichen 21 Punkte und legte den besten Rückrunden-Start der Vereinsgeschichte hin.

Garantiert war das nicht, denn immerhin gehörten mit RB Leipzig, die Leverkusen auswärts 3:2 schlug, und dem FC Bayern, dem Alonso in einer Taktik-Schlacht ein 3:0 einschenkte, zwei echte Hochkaräter zum Startprogramm der Rückrunde. Doch ob Last-Minute-Sieg gegen Augsburg oder Spitzenspiel - die Werkself holt konstant immer wieder drei Punkte. Lediglich vereinzelt wird es mal nur einer.

Vorsprung ausgebaut: Werkself gewinnt gegen zehn Kölner

Dass sie eigentlich unbesiegbar sind, verdanken die Leverkusener auch ihrer historisch starken Defensive. 16 Gegentore in 24 Bundesliga-Partien ist nicht nur Bestwert der Bundesliga sondern natürlich auch ein neuer Vereinsrekord. Erst einmal blieb ein anderes Team, der FCB 2016/17, an den ersten 24 Spieltagne bei weniger Gegentoren (13).

Starke zwölfmal hielt Lukáš Hrádecký in Zusammenarbeit mit seiner Defensive die Null. Das sind mindestens drei Spiele mehr als jedes andere Bundesliga-Team. Dagegen sieht die furiose Offensive, die mit 61 Treffern knapp am Vereinsrekord nach 24 Spieltagen (2021/22 traf Leverkusen 63-mal) kratzt, fast harmlos aus.

Ab wann könnte die Werkself feiern?

Nach 24 Spieltagen stand Bayer Leverkusen 20 Mal an der Spitze der Bundesliga. Das ist ein neuer Saison-Topwert. Der bisherige Rekord lag bei 17 Spieltagen (2009/10; Leverkusen rutschte noch auf Platz vier ab). Damit das auch nach 34 Spieltagen der Fall ist, könnten verschiedene Szenarien eintreten.

Im einfachsten Fall könnte die Werkself nach 28 Spieltagen die Sektkorken knallen lassen. Holt der FC Bayern bis dahin maximal einen, der VfB Stuttgart maximal fünf, Dortmund maximal elf und Leipzig maximal zwölf Punkte, könnte Leverkusen mit durchgehenden Siegen und dann 76 Punkten 21 (oder mehr) Zähler Vorsprung haben, an den übrigen sechs Spieltagen wären aber nur noch 18 zu verteilen. Das Szenario ist natürlich äußerst unwahrscheinlich.

Matchwinner im Derby: die perfekte Flügelzange

Etwas realistischer erscheint da schon, dass der FC Bayern alles gewinnt. Doch auch dann könnte die Werkself aus eigener Kraft frühzeitig die Meisterschaft sichern: Gibt es von B04 und FCB ab jetzt nur noch Siege, wäre nach dem 31. Spieltag die Meisterschale verteilt. Die zehn Punkte Vorsprung stünden nur noch neun zu holenden Punkten gegenüber. Praktischerweise wäre es ein Heimspiel - und man wird noch einmal richtig gefordert, kann sich die Feierlichkeiten also verdienen: Am 31. Spieltag kommt der VfB in die BayArena.

Bei der Rechnung mit den Ergebnissen aus der Hinrunde (Leverkusen ließe am 30. und 31. Spieltag gegen Dortmund und Stuttgart jeweils zwei Punkte liegen, Bayern dafür am 30. Spieltag drei gegen Frankfurt) ist die Meisterschaft am 32. Spieltag das anvisierte Spiel. Die dann nur noch neun Punkte Vorsprung bei sechs zu holenden Punkten würden bedeuten, dass Leverkusen in Frankfurt den Titel feiert.

Doch bis dahin gilt es, weiter den vollen Einsatz zu zeigen, um so früh wie möglich den Titel "Vizekusen" abzulegen und ihn durch "Meister" zu ersetzen. "Wir schauen nur Spiel für Spiel", stimmt Xabi Alonso seinem Führungsspieler Xhaka zu.