Sinsheim - Julian Nagelsmann ist sich sicher: "Wir können die Bayern ärgern." Der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim versprüht nach der zweiwöchigen Länderspielpause vor dem Spiel gegen den FC Bayern München Optimismus. Im vergangenen Jahr holten die "Nagelsmänner" vier Punkte gegen den Rekordmeister. Aber da spielten auch noch die Nationalspieler Sebastian Rudy und Niklas Süle für die TSG, am Samstag nun kehren die beiden im Trikot des FC Bayern zurück nach Hoffenheim.

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Video-Rückblick: Die TSG verdient sich einen Punkt in München

Nagelsmann wünscht seinen beiden ehemaligen Leistungsträgern, die mitverantwortlich für das Erreichen des 4. Platzes in der vergangenen Runde waren, "nicht unbedingt einen Sahnetag" bei ihrer Rückkehr: "Aber ich wünsche ihnen, dass sie ein gutes Spiel machen können." Einen Erfolg für die TSG muss das ja nicht ausschließen.

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Von vielen Experten mit Erstaunen beobachtet wird die Entwicklung von Rudy und Süle, die im bisherigen Saisonverlauf bei den Bayern zum Stamm gehören. Auch Nagelsmann ist zumindest im Fall des erst 22 Jahre jungen Innenverteidigers Süle ein wenig überrascht, er sagt: "Ich hätte gedacht, dass er länger braucht. Aber Niklas macht es sehr gut bei den Bayern, er spielt solide seinen Stiefel runter und bringt Struktur rein."

Süle stand bislang wie Rudy immer in der Startelf, das erste Saisontor der Bayern beim 3:1-Auftaktsieg gegen Leverkusen entsprang sogar einer Co-Produktion der ehemaligen Hoffenheimer: Rudy flankte den Ball nach einem Freistoß in der Strafraum, Süle köpfte das Runde ins Eckige.

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Süle will sich festbeißen, Rudy eine feste Größe werden

Süle profitiert auch ein wenig vom Verletzungspech der Konkurrenten in der zentralen Verteidigung. Nationalmannschaftskollege Jerome Boateng bestritt noch keine Spielsekunde in dieser Bundesligarunde, sitzt aber in Hoffenheim ebenso wie der zuletzt verletzte James Rodriguez wohl wieder auf der Bank. Süle aber fürchtet wie Rudy die Konkurrenz nicht, die beiden wollen sich im Münchner Starensemble etablieren. Süle sagt: "Ich will mich festbeißen." Der Appetit kommt eben doch beim Essen.

Sebastian Rudy überzeugte bisher mit technischer Raffinesse und mit Spielverständnis im zentralen Mittelfeld der Münchner, wo das Erbe ja groß ist, das durch Karriereende des spanischen Taktgebers Xabi Alonso entstanden ist. Doch Rudy ist ein hervorragender Fußballer, der im Zusammenspiel mit immer besseren Fußballern nur noch besser zu werden scheint. Auch in der Nationalmannschaft wird der 27-Jährige ja mittlerweile fast selbstverständlich an der Seite von Toni Kroos wahrgenommen - so wie am vergangenen Montag beim 6:0-Sieg gegen Norwegen in Stuttgart. Rudy, der Xabi Alonso immer als sein Vorbild bezeichnet hat, sagt: "Ich will eine feste Größe bei den Bayern werden."

Suche nach perfekten Nachfolgern läuft noch

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Dass ihr Mut und ihr Selbstbewusstsein nicht aufgesetzt sind, beweisen Rudy und Süle bislang beim Branchenführer. In Hoffenheim hinterließen die Abgänge der zwei Profis Lücken, die noch nicht eindeutig geschlossen wurden. Auf Süles Position auf der rechten Seite der Dreierabwehrkette streiten sich Zugang Havard Nortveidt (West Ham United) und Ermin Bicakcic um die Nachfolge.

Und im zentralen Mittelfeld variiert TSG-Trainer Nagelsmann bisher beispielsweise zwischen Routinier Eugen Polanski, Offensivspieler Kerem Demirbay oder Talent Dennis Geiger - ohne sich (bislang) festgelegt zu haben. Auch der etatmäßig Abwehrchef Kevin Vogt kann diese zentrale Position ja spielen.

Nagelsmann gibt zu bedenken: Auch Rudy habe sich ja erst im Verlauf der letzten Saison zu einem unverrückbaren Fixpunkt entwickelt. Und dieser Fixpunkt gab der TSG eben jene Stabilität, die den Club bis in die verlorenen Champions-League-Playoffs gegen den FC Liverpool trug.

Doch nächste Woche treten die Hoffenheimer nun in der Europa League gegen Sporting Braga aus Portugal an. Sebastian Rudy und Niklas Süle hingegen empfangen den RSC Anderlecht - zum Auftakt in die Champions League.

Tobias Schächter