Neuer Taktgeber an der Seitenlinie bei der TSG Hoffenheim: Sebastian Hoeneß - © Markus Ulmer via www.imago-images.de/imago images/ULMER Pressebildagentur
Neuer Taktgeber an der Seitenlinie bei der TSG Hoffenheim: Sebastian Hoeneß - © Markus Ulmer via www.imago-images.de/imago images/ULMER Pressebildagentur
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Sebastian Hoeneß bei der TSG Hoffenheim: Mehr als nur Sohn und Neffe

Die TSG Hoffenheim hat mit Sebastian Hoeneß seit dem 2. August einen neuen Cheftrainer. Mit der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, einem Aufsteiger, wurde der Coach direkt Meister in der 3. Liga. Der 38 Jahre alte Fußballlehrer steht für attraktiven Angriffsfußball und ist mehr, als nur der Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß - und zeigt das nun auch eindrucksvoll mit der TSG.

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Am 2. Spieltag gelang Hoeneß und seinen Hoffenheimern jetzt ein furioser 4:1-Sieg gegen Bayern München. Die TSG lieferte mit mit zahlreichen Kontern in Hochgeschwindigkeit ein wahres Spektakel in Sinsheim ab - und grüßt mit sechs Punkten sogar von der Tabellenspitze.

"Wir wollten direkt sehr mutig und offensiv agieren. Aber wir sind nicht gut reingekommen. Wir sind einige Mal stark hinter die Kette gekommen und haben aus so einer Situation auch das 3:1 erzielt. Es war eine saustarke Mannschaftsleistung. Der Sieg zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Sebastian Hoeneß.

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Fußball im Blut

"Das erste Wort, das er als Kind gesagt hat, war Ball", sagt Dieter Hoeneß, die Stürmerlegende des FC Bayern München und ehemaliger Manager des VfB Stuttgart, von Hertha BSC sowie dem VfL Wolfsburg. Hoeneß spricht von seinem Sohn Sebastian, der seit August der neue Cheftrainer der TSG 1899 Hoffenheim ist. "Ich freue mich sehr für ihn, das ist der nächste große Schritt, den er in der Fußball-Welt macht und eine wirklich große Herausforderung", sagt Dieter Hoeneß damals der Münchener AZ.

Der 38 Jahre alte Fußballlehrer wechselte vom FC Bayern II in den Kraichgau und steht dort nun bis Ende Juni 2023 unter Vertrag. Nur schweren Herzens ließ der deutsche Rekordmeister Hoeneß ziehen - und das liegt weder an seinem berühmten Vater, noch an seinem wohl noch bekannteren Onkel Uli, dem großen Macher der Bayern, der mittlerweile Ehrenpräsident beim FCB ist: Sebastian Hoeneß übernahm im vergangenen Sommer die U23, die frisch in die 3. Liga aufgestiegen war - und wurde prompt Meister!

Meister in der 3. Liga und Trainer des Jahres: Sebastian Hoeneß - Jan Huebner/Kleer via www.imago-images.de/imago images/Jan Huebner

"Meine Idee von Fußball: offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv"

Zum ersten Mal überhaupt wurde eine Zweitvertretung Meister in der 3. Liga. Und das auch noch mit der jüngsten Mannschaft - das Durchschnittsalter des Kaders betrug knapp über 21 Jahre. Was zudem erschwerend hinzukam: Hoeneß musste insgesamt 34 Akteure einsetzen, immer wieder musste er wichtige Stützen wie Joshua Zirkzee, Sarpreet Singh, Mickael Cuisance oder auch den Torschützenkönig Kwasi Okyere Wriedt für den Rekordmeister abstellen und seine erste Elf umbauen.

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In der 3. Liga, wo der Spielstil der meisten Teams stark vom Pressing und schnellem Umschaltspiel geprägt ist, setzte Sebastian Hoeneß auf ein attraktives Kurzpassspiel, flachen, variablen und teilweise riskanten Aufbau von hinten heraus. Bayern II gab meist Vollgas, zeigte begeisternden Offensiv-Fußball. Fortlaufende Positionswechsel im Angriff sowie kreatives, direktes Passspiel in die Tiefe machten das Spiel von Bayern II schwer ausrechenbar.

Bereits nach wenigen Spieltagen in der neuen Spielklasse war zu erkennen: Die zweite Mannschaft der Bayern stellte das spielstärkste Team. In der Hinrunde zahlten die meist überlegenen Talente des Rekordmeisters jedoch noch oft Lehrgeld, gaben viele Spiele unnötig aus der Hand und standen nach 19 Spieltagen auf Platz 15, lagen mit 22 Punkten nur zwei Zähler vor den Abstiegsrängen.

Bärenstarke Rückrunde zum Titel

In der Rückrunde ließ Hoeneß sein Team nach Führungen auch mal abwartender agieren, damit aufgrund des ständigen Vorwärtsdrangs seiner Jungs nicht zu viele Kontersituationen entstehen konnten. Und siehe da: Das junge Team des jungen Trainers entwickelte sich weiter, agierte in der Rückrunde erwachsener und viel abgeklärter, holte 43 Punkte. Aus 16 Zählern Rückstand auf den ersten Platz nach der Hinrunde wurde ein Ein-Punkte-Vorsprung nach 38 Spieltagen auf den Zweitplatzierten, die Würzburger Kickers.

Zweite Mannschaften dürfen laut der Statuten nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen - Hoeneß überspringt diese Station jedoch und coacht Hoffenheim nun in der Bundesliga sowie der Europa League. "Die Arbeit bei der TSG Hoffenheim ist eine große Herausforderung, auf die ich mich enorm freue. Die grundsätzliche Philosophie des Clubs ist identisch mit meiner Idee von Fußball – offensiv, mutig, flexibel und immer aktiv", erklärte Hoeneß zu Dienstbeginn in Sinsheim.

Die deutliche Steigerung seines Teams in der zweiten Saisonhälfte, ist nicht unbemerkt geblieben: "Wir stehen schon seit längerer Zeit in Kontakt mit Sebastian Hoeneß, da uns seine Arbeit imponiert und seine Auffassung von Fußball hervorragend zur Philosophie und Strategie der TSG passt", gab Alexander Rosen anlässlich der Verpflichtung des Trainers einen Einblick in die vorherigen Bemühungen der Sinsheimer. Offensiv und attraktiv spielen sowie junge Spieler fördern - das passt zur TSG.

Dieter Hoeneß im Jahr 1982 mit seinem Sohn Sebastian - imago sportfotodienst/imago/Fred Joch

Hoeneß will die Spieler und sich selbst entwickeln

Mit Andrej Kramaric, Munas Dabbur, Ishak Belfodil, Sargis Adamyan und Robert Skov verfügt Hoeneß nun über zahlreiche, variable und technisch starke Offensivspieler. Zudem ist dem Fußballlehrer durchaus zuzutrauen, junge Spieler wie Dennis Geiger, Christoph Baumgartner, Maximilian Beier und David Otto "auf ein höheres Level zu entwickeln", wie es Rosen ausdrückt.

Schon nach zwei Spieltagen in der Bundesliga scheint es nun, als würde der Plan aufgehen. "Ich verbinde seit Kindesbeinen Emotionen mit dem FC Bayern", sagte Sebastian Hoeneß der Sport Bild vor seinem Wechsel nach Sinsheim über seine Verbindung zum Rekordmeister, "ein Schritt weg von hier müsste schon sehr gut durchdacht sein und perfekt passen." Seine Stationen bei der U19 und U23 des FCB seien "eine fantastische Zeit, in der ich mich als junger Trainer perfekt weiterentwickeln konnte" gewesen.

Diese Entwicklung geht nun in Hoffenheim, wo Hoeneß 2006/07 selbst spielte, weiter. Die TSG scheint genau der geeignete Club für den jungen Coach zu sein. Das sieht auch sein Vater, Dieter, so: "Hoffenheim ist gerade für einen jungen Trainer eine gute Station", sagte er der AZ und verwies dabei auch auf die Entwicklung von Julian Nagelsmann, der nun mit Leipzig im Viertelfinale der Champions League steht.

Den weltweit bekannten Nachnamen sieht sein Vater zwar als "Hypothek", doch er traut seinem Sohn durchaus Erfolg bei der TSG zu: "Er kann was und ist bereit! Er hat schon gezeigt, dass er immer wieder neu dazulernt und sich weiterentwickelt." Nach zwei Spieltagen und der Tabellenführung mit der TSG in der Bundesliga kann man Dieter Hoeneß da nur schwerlich widersprechen.

Patrick Dirrigl