Zusammenfassung

  • Marcel Schmelzer sieht sein Team angesichts der Negativserie in der Bringschuld

  • Der BVB-Kapitän ist sich der Bedeutung des Spiels gegen Schalke für die Fans bewusst

  • Schmelzer: "Es kommt in den 90, 95 Minuten beim Revierderby nur darauf an, wer dieses Spiel unbedingt gewinnen möchte"

Dortmund - Vier Tage vor dem Revierderby hat Borussia Dortmund seine Negativserie mit der 1:2-Heimniederlage in der Champions League gegen Tottenham Hotspur fortgesetzt. Umso wichtiger ist jetzt am Samstag ein Sieg gegen den FC Schalke 04, meint Marcel Schmelzer. Der BVB-Kapitän erklärt im Interview, welche Bedeutung diese drei Punkte für Verein und Fans hätten und woran die Mannschaft dafür vor allem arbeiten muss.

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Frage: Marcel Schmelzer, warum kann der BVB einfach nicht mehr gewinnen?

Marcel Schmelzer: Ich glaube, in der ersten Halbzeit war es gegen Tottenham ein gutes Spiel von uns. Wir haben zuletzt an vielen Sachen gearbeitet, das hat man vor allem in der ersten Halbzeit gesehen. Damit können wir sehr zufrieden sein, zumal wir auch in Führung gegangen sind. Aber dann ist es in unserer jetzigen Situation einfach so, dass du den Gegner plötzlich wieder mit individuellen Fehlern zum Toreschießen einlädst. Und die Qualität von Tottenham ist so hoch, dass sie auch direkt den ersten Fehler und die erste Chance nutzen.

"Wir haben jetzt am Samstag im Derby die Chance, einiges wieder gerade zu rücken. Und das ist jetzt unsere Aufgabe. Das sind wir den Fans schuldig, das sind wir den Leuten im Umfeld schuldig und das sind wir der Stadt schuldig."

Frage: Lähmt dann der Kopf die Beine? Zumindest wirkte das Spiel des BVB in der zweiten Halbzeit manchmal fast behäbig.

Schmelzer: Das ist von außen leicht gesagt, wenn man selbst nicht auf dem Platz steht. Wenn man sich selbst immer so in Schwierigkeiten bringt und der Gegner das eiskalt ausnutzt, dann wird es mental sehr schwer, wieder zurückzukommen. Du versuchst die Jungs nach dem ersten Gegentor natürlich wieder aufzubauen und dich nochmal aufzubäumen. Aber dann macht Tottenham mit der nächsten Chance direkt das zweite Tor. Bitter, dass wir es im Moment immer so herschenken. Dann ist es einfach schwer in der momentanen Situation, diese Rückschläge anzunehmen. Vielleicht sieht es von außen so aus, als wenn man nicht mehr auf Sieg spielt. Aber das ist nicht der Fall. Und ich glaube nicht, dass es die Kraft war, die am Ende gefehlt hat.

© imago / MIS

Frage: Die Unsicherheit der Mannschaft nach einem Gegentor ist also eines der Probleme?

Schmelzer: Es ist doch auch verständlich. Wenn du so viel investierst, ein gutes Spiel machst, dir für die zweite Halbzeit nochmal viel vornimmst – und dann nutzt der Gegner deinen ersten Fehler sofort aus. Dann ist es im Moment einfach schwieriger. Läuft alles gut, verarbeitest du einen Ausgleich zuhause viel besser und kommst auch mental viel besser zurück. Aber im Moment tut so etwas doppelt weh.

Video: Mythos Revierderby

Frage: Wie konnte der BVB nach dem besten Start der Vereinsgeschichte in eine derartige Krise rutschen?

Schmelzer: Wenn man die beiden Serie gemischt hätte, würde es von außen sicher nicht ganz so dramatisch gesehen. Es ist zurzeit nicht das, was wir uns vorstellen, ganz klar! Aber wir haben jetzt am Samstag im Derby die Chance, einiges wieder gerade zu rücken. Und das ist jetzt unsere Aufgabe. Das sind wir den Fans schuldig, das sind wir den Leuten im Umfeld schuldig und das sind wir der Stadt schuldig. Und mit einem Sieg können wir uns auch selbst wieder aus dieser Situation herausholen.

>>> "Am Samstag zählt es: Alle für den Derbysieg" (via bvb.de)

Frage: Sie sprechen die Fans an, die der Mannschaft auch nach der Niederlage gegen Tottenham Mut gemacht haben.

Schmelzer: Es ist die Chance für jeden Einzelnen und für uns komplett als Team, den Kredit bei den Fans wieder aufzufüllen. Unsere Anhänger haben jetzt lange genug die Ruhe bewahrt, obwohl wir nicht die entsprechenden Ergebnisse eingefahren haben. Daher sind wir ihnen jetzt einen Sieg im Derby schuldig. Am Samstag zählt es nur, irgendwie diese drei Punkte zu holen. Es ist unsere Chance, den Menschen etwas zurückzuzahlen. Wir spielen zuhause, wir müssen einiges zurückgeben – das kannst du nur mit einem Sieg im Derby.

Die Fans von Borussia Dortmund stehen vor dem Revierderby gegen Schalke 04 hinter ihrem Team © imago / Jan Huebner

Frage: Kann man aus der Niederlage gegen Tottenham auch etwas Positives mitnehmen in das Derby?

Schmelzer: Ich habe schon einmal betont, dass wir kein großes Problem haben, sondern viele kleine. An vielen Sachen konnten wir arbeiten und haben auch einiges abstellen können, wie man gegen Tottenham  in der ersten Halbzeit gesehen hat. Jetzt sind es immer noch die individuellen Fehler, die uns ein bisschen das Genick brechen. In Stuttgart kassierst du in der vierten Minute ein Slapstick-Tor, jetzt verlieren wir in der vierten Minute der zweiten Halbzeit unnötig den Ball und kassieren das Gegentor. An diesen individuellen Dingen müssen wir arbeiten, um am Samstag besser da zu stehen. Im Moment bringen wir uns damit immer wieder um den Erfolg.

"Das macht das Derby aus: Es kommt in den 90, 95 Minuten nur darauf an, wer dieses Spiel unbedingt gewinnen möchte. Genau das müssen wir zeigen."

Frage: Aber so etwas kann man schlecht trainieren.

Schmelzer: Das stimmt. Aber selbst wenn die Fehler passieren, dann müssen wir versuchen, sie auszubügeln. Der Gegner darf es trotzdem nicht schaffen, daraus direkt ein Tor zu erzielen. Und wir müssen lernen, Fehler abzuhaken und weiter unseren Plan vom Spiel umzusetzen.

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Frage: Als Favorit geht der BVB nicht in dieses Derby – kann das ein Vorteil sein?

Schmelzer: In den letzten Jahren sind wir eigentlich immer als Favorit in diese Partien gegangen und im Spiel selbst hat man das dann oft nicht gemerkt – egal, wie gut oder schlecht es vorher für eine Mannschaft lief. Das macht das Derby aus: Es kommt in den 90, 95 Minuten nur darauf an, wer dieses Spiel unbedingt gewinnen möchte. Genau das müssen wir zeigen. Wir müssen uns körperlich und mental voll darauf einstellen, dieses Spiel unter allen Umständen gewinnen zu wollen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte

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