Athen - Huub Stevens konnte es mal wieder nicht lassen. Mit einem forschen Druck auf die Hupe des Mannschaftsbusses gab er Torjäger Klaas-Jan Huntelaar unmissverständlich zu verstehen, dass die Abfahrt aus den Katakomben des Karaiskakis-Stadions unmittelbar bevorsteht.

Abweichungen vom Zeitplan sind dem Trainer nun einmal ein Dorn im Auge. Und so musste Huntelaar mitten im Interview seine Ausführungen zum anstehenden Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern abbrechen. "Ich muss jetzt weg", kam dem Niederländer nur noch schnell über die Lippen.

Nach dem verdienten und weitestgehend souveränen 2:1-Auftakterfolg in der Champions League beim griechischen Meister Olympiakos Piräus bedarf es aber auch nicht vieler Erklärungen, um zu wissen, dass die "Königsblauen" für das Duell gegen den Erzrivalen aus München bereit sind.

"Haben die Qualität, um Bayern zu schlagen"



"Ich will nicht sagen, dass ein Sieg gegen die Bayern Pflicht ist. Aber wir glauben an uns und werden alles daran setzen, dass es uns gelingt. Die Qualität dazu haben wir auf jeden Fall", sagte Lewis Holtby, der in Piräus nicht nur drei Punkte, sondern auch seinen 22. Geburtstag sowie seine Premiere in der "Königsklasse" feiern durfte.

Dabei schwirren in den Hinterköpfen der "Knappen" immer noch die beiden 0:2-Pleiten aus der Vorsaison gegen die Münchner herum. Vor allem die Niederlage vor heimischem Publikum schmerzt noch nach und soll am Samstag wieder gutgemacht werden.

"Der FC Bayern ist in dieser Saison Favorit auf die Meisterschaft. Wir wollen auf jeden Fall besser dagegenhalten als in der vergangenen Saison", verlangt deshalb Sportdirektor Horst Heldt.

Heldt verteidigt Stevens Aufstellungs-Poker



Die Schalker sind sich der Schwere der Aufgabe jedoch bewusst, auch wenn die Vorstellung gegen Olympiakos überzeugend war. "Mit dem Sieg in Piräus haben wir als Mannschaft noch mehr Selbstvertrauen getankt. Aber ich denke, dass Bayern München noch mal ein anderes Kaliber ist", meinte Kapitän Benedikt Höwedes, der mit der zwischenzeitlichen 1:0-Führung den 50. Treffer für S04 in der Champions League erzielte.

Gespannt darf man sein, mit welcher Aufstellung Trainer Stevens gegen den Rekordmeister überraschen wird. In Griechenland brachte er Tranquillo Barnetta von Beginn an, so dass neben Ibrahim Afellay auch noch Julian Draxler mit der Bank vorlieb nehmen musste. Damit hatte kaum jemand gerechnet.

"Wir haben immer gesagt, dass wir mit den englischen Wochen viele Spiele haben werden. Jetzt haben wir am kommenden Spieltag gegen die Bayern vielleicht wieder den einen oder anderen frischen Spieler mehr", verteidigte Heldt die Personalentscheidung des Trainers.

Viel Zeit zum Ausruhen hatte die Mannschaft nach den kräftezehrenden 90 Minuten in der Champions League nicht. Nur wenige Stunden nach der nächtlichen Abfahrt aus dem Karaiskakis-Stadion, noch vor dem Rückflug nach Gelsenkirchen, bat Stevens seine Kicker zum leichten Training. Der Terminplan musste schließlich eingehalten werden.

Aus Athen berichtet Michael Reis