Gelsenkirchen - Mit klaren Worten und deutlicher Selbstkritik hat Dennis Aogo auf die 0:5-Niederlage des FC Schalke 04 gegen Chelsea reagiert. Der Verteidiger stellte sich nach der Partie den Fragen von bundesliga.de, spricht dabei über Schlüsselszenen und fehlenden Glauben und erklärt, warum er trotzdem noch vom Einzug ins Achtelfinale der Champions League überzeugt ist.

bundesliga.de: Dennis Aogo, darf man nach dieser deutlichen Niederlage von einem Klassenunterschied sprechen?

Dennis Aogo: Man darf schon, auch wenn man das als Spieler etwas anders sieht. Es gibt immer Schlüsselszenen, die so ein Spiel in eine bestimmte Richtung lenken. Wenn man aber zuhause 0:5 verliert, dann muss man sich sicher auch dieses Wort gefallen lassen.

bundesliga.de: Haben diese Schlüsselszenen mit dem frühen Gegentor schon nach zwei Minuten begonnen?

Aogo: Definitiv fängt es damit an. So etwas kann zwar auf diesem Niveau passieren, aber dann muss man als Mannschaft besser damit umgehen. Dieses frühe Gegentor darf keine Ausrede sein, dass man dann in der Folge so einbricht und so auftritt, dass man von außen das Gefühl hat, wir hätten zuvor am Wochenende kein gutes Spiel gemacht oder kein Selbstbewusstsein getankt. Es ist schon komisch, dass wir so reagiert haben. Dann kam noch das Eigentor kurz vor der Halbzeit hinzu - unglücklich, aber es passt zum Spiel. Ein Abend zum Vergessen!

bundesliga.de: Wenn es am Selbstbewusstsein nicht gemangelt hat, woran hat es dann gelegen, dass Schalke so deutlich unterlegen war?

Aogo: Natürlich unterhalten wir uns in der Kabine auch darüber und es gibt auch den einen oder anderen Ansatz. Aber es ist wichtig, dass wir das unter uns besprechen und es auch intern bleibt.

bundesliga.de: Man hat auch in der zweiten Halbzeit ein Aufbäumen von Schalke vermisst, als Chelsea seinen Vorsprung eher verwaltet hat.

Aogo: Das war eine schwierige Situation. Natürlich versucht man, auch nach vorne noch mal etwas zu machen. Aber der Fokus lag eher darauf, etwas Sicherheit zu gewinnen, um nicht sieben oder acht Tore zu kassieren. Im Endeffekt haben wir trotzdem fünf Tore kassiert. Vielleicht hätten wir in der zweiten Halbzeit einen Tick mutiger auftreten müssen. Aber es hat dann auch am Glauben gefehlt, einen 0:3-Rückstand gegen eine so starke Mannschaft wie Chelsea noch umdrehen zu können. Wir haben uns daher eher auf eine kompakte Defensive fokussiert, aber auch das hat hinten raus nicht so gut funktioniert.

bundesliga.de: Apropos Glaube: Wie groß ist jetzt nach dieser Niederlage noch Ihr Glaube, dass Schalke doch noch ins Achtelfinale einziehen kann?

Aogo: Mein persönlicher Glaube ist noch sehr groß. Ich bin überzeugt, dass Chelsea sein letztes Gruppenspiel gegen Sporting Lissabon vor eigenem Publikum unbedingt gewinnen will. Das ist keine Mannschaft, die auf unentschieden spielt. Selbst wenn sie auf der einen oder anderen Position durchwechseln, stehen immer noch Weltklasseleute auf dem Platz. Aber wir müssen auf unsere Partie in Maribor gucken. Ich glaube fest daran, dass wir eine Runde weiterkommen, wenn wir dort gewinnen.

bundesliga.de: Was macht man nach so einem Abend, um Partie und Ergebnis auch für das nächste Bundesligaspiel gegen Mainz aus dem Kopf zu bekommen?

Aogo: Ich habe das Glück, dass Familie und Freunde da sind, die einen ein bisschen aufmuntern können. An Schlaf ist nicht viel zu denken nach so einer Partie. Aber irgendwann schläfst du ein und dann bleibt die Hoffnung, dass die Welt am nächsten Morgen ein kleines bisschen besser aussieht.

bundesliga.de: Kann Schalke diese Niederlage bis zum Wochenende abschütteln?

Aogo: Wenn das eine Mannschaft schon gewohnt ist und schon gezeigt hat, dann ist es Schalke 04!

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte