Köln - Zum zweiten Mal in dieser Bundesliga-Saison spielte Borussia Dortmund am vergangenen Freitag zu Null. Es war die schwarz-gelbe Rückkehr zu alten, fast vergessenen Tugenden. Auch dank einer alten, schon fast vergessenen Abwehrformation.

Lukasz Piszczek, Neven Subotic, Mats Hummels, Marcel Schmelzer. Vier Namen, die in den Köpfen fest mit den Dortmunder Erfolgen zwischen 2011 und 2013 verbunden sind. Mit dieser Viererkette holte man die Deutsche Meisterschaft 2011 und das Double 2012. Mit dieser Abwehrreihe spielte man sich bis ins Champions-League-Finale 2013, wo man denkbar knapp dem FC Bayern München unterlag.

Andere Lösungen mussten her

Eine Formation, die defensiv sowohl für Stabilität, als auch für Erfolg stand - und bald wieder stehen könnte. Denn der 1:0-Erfolg über Hoffenheim war das erste Spiel seit dem Finale von Wembley vor mehr als 1 1/2 Jahren, in dem exakt diese Viererkette wieder gemeinsam spielte.

Immer wieder wurde der Dortmunder Abwehrverbund zwischendurch gesprengt. Piszczek und Subotic fielen mit schweren Verletzungen lange aus, auch Hummels und Schmelzer wurden immer wieder von mal größeren, mal kleineren Wehwechen zurückgeworfen. Jürgen Klopp war gezwungen andere Lösungen zu finden.

18 Monate und 10 Tage

Die Konsequenz: Sokratis avancierte vorerst zum Abwehrchef, Kevin Großkreutz musste lange Zeit auf der rechten Defensivseite aushelfen, Erik Durm reifte vom Schmelzer-Ersatz zum Nationalverteidiger heran. Aber die viel gepriesene Abwehrstärke, die defensive Stabilität, sie ging in den exakt 18 Monaten und zehn Tagen zwischen dem Champions-League-Finale und dem Spiel gegen Hoffenheim am vergangenen Freitag irgendwann verloren.

22 Tore kassierte man in der ersten Meistersaison dieser Dekade  2010/11, bei der Titelverteidigung ein Jahr später waren es 25. Herausragende Werte, die in der Bundesliga danach nur vom FC Bayern unterboten wurden (Saison 2012/13: 18). Mit 42 bzw. 38 Gegentreffern in den beiden Folgejahren lag man jeweils in den Top-3 der Bundesliga, auch wenn schon hier ein Abwärtstrend zu erkennen war.

Endlich wieder stabil

Konnte man die mehr kassierten Tore in den vergangenen beiden Jahren jeweils durch die enorme Offensivpower kompensieren, blieb dies in diesem Jahr bisher aus. Hinzu kamen teils eklatante, individuelle Fehler. So schenkten die Gegner der Borussia bis zum 13. Spieltag bereits 21 Tore ein - nur eins weniger als in der gesamten Saison 2010/11.

Gegen Hoffenheim konnte die altbewährte Viererkette endlich wieder auflaufen und das Dortmunder Spiel wirkte nah an dem alter Zeiten. "Es hing in erster Linie mit dem Gegner zusammen, dass wir in der Offensive nicht wie gewohnt zum Zug gekommen sind", sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol nach dem Spiel. Der BVB zeigte sich defensiv endlich wieder stabilisiert.

Elementare Tugenden

Zum einen lag dies daran, dass man sich auf Tugenden besinnte, die im von Sportdirektor Michael Zorc ausgerufenen Abstiegskampf elementar sind. Man ging mit der nötigen Härte und einer gesunden Portion Aggressivität in die Zweikämpfe, schlug die Bälle konsequent aus der Gefahrenzone, wo man sonst oft die spielerische Lösung gesucht hat.

Aber auch das in den letzten Jahren so viel gepriesene Gegenpressing des BVB funktionierte wieder - was Markus Gisdol zu oben stehender Aussage brachte. Die Westfalen hielten ihr Pressing, wie in kaum einem anderen Spiel dieser Saison, über 90 Minuten durch. Sie störten den Gegner direkt nach der Balleroberung, stellten Passwege zu, ließen die Hoffenheimer Offensive zu keinem Zeitpunkt zur Entfaltung kommen.

Zahlen, die beeindrucken

Torwart Mitch Langerak musste nicht einen Ball auf seinen Kasten halten, lediglich einen einzigen Ballkontakt verzeichnete die TSG überhaupt im Dortmunder Strafraum. Zahlen die beeindrucken. Zahlen, die es in dieser Form bei BVB-Spielen in dieser Saison noch nicht gab. Zahlen, für die auch die neue, alte BVB-Viererkette verwantwortlich ist.

Dennis-Julian Gottschlich