
Die Rekord-Freiburger: Diese Saison reif für den großen Coup?
Der SC Freiburg ist erstmals in seiner Bundesliga-Geschichte mit drei Siegen in eine neue Saison gestartet. Der Sport-Club grüßt mit neun Punkten von der Tabellenspitze und hat insbesondere offensiv eine brutale Qualität. Die Breisgauer haben gegen Gladbach den Rekordsieg unter Schuster aus dem Februar 2025 eingestellt und nach sechs Pflichtspielen bereits elf verschiedene Torschützen auf dem Konto.
"Europapokal, Europapokal" schallte es kurz vor Spielende gegen Mönchengladbach und noch immer nach Abpfiff durch das Europa Park Stadion. Die Fans des Sport-Club Freiburg waren von den vorangegangenen 90 Minuten derart begeistert, dass es keinen einzigen Freiburger Zuschauer mehr auf den Sitzen hielt und sie ihre Mannschaft mit Standing Ovations von den Tribünen aus verabschiedeten.
Die Breisgauer hatten zuvor auf dem Rasen ein wahres Spektakel geboten und in überzeugender Manier die Fohlenelf vom Rasen gefegt. Der Sport-Club stellte dabei einmal mehr seine spielerische Klasse sowie Dominanz unter Beweis, vom Start weg war klar, wer diese Partie an Spieltag drei gewinnen würde.
Besonders bemerkenswert dabei: Mit Yannik Engelhardt und Igor Matanović schnürten zwei Spieler einen Doppelpack, außerdem kommt Matthias Ginter jetzt in drei Bundesligaspielen auf drei Vorlagen - als Innenverteidiger!
Zudem war das zwischenzeitliche 1:0 von Engelhardt ganz besonders: Nicht nur traf der ehemalige Gladbacher ausgerechnet gegen seinen Ex-Club und netzte zugleich erstmals überhaupt für die Freiburger ein, sondern er war gleichzeitig auch schon der elfte Freiburger Torschütze im sechsten Pflichtspiel in dieser Saison. Das unterstreicht eindrucksvoll die offensive Variabilität, die die Freiburger auf den Platz bringen können, wann immer sie wollen.

Standardstärke par excellence
Des Weiteren hat der SCF in dieser Spielzeit eine weitere Waffe im Repertoire: Standardsituationen. Gegen Mönchengladbach gelang nämlich bereits der neunte Treffer nach einem ruhenden Ball im sechsten Pflichtspiel der Saison. Sechs dieser Tore fielen nach einer Ecke. Herauszuheben ist hierbei Derry Scherhant, denn der Offensivmann war bei sechs dieser neun Standardtreffer der ausführende Schütze.
Das ist genau das Stichwort, denn bis vor einiger Zeit war der Dreh- und Angelpunkt im Freiburger Spiel noch Vincenzo Grifo. Der Routinier war insbesondere für die Standards verantwortlich, mittlerweile hat ihm der 23-jährige Scherhant den Rang abgelaufen. Zudem verteidigt hinter dem Flügelflitzer mit Jordy Makengo ein weiterer Spieler, der ebenfalls mit 25 Jahren noch jung ist und Langzeit-Kapitän Christian Günter ebenso den Rang auf der Außenverteidigerposition abgelaufen hat.
Schuster beweist mit diesen Entscheidungen, dass er sich nicht davor scheut, einem Umbruch einzuleiten und den jüngeren Spielern zu vertrauen. Gleichzeitig händelt er die durchaus schwierige Situation für die Routiniers gut, er gibt ihnen immer noch ihre Minuten und jeder im Kader akzeptiert seine Rolle. Außerdem fügen sich auch neue Spieler sofort nahtlos ins Freiburger System ein und brauchen keine lange Anlaufzeit, um zu funktionieren. Bestes Beispiel dafür ist Engelhardt, der die letzten drei Jahre jeweils verliehen war, diesen Sommer zurück in den Breisgau kehrte, sich in dieser Spielzeit dann direkt einen Stammplatz im Mittelfeld des SCF eorbert hat und so spielt, als wäre es seine zehnte Saison im Dress des Sport-Clubs.

"Logische Konsequenz dessen, wenn man akribisch arbeitet"
Die Freiburger wirken in dieser Verfassung wie eine absolute Spitzenmannschaft. Sie sind noch einen Tick reifer als in der letzten Spielzeit, wo es bis ins Finale der Europa League ging und man dann dort den Kürzeren gegen Aston Villa zog. Dieses Jahr ist man erneut in Europa vertreten, mit diesen Performances ist der Titelgewinn definitiv ein realistisches Szenario. Auch im DFB-Pokal könnte man durchaus wieder weit kommen und wenn man das Niveau hält, so ist auch in der Bundesliga eine Top-Drei-Platzierung absolut im Bereich des Möglichen.
Trotz aller Euphorie tritt Trainer Julian Schuster allerdings auf die Bremse: "Es ist eine logische Konsequenz dessen, wenn man eben sehr akribisch arbeitet. Wir haben das Glück, dass die Jungs hier Teil dieses Gesamtvereins auch sind über Strecke und wenn man diese Kontinuität hat, dann können sich gewisse Dinge eben auch einspielen. Wir haben Spieltag drei, würden wir hier am 32. Spieltag sein, dann wäre das etwas anderes. Es ist für den Moment in Ordnung, wir bringen eine gute Leistung und man sieht gewisse Dinge, die sich einspielen. Aber es kann so schnell auch in die andere Richtung gehen, dieses Momentum erarbeiten und verdienen wir uns aber es darf nicht weniger werden."
In die ähnliche Kerbe schlug auch Man of the Match Engelhardt: "Es hat Spaß gemacht, es war ein besonderes Spiel für mich gegen die Ex-Kollegen. Dass es so ein schöner Nachmittag mit so vielen Toren und einem Doppelpack wird, umso schöner. Für den Moment ist es ganz cool, wir genießen das aber es ist erst der dritte Spieltag. Dennoch ist es für die Fans natürlich schön."
Reif für den Titel?
Die Rekord-Freiburger sind im Moment in jedem Fall in absoluter Topform, der beste Bundesliga-Start der Vereinsgeschichte mit drei Siegen aus drei Spielen spricht für sich. Aktuell performen alle Spieler, beispielsweise hat Matanović nach sechs Pflichtspielen bereits sechs Treffer verbucht. Auch Führungsspieler wie Ginter sind voll auf der Höhe, er verteidigt nicht nur bockstark sondern ist auch offensiv eine Waffe. Drei Torvorlagen nach drei Spieltagen als Innenverteidiger sind eine Wahnsinns-Quote. Zudem ist auch Mittelfeldmotor Maximilian Eggestein in bester Verfassung, er traf jetzt erstmals seit acht Jahren wieder in zwei aufeinanderfolgenden Bundesliga-Spielen.
Dass die Freiburger in dieser Form nun auch den bisherigen Rekorsieg unter Schuster eingestellt haben, überrascht überhaupt nicht. Mit fünf Toren Unterschied hatte der SCF in der Bundesliga bislang erst einmal gewonnen - im Februar 2025 gegen Werder Bremen (ebenfalls 5:0). Mit zehn geschossenen Toren und nur einem kassierten Gegentor stellt man außerdem die beste Offensive und gemeinsam mit dem FC Bayern München auch die beste Defensive der Bundesliga. Das Torverhältnis von 10:1 ist zudem um mindestens drei Treffer besser als das der Konkurrenz auf den dahinter liegenden Plätzen.
Können die Freiburger dieses Level konstant über die gesamte Saison hinweg so halten, dann ist mit ihnen zu rechnen - sowohl national als auch international. Die Mischung im Kader zwischen jung und erfahren stimmt, zudem gibt es nicht den einen Unterschiedsspieler, von dem alles abhängt und mit dem alles steht und fällt. Die Breisgauer sind als Kollektiv stark - genau das macht sie so unberechenbar und zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten im Kampf um die oberen Tabellenplätze sowie die Titel im DFB-Pokal und der Europa League.
