Hamburg - Der Hamburger SV will in der Rückrunde nichts dem Zufall überlassen. Das Trainerteam um Joe Zinnbauer hat deshalb seit Montag die Ganztagsbetreuung eingeführt.

Bis zum Abflug ins Trainingslager nach Dubai am Sonntag müssen die Spieler bereits um 7.30 Uhr auf dem Vereinsgelände vor der Arena sein. Nach der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag ist dann für alle Feierabend.

Die Playstation im neuen, provisorischen Trainingszentrum (der Kabinentrakt im Stadion wird gerade aufgrund eines Wasserschadens saniert) vor der Imtech Arena hat er noch nicht genutzt, erklärt Kapitän Rafael van der Vaart verschmitzt, "das ist eher etwas für die jungen Spieler." Für den 31-Jährigen ist eine Saisonvorbereitung nichts neues mehr – auch nicht die aktuell verschärften Zehn-Stunden-Trainingstage. "Es fällt mir mit den Jahren immer leichter, mich auf die Vorbereitung einzustellen, das hätte ich auch nicht gedacht. Ich weiß mittlerweile, was auf mich zukommt", so van der Vaart gelassen.

Van der Vaart hat sich mit neuer Rolle angefreundet

Seitdem Joe Zinnbauer das Amt des Cheftrainers übernommen hat, spielt der niederländische Nationalspieler im System des HSV eine neue Rolle. Van der Vaart agiert jetzt aus einer eher defensiveren Mittelfeld-Position heraus und hat sich mittlerweile damit sehr gut angefreundet: "Ich bin jetzt Aufbauspieler und habe mehr Ballkontakte und kann das Spielgeschehen mehr bestimmen. Das gefällt mir sehr gut." Aufgrund der neuen Rolle im Team kann van der Vaart seine Torgefährlichkeit nicht mehr so zum Tragen bringen, doch da widerspricht er energisch: "Im Auswärtsspiel gegen Augsburg habe ich auch ein Tor geschossen, als ich aus dem Mittelfeld gekommen bin. Ich habe bislang drei Tore geschossen und das ist das, was ich immer noch am besten kann."

Der Routinier weiß aber auch, dass die Offensive in der Rückrunde mehr als gelahmt hat. "Wir haben nur neun Tore geschossen, das geht normalerweise gar nicht." Den Glauben an die Qualitäten der Sturmkollegen hat van der Vaart indes aber noch nicht verloren: "Tore schießen, hat immer etwas mit Vertrauen zu tun. Gegen Schalke hatten unsere Jungs ein, zwei einhundertprozentige Torchancen, wenn man dann mal einen rein macht, kommt das Selbstvertrauen von ganz alleine."

Rückrunden-Auftakt gegen unmittelbare Mitkonkurrenten

Besonders wichtig, schätzt der Niederländer die ersten beiden Partien gegen unmittelbare Mitkonkurrenten um den Klassenerhalt ein. "Der Fokus liegt auf den Spielen gegen Köln und in Paderborn. Diese beiden Begegnungen müssen wir gewinnen." Auf ein festes Ziel für die Rückrunde möchte sich van der Vaart noch nicht festlegen. "In der vergangenen Saison sind wir immer unseren Zielen hinterhergelaufen und wir mussten uns dafür rechtfertigen. Aus diesem Fehler habe ich gelernt. Es wäre schön, wenn wir  mal ein paar Spiele hintereinander gewinnen würden, dann hätten wir in Hamburg ein ruhiges Leben, das gab´s schon lange nicht mehr."

Bleibt van der Vaart in der Rückrunde von Verletzungen verschont und spielt eine ähnlich konstante Serie wie am Ende der Hinrunde, hat er selbst das Thema Nationalmannschaft noch nicht abgehakt. Kurz vor Weihnachten hospitierte der niederländische Co-Trainer der Nationalmannschaft, Ruud van Nistelrooy, beim HSV und bestätigte, dass van der Vaart bei guten Leistungen immer noch ein Thema sei. "Die Chance ist immer noch da. Es war schade, dass es vor Weihnachten kein Länderspiel mehr gab, da war ich gut in Form. Im März hoffe ich, dabei zu sein (nächster Länderspieltermin). Ich kann immer noch Qualität abliefern", glaubt der HSV-Kapitän.

Zukunft beim HSV? - van der Vaart ganz cool

Dass am Ende der Saison der Vertrag des Niederländers ausläuft, beschäftigt ihn derzeit wenig. "Ich habe keinen Druck und will momentan einfach nur gut spielen. Was danach kommt, hat man nicht immer in der Hand. Es ist alles noch zu weit weg. Ich fühle mich super, alles ist offen. Mein Sohn allerdings würde es ganz gut finden, wenn ich in Hamburg bleibe. Man kann nie nie sagen im Fußball, aber ich bin derzeit total entspannt."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage