Zusammenfassung

  • Nils Petersen glänzt in Dortmund durch zwei Tore, eins davon erzielt er aus gut 40 Metern

  • Der Stürmer steht sinnbildlich für den Aufschwung im Breisgau

  • "Wir können wahnsinnig stolz sein auf den Punkt in Dortmund", so Petersen

Freiburg - Erst eine Direktabnahme, dann ein sensationeller Heber aus fast 40 Metern – Nils Petersen sorgte mit seinem Doppelpack nicht nur für einen Punktgewinn des Sport-Club Freiburg in Dortmund, sondern setzte auch ein persönliches Ausrufezeichen. Mit zehn Treffern hat er sich in den illustren Kreis der zurzeit besten deutschen Stürmer geschossen. Acht Tore erzielte er allein in den letzten sechs Spielen und ist damit der Garant für den Freiburger Aufschwung.

War es purer Instinkt? Oder steckte doch ein Plan dahinter? So richtig wusste Nils Petersen nach dem Abpfiff auch nicht, wie er den Ball da nach 68 Minuten aus stolzen 40 Metern per Bogenlampe direkt unter die Latte ins BVB-Tor gehämmert hatte: "Ich habe so was ja auch noch nicht oft gemacht." Auf einen Rückpass hatte er spekuliert, und als Nuri Sahin den Ball dann unglücklich genau in seine Füße spielte, hatte Petersen nicht lange gezögert: "Ich habe gar nicht nochmal geguckt. Irgendwie weiß man ja, wo das Tor steht. Und da kannst du auch keine Berechnungen anstellen. Du versuchst den Ball einfach so zu treffen, dass er lang genug ist."

Gleich zwei Premieren

Natürlich kam dem Stürmer zugute, dass er Dortmunds Torhüter Bürki noch gut aus gemeinsamen Freiburger Zeiten kennt: "Ich habe mit Roman selbst zusammengespielt. Er will im Spielaufbau immer helfen und steht oft weit vor dem Tor." Dass es dann aber tatsächlich geklappt hat, war auch für den Torjäger selbst eine spannende Angelegenheit, wie er nach dem Abpfiff schmunzelnd erzählte: "Ich habe gehofft und gebetet. Gefühlt war der Ball für mich 15 Sekunden unterwegs."

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"Ich habe sowas ja auch noch nicht oft gemacht", sagt Nils Petersen über seinen Treffer zum 2:1 © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Lukas Schulze

Als er dann im Eck einschlug, war es auch für Nils Petersen eine Premiere. Aus dieser Entfernung hat er zuvor noch nie getroffen, auch wenn er es im Training immer mal wieder probiert, wie Christian Streich verriet. Und eine Premiere war es auch in anderer Hinsicht, wie der Torschütze selbst lachend feststellte: "Uns wurde ja vorgehalten, dass wir bisher die einzige Mannschaft waren, die nicht von außerhalb des Strafraums trifft. Jetzt haben wir mal einen von ganz weit weg gemacht."

Petersen auf Rekordjagd

Einen aus großer Entfernung und einen aus nächster Nähe – und auch diesen Treffer bereits nach 21 Minuten hatte Nils Petersen zu verantworten. Nachdem Janik Haberer einen Ball noch von der Grundlinie gekratzt und vor das Dortmunder Tor gebracht hatte, reagierte der 29-Jährige schneller als die komplette Innenverteidigung und schoss den Ball am kurzen Pfosten per Direktabnahme über die Linie. Insgesamt schraubte der Mittelstürmer seine Ausbeute damit nach diesem Spieltag auf zehn Saisontreffer – öfter traf in der Bundesliga kein deutscher Stürmer. Und auch im Breisgau ist Freiburgs Nummer 18 auf Rekordjagd. Mit seinen nun 29 Bundesligatoren für den Sport-Club zog Petersen vereinsintern mit Alexander Iashvili gleich; nur Papiss Demba Cisse traf noch öfter in der Eliteklasse (37 Tore).

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"Ich habe gar nicht nochmal geguckt. Irgendwie weiß man ja, wo das Tor steht" Nils Petersen (SC Freiburg)

Dabei hatte die Spielzeit für den Inbegriff des Jokers eher schwierig begonnen. Im ersten Saisondrittel wurde er achtmal eingewechselt, netzte aber nur einmal ein. Doch seit sich Florian Niederlechner Anfang November die Kniescheibe brach, überzeugt Nils Petersen auf einmal als Stammspieler mit eingebauter Treffsicherheit. Allein acht Tore gelangen ihm in den letzten sechs Bundesligapartien. Dass er bei seinem Doppelpack der speziellen Art in Dortmund mit 13,1 Kilometern auch noch die längsten Wege aller Akteure auf dem Platz ging und hervorragende 16 Zweikämpfe für sich entschied (ebenfalls Bestwert), rundet den guten Gesamteindruck ab.

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Mit seiner Leistung und seinen Treffern ist Petersen zum Garanten des Freiburger Aufschwungs geworden. Schon im achten Bundesliga-Spiel in Folge blieb die Streich-Elf ungeschlagen und findet sich zurzeit im sicheren Mittelfeld der Tabelle wieder. Fünf Punkte sammelte man in diesem Kalenderjahr gegen Frankfurt, Leipzig und Dortmund und damit ausnahmslos gegen vermeintliche Spitzenteams. "Wir hatten wirklich ein schweres Startprogramm. Da hat uns niemand fünf Punkte zugetraut", freute sich Petersen. Abgelegt hat der SC Freiburg dank seines Torgaranten offenbar auch die zuvor eklatante Auswärtsschwäche. Aus den letzten vier Partien auf fremden Plätzen brachte man auch deshalb sechs Zähler mit nach Hause, weil der Stürmer dabei gleich sieben Mal traf.

Video: Freiburg im Aufwind

Dass es beim BVB durch den Gegentreffer in der Nachspielzeit nicht zum ganz großen Coup reichte, können die Freiburger daher verschmerzen. "Wir sollten das Positive mitnehmen. Wir können wahnsinnig stolz sein auf den Punkt in Dortmund. Den nehmen wir gerne mit“", meinte auch Petersen. Und schickte schon mal mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein schöne Grüße nach Leverkusen, das am nächsten Samstag im Breisgau antreten muss: "Momentan möchte ich uns nicht als Gegner haben. Wir sind eklig zu bespielen. Wir können Spiele drehen und wir lassen uns nicht hängen. Da gibt’s dankbarere Gegner als uns."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte