Zusammenfassung

  • Nicolas Gonzalez gilt als eines der größten Sturmtalente Argentiniens

  • Der Angreifer wurde beim Heimatclub von Diego Armando Maradona ausgebildet

  • Bei den Argentinos Juniors schoss der Linksfuß das entscheidende Tor zur Rückkehr in die oberste Spielklasse

Köln – Der VfB Stuttgart ist auf der Suche nach einem Nachfolger für den zum VfL Wolfsburg gewechselten Daniel Ginczek fündig geworden: Die Schwaben sicherten sich die Dienste von Nicolas Gonzalez, der zuletzt für den argentinischen Traditionsclub Argentinos Juniors aktiv war. "Es freut uns sehr, dass es uns gelungen ist, ihn von einem Wechsel zum VfB zu überzeugen. Wir müssen und werden ihm Zeit zum Reifen geben und dürfen in den ersten Monaten nicht zu viel von ihm erwarten", betont VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

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"Nicolas besitzt ein großes Herz, wuchtiges Durchsetzungsvermögen, eine kämpferische Mentalität und gute technische Grundvoraussetzungen. Er ist in der Offensive vielseitig einsetzbar", lobt Reschke die Vorzüge des 20-jährigen Argentiniers, der als eines der größten Sturmtalente seines Landes gilt. "Ich bin sehr glücklich und es freut mich sehr, beim VfB Stuttgart zu sein. Es ist eine große Ehre für mich, für diesen Verein zu spielen", erklärte González.

Maradona-Erbe mit großem Herz

In Belén de Escobar, einem Vorort von Buenos Aires, geboren und aufgewachsen fällt González schon früh den Spähern der Spitzenclubs aus der argentinischen Hauptstadt auf. River Plate und CA Platense bekundet Interesse, doch der Youngster entscheidet sich für Argentinos Juniors – der fußballerischen Heimat von Juan Roman Riquelme, von Fernando Redondo und vor allem von Diego Armando Maradona. Wie die argentinische Fußball-Legende durchläuft González im Herzen Buenos Aires’ die Jugendteams des auch als "El Bicho" (Käfer) bekannten Traditionsvereins. "Der Club hat mich immer unterstützt und sich um mich gekümmert", betonte der flexibel einsetzbare Offensivmann, dem eine ähnlich große Karriere wie seinen Vorgängern im Verein prognostiziert wird.

"Nicolás besitzt ein großes Herz, wuchtiges Durchsetzungsvermögen, eine kämpferische Mentalität und gute technische Grundvoraussetzungen." VfB-Sportvorstand Michael Reschke über Stuttgart-Neuzugang González

Durchgebissen zum Aufstiegshelden

Vor seinem Durchbruch als Argentinos-Profi ist für González allerdings viel Geduld gefragt. Besonders die Anreise aus seiner Heimat Belén de Escobar zum Trainingszentrum in der Hauptstadt Buenos Aires ist für den Offensivyoungster beschwerlich. Zweimal denkt er ans Aufhören, doch die Familie unterstützt das Talent nach Leibeskräften. "Zum Glück habe ich den Verein nicht verlassen, auch wenn es nicht immer einfach war", erklärt González, der 2016 erstmals für das Profiteam in der 2. argentinischen Liga zum Einsatz kommt. "Ich habe mein Debüt sehr genossen, weil ich wusste, was ich dafür investieren musste. Ich habe immer von diesem Moment geträumt", so der Angreifer, der gleich in seiner Debütsaison Geschichte schreibt: Sein Tor machte die Rückkehr von "El Bicho" in die Primera Division perfekt.

Heiß begehrtes Talent

Auch in der höchsten Spielklasse Argentiniens sorgt González direkt für Furore, auch wenn der Trainer gewechselt hat: Aufstiegscoach Gabriel Heinze, als Spieler in Europa für Real Madrid, Paris St. Germain und Manchester United aktiv, ist weg, doch auch der neue Argentinos-Boss Alfredo Berti ("Er erinnert mich an Mario Kempes") setzt auf den Linksfuß, der das Vertrauen prompt zurückzahlt. Der Teenager überzeugt sowohl auf der Außenbahn als auch im Sturmzentrum, netzt in den ersten sechs Saisonspielen gleich viermal und spielt sich so in den Fokus europäischer Schwergewichte. Trotz Interesse aus Mailand und Rom entscheidet sich Gonzalez, vom englischen Fachmagazin FourFourTwo unter die 100 größten Talente gewählt, für den VfB, in Stuttgart will der 20-Jährige den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen.

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Offensiv & flexibel

Bei den Schwaben soll Gonzalez die Lücke schließen, die sich durch den Abgang von Daniel Ginczek zum VfL Wolfsburg aufgetan hat. Der Argentinier passt perfekt in das Einkaufsschema der Stuttgarter: Neben Routiniers wie Gonzalo Castro und Daniel Didavi setzt der VfB zunehmend auf talentierte Youngster mit Potenzial. Nach Borna Sosa, Marc-Oliver Kempf und Pablo Maffeo ist González schon der vierte hochgehandelte Spieler unter 23, der den fünfmaligen Deutschen Meister verstärkt. Dazu erhöht der 1,80 Meter große Angreifer die Angriffsoptionen von Trainer Tayfun Korkut: Gonzalez, für seine Größe erstaunlich kopfballstark, fühlt sich im Sturmzentrum ebenso wohl wie auf den offensiven Außenbahnen. Ob neben Routinier Mario Gomez im Angriff oder über den Flügel: Der Youngster will beim VfB für ordentlich Torgefahr sorgen – bei den Argentinos Juniors gelang ihm das mit sieben Saisontreffern in 24 Partien mehr als ordentlich.

Gaucho-Troika beim VfB komplett

Der Neuzugang komplettiert damit ein argentinisches Trio beim VfB Stuttgart: Neben Gonzalez sind auch Emiliano Insua und Santiago Ascacibar für die Schwaben aktiv. Insbesondere Ascacibar könnte ein gutes Beispiel für auch beim Stürmer anvisierte Weiterentwicklung sein – der defensive Mittelfeldspieler, im Sommer 2017 von Estudiantes de La Plata verpflichtet, akklimatisierte sich schnell beim VfB und avancierte zur wichtigen Stütze im starken Defensivverbund der Stuttgarter. Kaum verwunderlich also, dass der Tabellensiebte der abgelaufenen Bundesliga-Saison wieder einmal nach Argentinien schaute – schlägt auch Gonzalez dermaßen ein, dann dürfte sich nicht nur Sturmpartner Mario Gomez über den Transfercoup freuen.

Thomas Reinscheid