Zusammenfassung

  • Nico Schulz hat gleich in seinem ersten Länderspiel das Siegtor gegen Peru erzielt
  • Der Hoffenheimer überzeugt mit seiner Schnelligkeit und seinen vielen Torbeteiligungen
  • Als derzeit einiziger nomineller Linksverteidiger im Kader hat er gute Aussichten, sich dauerhaft zu etabieren

Köln – Besser hätte sein Debüt kaum laufen können. Erstes Länderspiel, gleich in der Startelf - und dann auch noch den Siegtreffer beim 2:1 gegen Peru erzielt. Bei der TSG 1899 Hoffenheim hatte Nico Schulz zuletzt immer wieder herausragende Leistungen gezeigt. Bei seinem Einstieg in die Nationalmannschaft konnte der Linksverteidiger daran gleich nahtlos anknüpfen. Auf der linken Abwehrseite hat der 25-Jährige nun beste Chancen, sich dauerhaft im Kreis der Löw-Elf zu etablieren.

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"Es ist toll, für die Nationalmannschaft zu spielen, vor allem in unserem Stadion. Schön ist vor allem, dass wir gewonnen haben", sagte Schulz nach seiner DFB-Premiere. In seinem Wohnzimmer WIRSOL Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim hatte der Hoffenheimer ein starkes Spiel abgeliefert - und in der 85. Minute den Siegtreffer für Deutschland erzielt. Seinen Flachschuss ließ Perus Schlussmann Pedro Gallese zum 2:1 durchrutschen. "Mein Tor war ein wenig glücklich", gab Schulz denn auch zu. Seine starke Leistung schmälerte das aber nicht. Und die kam nicht von ungefähr.

Noch am vergangenen Bundesliga-Wochenende zeigte Schulz einmal mehr, warum er derzeit zu den besten Linksverteidigern der Bundesliga gehört: Mit seinem Vorstoß über den linken Flügel in die Box der Freiburger bereitete er mustergültig den Treffer von Adam Szalai zum zwischenzeitlichen 2:1 vor. Es war saisonübergreifend bereits seine sechste Torvorlage in den letzten acht Pflichtspielen. Eine enorme Quote für einen Abwehrspieler.

Video: Schulz`Assist und Hoffenheims Sieg gegen Freiburg

Gerade Schnelligkeit und Dynamik zeichnen Schulz aus. Mit einer gemessenen Spitzengeschwindigkeit von 34,6 Km/h war er der schnellste Hoffenheimer-Spieler der Saison 2017/18 und auch was den Antritt auf den entscheidenden ersten Metern betrifft, können nur wenige Bundesliga-Spieler mit ihm mithalten. "Sein Tempo ist außergewöhnlich. Seine ganz große Waffe ist diese Wucht über die Flügel", lobt Trainer Julian Nagelsmann.

"Sein Tempo ist außergewöhnlich" Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim)

Nagelsmann war es auch, der Schulz überhaupt erst in den Fokus der Nationalmannschaft gebracht hat. Dazu war es auch nötig, an der ein oder anderen Stellschraube zu drehen: "Julian Nagelsmann hat mir in vielen individuellen Analysen gezeigt, wie ich mich defensiv und offensiv positionieren muss, um in die richtigen Räume zu kommen", verrät Schulz gegenüber der "Berliner Morgenpost".

© imago

Denn die Karriere war noch vor noch nicht allzu langer Zeit mächtig ins Stocken geraten. Nach einem guten Bundesliga-Einstand bei Hertha BSC in den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14, wo sich Schulz als Stammspieler etabliert hatte, folgte er dem Lockruf der Borussia aus Mönchengladbach. Doch in zwei Jahren am Niederrhein kam er lediglich auf 13 Bundesliga-Einsätze. Erst verletzte sich Schulz am Kreuzband, anschließend setzten weder Andre Schubert noch Dieter Hecking auf die Dienste des schnellen Linksverteidigers.

Schon 50 Spiele für die U-Auswahlen

Und auch bei Hoffenheim brauchte es einige Spiele, um sich auf der linken Seite im Stammplatzduell mit Steven Zuber durchzusetzen. Bei der TSG agiert Schulz wahlweise als Linksverteidiger oder linker Mittelfeldspieler in einem System mit Dreier-Abwehrkette. Gerade letzteres kommt seiner offensiven Spielweise sehr entgegen. Doch auch in der Abwehrarbeit hat sich Schulz verbessert, gewinnt inzwischen prozentual deutlich mehr Zweikämpfe als noch im Dress von Hertha oder Gladbach.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Schulz auch langfritsig links hinten beim DFB eingeplant ist, ist recht hoch. Nachdem Dauerbrenner Jonas Hector abgesagt hatte und Marvin Plattenhardt nicht nominiert wurde, war Schulz der einzige verbliebene nominelle Linksverteidiger im Kader. Gegen Peru stand er daher in der Startelf. Das DFB-Trikot indes ist Schulz schon seit längerem gewöhnt. Für die U-Nationalmannschaften Deutschlands lief er insgesamt 50 Mal auf. Und nach diesem Debüt hat er auch gute Chancen, dass noch einige Länderspiele mehr dazu kommen.

Karol Herrmann