Wolfsburg - Was Bas Dost aktuell für den Angriff des VfL Wolfsburg ist - ein Erfolgsgarant - das ist Naldo seit Jahren für die Abwehr der "Wölfe". Auch mit bald 33 Jahren zählt der schussgewaltige Brasilianer noch immer zu den besten Verteidigern der Bundesliga.

Vor der Rückkehr nach Bremen spricht Naldo im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über seine nach wie vor große Sympathie für den SV Werder Bremen, über Viktor Skripnik und über Wolfsburgs Rolle als Bayern-Jäger.

"Aufgaben Schritt für Schritt erledigen"

bundesliga.de: Naldo, Glückwunsch zum Erreichen des Achtelfinales der Europa League, wo nun mit Inter Mailand ein großer Name, aber zurzeit keine ganz große Mannschaft wartet ...

Naldo: Das sehe ich etwas anders. Ich glaube, dass Inter Mailand nach wie vor ein großer Verein und eine große Mannschaft ist, so dass sich die Fans auf zwei ganz tolle Spiele freuen können.

bundesliga.de: Platz zwei in der Bundesliga mit deutlichem Abstand auf Platz drei, Achtelfinale in der Europa League und im DFB-Pokal noch im Rennen - diese Saison könnte eine der besten der Vereinsgeschichte werden ...

Naldo: Das stimmt, und diese Aussicht freut uns alle sehr! Aber wir wissen auch, dass wir noch viele Spiele vor der Brust haben und unsere Aufgaben Schritt für Schritt erledigen müssen. Schon am Sonntag in Bremen wird es gewiss nicht leicht, denn Werder ist in einer sehr guten Verfassung, wie die Resultate der vergangenen Wochen zeigen. Allerdings - wir sind auch gut in Form, und ich hoffe, dass wir - wie in der vergangenen Saison - erneut in Bremen gewinnen können.

"Viktor macht einen sehr guten Job"

bundesliga.de: Es ist nicht Ihre erste Rückkehr nach Bremen seit Ihrem Wechsel zum VfL; kribbelt es trotzdem noch ein bisschen?

Naldo: Es ist für mich immer etwas Besonderes nach Bremen zurückzukehren, ob nun als Fußballer oder als Privatmensch. Ich freue mich jedenfalls sehr auf dieses Spiel.

bundesliga.de: Haben Sie in der Hinrunde, als Werder am Tabellenende stand, ein wenig gelitten, oder ist für solche Gefühle im Profi-Fußball kein Platz?

Naldo: Für solche Gefühle muss Platz sein! Ich hatte sieben tolle Jahre bei Werder, und mir tut es immer weh, wenn es diesem Verein schlecht geht. Umso mehr freue ich mich, dass man nun mit Viktor Skripnik wieder einen attraktiven und vor allem erfolgreicheren Fußball spielt.

bundesliga.de: Sie kamen 2005 zu Werder, ein Jahr, nachdem Skripnik seine Profi-Karriere in Bremen beendet und als Jugendtrainer begonnen hatte; haben Sie den Ukrainer damals wahrgenommen?

Naldo: Viktor Skripnik war mir damals durchaus ein Begriff. Alle sprachen von ihm als von einem sehr guten Fußballer und einem tollen Menschen. Es gefällt mir sehr, wie er Werder gemeinsam mit Torsten Frings wieder in die Spur gebracht hat. Und ich glaube, dass eine große Trainerkarriere vor Viktor liegt. Er macht jedenfalls schon jetzt einen sehr guten Job.

"Noch ein Treffer, das wäre toll"

bundesliga.de: Nicht nur für Skripnik, auch für Sie läuft es bestens. Obwohl Sie im Sommer 33 werden, sind Sie neben Kevin de Bruyne der einzige VfL-Spieler, der in der Bundesliga alle 22 Spiele von Beginn an absolviert und auch in der Europa League immer auf dem Platz gestanden hat; sind Sie wie guter Wein, der mit dem Alter immer besser wird?

Naldo: Ja, wie guter Wein - das kann man sagen (lacht)! Ich sage immer zu meinen Freunden und zu meiner Frau, dass ich mich mit den Jahren eigentlich immer besser und nach wie vor topfit fühle. Wenn ich gesund bleibe, möchte ich auf jeden Fall noch eine ganze Weile spielen. Zum Trainer sage ich stets "Trainer, ich bin immer bereit. Egal, ob wir Donnerstag gespielt haben - ich bin für Sonntag bereit!" Und Dieter Hecking weiß, dass ich immer alles für die Mannschaft gebe. Ja, im Moment läuft es wirklich sehr gut für mich.

bundesliga.de: In der Tat, mit bisher sechs Treffern sind Sie nicht nur der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga, sondern können in auch noch einen neuen persönlichen Tor-Rekord aufstellen ...

Naldo: Genau! Ich hoffe wirklich, dass mir zumindest noch ein Treffer gelingt. Das wäre toll. Noch bleibt ja eine ganze Reihe von Spielen. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Mannschaft Erfolg hat.

"Wollen die Bayern etwas länger ärgern"

bundesliga.de: Hat sie; so konnte man zum Rückrundenstart beim 4:1 für 90 Minuten sogar die Bayern dominieren. Hat der VfL mittelfristig das Zeug, die Münchner auch über eine ganze Saison zu ärgern?

Naldo: Dieser Sieg war in der Tat sehr wichtig für uns und sollte auch anderen Vereinen Mut machen, dass die Bayern zu schlagen sind. Und ich hoffe, dass wir sie vielleicht schon nächste oder übernächste Saison mal über einen etwas längeren Zeitraum ärgern können. Trotzdem steht außer Frage, dass die Münchner immer einen überragenden Kader haben werden, bei dem es kaum eine Rolle spielt, welche Spieler letztlich auf dem Platz stehen. Grundsätzlich sollten wir aber nicht allzu sehr auf die Bayern schauen, sondern in erster Linie auf uns selbst.

bundesliga.de: So wie die Bayern den VfL noch auf Distanz halten, hält der VfL in dieser Saison den Rest der Bundesliga auf Distanz; sind Sie ein wenig enttäuscht von der Konkurrenz?

Naldo: Auf gar keinen Fall! Wir dürfen nicht vergessen, dass noch 13 Spiele zu spielen sind, so dass noch eine ganze Menge passieren kann. Ich meine mich entsinnen zu können, dass Bayer 04 Leverkusen in der vergangenen Saison zwischenzeitlich ebenfalls beinahe zehn Punkte vor uns lag. Am Ende aber war es nur noch ein einziger Punkt. Das zeigt wie ausgeglichen die Bundesliga ist, und dass wir Teams wie Bayer, Schalke oder Mönchengladbach unbedingt im Auge behalten müssen. Umso wichtiger wäre für uns jetzt ein Sieg in Bremen!

Das Gespräch führte Andreas Kötter