Hannover - Der Befreiungsschlag gelang Hannover 96 in Köln nicht, aber nach dem 1:1-Unentschieden in der Domstadt haben die Niedersachsen zumindest den Abwärtstrend der letzten Wochen gestoppt. Jetzt wartet am kommenden Wochenende mit der Partie gegen den VfB Stuttgart ein weiteres Schlüsselspiel auf die Elf von Tayfun Korkut.

Nur einen Punkt hatte Hannover 96 aus den ersten vier Spielen des Jahres 2015 geholt. Die Leistungen stimmten nach allgemeiner Einschätzung mit der Ausnahme der 1:2-Heimniederlage gegen den Aufsteiger SC Paderborn 07. Doch die Punkteausbeute war unbefriedigend. Aus dem Aspiranten für einen Platz in der Europa League drohte ein Abstiegskandidat zu werden.

"Kämpferisch hat es gepasst"

Auch nach dem Punktgewinn von Köln ist die Gefahr noch nicht gebannt, richtig in den Abstiegsschlamassel hineingezogen zu werden. Denn der Vorsprung von Hannover 96 auf Platz 16 beträgt lediglich vier Zähler. Die internationalen Ambitionen sind längst vom Tisch. "Wir wollen den Abstand nach unten vergrößern, weil wir in der Rückrunde zu wenig Punkte geholt haben. Das ist unser primäres Ziel", sagte Mannschaftskapitän Lars Stindl nach dem Remis von Köln.

Spielerisch konnte die Mannschaft in anderen Partien überzeugen, in Köln stimmte dafür das kämpferische Engagement. "Wir müssen jetzt noch die Balance finden. Wir haben in den letzten Wochen bis auf das Spiel gegen Paderborn sehr gut gespielt, haben aber nicht die Punkte geholt", meint Stindl. "Diesmal hat es kämpferisch in der Truppe gepasst. Wir müssen jetzt die richtige Mischung finden, dann werden wir auch wieder dreifach punkten."

Von einer Trendwende wollte Teamkollege Ron-Robert Zieler noch nicht sprechen. "Es wird sich zeigen, ob der Abwärtstrend jetzt gestoppt ist", sagt der Weltmeister im Tor von 96. "Der Punkt ist viel wert, wenn wir nächste Woche gegen Stuttgart einen Dreier nachlegen. Dann kommen wir wieder ins Laufen. Das Spiel wird sehr wichtig werden."

Seit sechs Spielen ohne Sieg

Bei einem Sieg gegen das Tabellen-Schlusslicht könnten sich die Niedersachsen wieder nach oben orientieren. Dorthin, wo Hannover 96 nach dem 11. Spieltag und mit 19 Punkten auf dem Konto schon einmal stand. Doch dem Höhenflug folgte der Rückschritt mit nur noch einem Dreier und sieben Punkten aus den folgenden elf Spielen.

"Die Punktebilanz macht mir keine Sorgen", behauptet Trainer Tayfun Korkut. "Wichtig ist für mich, wie die Mannschaft auftritt. Dass wir Fußball spielen können, sieht man. Jetzt müssen wir auch die anderen Tugenden abrufen, um Spiele wie gegen Köln noch erfolgreicher gestalten zu können." Seit sechs Spielen wartet Hannover nun schon auf einen Sieg, so lange wie noch nie in der Amtszeit des Coaches.

Duell mit dem Tabellen-Letzten

Zweifel am Trainer sind 96-Boss Martin Kind dennoch noch nicht gekommen. "Er macht unglaublich gute und erfolgreiche Arbeit und ist ein Supertyp als Mensch und als Trainer", lobt der starke Mann des Vereins seinen Coach beinahe schon überschwenglich. Die nächste Aufgabe für den Tabellen-Zehnten wird durchaus delikat. Denn gegen den VfB Stuttgart erwarten die Fans endlich wieder einen Sieg.

"Wir haben Druck, das wird ein enorm wichtiges Spiel", weiß Hannovers Manager Dirk Dufner. "Wir spielen gegen einen Gegner, der mit dem Rücken total zur Wand steht. Wir wollen dieses Heimspiel unbedingt gewinnen. Der VfB Stuttgart muss dieses Spiel gewinnen. Entsprechend wird es in diesem Spiel um wahnsinnig viel gehen. Wir brauchen den Druck auch nicht kleiner reden." Schließlich trifft Hannover 96 danach nacheinander auf Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Ein Dreier gegen die Schwaben ist daher Pflicht.

Von Tobias Gonscherowski