Sinsheim - Vorbei die Zeiten des Hurra-Fußballs - die TSG 1899 Hoffenheim kann mittlerweile auch effizient und erfolgsorientiert. So auch beim VfB Stuttgart, wo die Hoffenheimer souverän die Punkte einfuhren.

Entspannter geht es kaum. Als Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen am Samstagabend die Interviewzone des Stuttgarter Stadions betritt, kommt er aus dem Schmunzeln kaum noch heraus. Kein Wunder: Souverän mit 2:0 hatte seine Mannschaft zuvor einen biederen VfB Stuttgart besiegt und dabei gezeigt, dass mit den Kraichgauern in dieser Saison zu rechnen sein wird.

Kompakt, stabil und top geordnet

Das hat Gründe, die Rosen den wartenden Journalisten detailverliebt erklärt. "Wir sind heute in Stuttgart sehr tief gestanden und haben den Gegner kommen lassen", so Rosen. Ein neues System also, das Trainer Markus Gisdol seiner Truppe verordnet hatte. Spielte man in der vergangenen Spielzeit noch einen attraktiven Offensiv-Fußball mit permanentem Pressing und einem enormem Laufaufwand, so gewinnen die Kraichgauer mittlerweile ihre Spiele auch auf clevere Weise.

"Diese taktische Flexibilität wird sicher eine der großen Herausforderungen in den nächsten Monaten", ist sich auch Rosen bewusst. Klar ist aber, dass es Gisdol in den letzten Wochen gelungen ist, seiner Mannschaft Stabilität zu verleihen - und das durch alle Mannschaftsteile hinweg. Kompakt, stabil, top geordnet - so präsentieren sich die Hoffenheimer im September 2014. Ergebnis: Ganz oben in der Tabelle nach dem vierten Spieltag.

Hoffenheims Kader sinnvoll verstärkt

Zwei Gegentreffer nach vier Spieltagen - eine Bilanz, die Bände spricht. Besonders die Verpflichtung von Freiburgs Keeper Oliver Baumann ist für die TSG Gold wert. Auch in Stuttgart dirigierte Baumann seine Vorderleute vorbildlich, seine blutjungen Vorderleute wie Niklas Süle oder Tobias Strobl waren in Stuttgart 90 Minuten lang Herr der Lage. Selbst der Ausfall des bislang so starken Ermin Bicakcic fiel da nichts ins Gewicht. Und mit Sebastian Rudy scheint sogar ein neuer Rechtsverteidiger gefunden. Nach dessen Premiere bei der Nationalmannschaft spielte er diese Rolle nun auch gegen den VfB.

Fakt ist: Hoffenheim hat in der Sommerpause vor allem in Sachen Planung vieles richtig gemacht. Rosen und Gisdol haben den Kader sinnvoll verstärkt, im Tor mit einem Oliver Baumann, aber vor allem in der Breite wurde exzellent nachgebessert. So war es in Stuttgart auch kein Problem, die verletzten Bicakcic oder Sejad Salihovic zu ersetzen, man konnte getrost auch potenzielle Stammkräfte wie Kevin Volland oder Adam Szalai auf die Ersatzbank setzen. "Es kommt uns jetzt natürlich zugute, dass wir mittlerweile einen breiten Kader haben“, meinte auch Rosen. „So können wir verletzte oder müde Spieler adäquat ersetzen."

TSG zeigt konzentrierte, solide Leistung

Bemerkenswert waren auch die Sätze von Kapitän Andreas Beck nach der Partie. "In einer englischen Woche ist es wichtig, auch einmal Kräfte zu sparen", erklärte Beck. "Hier in Stuttgart konnten wir einige Körner sparen." In der Tat zeigten die Hoffenheimer kein brillantes Feuerwerk, eine konzentrierte, solide Leistung reichte für die drei wichtigen Derby-Punkte.

Trainer Gisdol trat nach Partie auf die Euphoriebremse. "Für uns war es wichtig, dass wir uns von der aktuellen Situation in Stuttgart nicht täuschen lassen", sagte er bei der Pressekonferenz. Das hatten seine Jungs in den 90 Minuten eindrucksvoll geschafft. Nun wartet ein Heimspiel gegen den Sport-Club Freiburg - eine machbare Aufgabe und vielleicht die Fortsetzung des Hoffenheimer Höhenflugs.

Jens Fischer