Geht als Favorit ins VBL Grand Final: Titelverteidiger MegaBit von Werder Bremen - © Christian Kaspar-Bartke/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
Geht als Favorit ins VBL Grand Final: Titelverteidiger MegaBit von Werder Bremen - © Christian Kaspar-Bartke/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
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Michael "MegaBit" Bittner im Interview: "Pizarro ist bei mir gesetzt"

Michael "MegaBit" Bittner ist der große Favorit beim Grand Final der VBL, wo es um den Deutschen Meister im Einzel geht. Im Interview spricht der Titelverteidiger über die größten Konkurrenten, die Vorbereitung in der Corona-Zeit und die ungewöhnliche Konstellation, wenn Teamkollegen plötzlich zu Kontrahenten werden.

Frage: Michael Bittner, Sie gehen als Titelverteidiger ins Grand Final der Virtual Bundesliga vom 24. bis 28. Juni 2020. Wie gut sind Sie vorbereitet?

Michael Bittner: Rein vom Training her fühle ich mich bestens vorbereitet. Eine kleine Ungewissheit ist sicher die lange Wettkampfpause. Es gab ja in den letzten drei Monaten keine offiziellen Turniere und deshalb habe ich auch keinen aktuellen Stand über die Leistungen der anderen Spieler. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass es beim Grand Final die eine oder andere Überraschung geben wird.

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Frage: Wettkampfpraxis spielt also eine große Rolle?

Bittner: Definitiv, denn wenn ich mal die letzte Saison heranziehe, dann waren da sowohl mein damaliger Teamkollege Mohammed „MoAuba“ Harkous als auch ich bei vielen internationalen Turnieren dabei. Und diese Erfahrung hat man uns beiden beim Grand Final 2019 auch angemerkt.

Frage: Letztlich standen Sie sich dann beide im konsolenübergreifenden Finale gegenüber. War das nicht eine komische Situation, wenn aus dem Mannschaftskameraden der gesamten Saison plötzlich der härteste Konkurrent um den Titel wird?

Bittner: Es war schon eine einzigartige Sache, dass wir letztes Jahr als Teamkollegen im Finale aufeinandergetroffen sind. Davor wurden natürlich schon mal ein paar Sprüche gebracht. Während des Spiels sind wir dann aber alle Profis genug, da ist es dann im Zweifel auch egal, ob du gegen deinen besten Freund spielst. Im Nachhinein war ich auch ein wenig von mir selbst geschockt, wie heftig ich bei den Toren gejubelt habe. Aber es ging ja immerhin um die Deutsche Meisterschaft. Ich war begeistert davon, wie Mo mit der Niederlage umgegangen ist. Auch aus seiner Sicht war es ein verdienter Sieg von mir. Und am Ende hat er sich mit der Weltmeisterschaft ja noch einen Titel von einem ganz anderen Kaliber geholt.

Frage: Auch in diesem Jahr hat sich MoAuba über die Playoffs für das Grand Final qualifiziert. Sie könnten sich also erneut gegenüberstehen. Wie ist Ihr Verhältnis, nachdem er Werder Bremen im letzten Jahr ja verlassen hat?

Bittner: Wir haben nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis. Und ich würde mich sehr freuen, wieder gegen ihn zu spielen. Denn das würde bedeuten, dass wir beide im Cross-Console-Finale stehen.

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Frage: Das Grand Final sollte eigentlich schon Ende März stattfinden und wurde dann aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt. War es möglich, während des Lockdowns die Spannung aufrecht zu erhalten, obwohl man nicht wusste, ob und wann es wieder weitergeht?

Bittner: Das war auch für mich eine schwierige Zeit, weil ich plötzlich diese übergeordneten Ziele - auch auf internationaler Ebene - nicht mehr hatte. Es war letztes Jahr im März und April klar, dass man die langen Trainingszeiten für große Turniere wie das Grand Final oder die WM investiert. Die große Ungewissheit in diesem Jahr hat mich schon in meiner Motivation ein wenig beeinflusst. Umso schöner ist es jetzt, dass zumindest die Deutsche Meisterschaft ausgetragen wird.

Frage: Wie läuft Ihre persönliche Vorbereitung in den Tagen vor dem Grand Final ab?

Bittner: Ich habe, um noch ein wenig runterzukommen, meine Eltern in Bayern besucht. Anschließend habe ich mich mit Vollgas ins Training gestürzt. Ich werde nun ganz intensive Sessions mit Profis machen, die nicht am Grand Final teilnehmen. So komme ich auf 15 bis 20 Spiele pro Tag, die im Nachhinein noch analysiert werden müssen. Dazu lege ich auch viel Wert auf körperliche Fitness. Solche Turniere erfordern viel Konzentration, und der ständige Wechsel zwischen Anspannung und Entlastung zwischen den einzelnen Spielen kann über so einen Tag hinweg sehr anstrengend sein. Deshalb haben Erhan und ich gemeinsam mit Werder und Digital Fitness einen Trainingsplan erarbeitet, der uns auch neben der Konsole fit machen wird.

Frage: Welche Rolle spielen Gegneranalysen?

Bittner: Das gehört als Profi schon dazu, hätte aber viel mehr Sinn gemacht, wenn das Grand Final Ende März stattgefunden hätte. Drei Monate später sind die Spieler logischerweise auf einem ganz anderen Stand, haben andere Automatismen und spielen neue Taktiken, so dass es jetzt nur noch bedingt Sinn macht, sich Partien der Club Championship im Re-Live anzuschauen. Ich werde mich also in erster Linie auf mich selbst konzentrieren.

Frage: Inwiefern unterscheidet sich die Startelf von Megabit eigentlich von der Startelf des SV Werder Bremen unter Florian Kohfeldt?

Bittner: Ich möchte natürlich noch nicht allzu viel über meine Startelf preisgeben. Aber so viel sei verraten: Claudio Pizarro, der in der Realität nicht mehr die Luft für 90 Minuten hat, ist bei mir gesetzt. Wichtig sind mir neben der Körpergröße vor allem auch Spieler, die möglichst beidfüßig sind. Und Schnelligkeit spielt eine Rolle. Deshalb stehen bei mir fast immer Außenverteidiger in der Innenverteidigung, um das Tempo-Defizit der Abwehrspieler gegenüber den Stürmern zu kompensieren.

Frage: Am Ende noch ein kleiner Ausblick: Was erwarten sie von FIFA21 und der kommenden Saison in der Virtual Bundesliga?

Bittner: FIFA20 war sehr defensiv geprägt. Ich würde mir für die nächste Ausgabe wünschen, dass es wieder mehr Möglichkeiten in der Offensive gibt, was letztlich auch die Spiele attraktiver macht. Das Format der Virtual Bundesliga ist insgesamt sehr gut, ich würde aber noch ein wenig Feintuning beim 85er-Modus begrüßen. Da ist man in der Balance und Beweglichkeit schon sehr eingeschränkt.

Das Gespräch führte Karol Herrmann