München - Bislang war Robert Lewandowski nicht als Frühstarter bekannt. Doch beim 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart brach der Stürmer des FC Bayern München mit seinen Gewohnheiten. Erstmals traf er in dieser Saison in der ersten Halbzeit. Dem Torjäger der Bayern gelingt derzeit einfach alles. Eine magische Marke rückt so immer mehr in den Fokus.

Der polnische Nationalspieler ist in der Form seines Lebens. Mit seinem Fünferpack in neun Minuten gegen den VfL Wolfsburg (Video: Lewandowskis Gala gegen Wolfsburg) hat sich Lewandowski in der Bundesliga-Geschichte verewigt. Doch damit hat sich der 27-Jährige nicht zufrieden gegeben und seither sein Torekonto weiter munter aufgestockt.

Lewandowski in einem elitären Kreis

14 Saisontore hat die Nummer neun des FC Bayern bereits erzielt, genau wie Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (Torjägerliste) - und das nach nur zwölf Spieltagen. Dieses Kunststück gelang zuletzt Manfred Burgsmüller in der Saison 1980/81. Zum Vergleich: Der spätere Torschützenkönig Alexander Meier stand zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison bei gerade einmal sieben Treffern.

Eine solche Torausbeute zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison ist in der Bundesliga eine Seltenheit. Neben Burgsmüller erzielten erst vier weitere Profis an den ersten zwölf Spieltagen 14 oder mehr Tore. Gerd Müller gelang dieses Kunststück sogar drei Mal (15 Tore 1976, 16 Tore 1972, 17 Tore 1968). Komplettiert wird der elitäre Kreis der Torjäger von Dieter Müller (14 Tore 1977), Erich Beer (14 Tore 1975) und Peter Meyer (16 Tore 1967). Lewandowski sorgte mit seiner Treffsicherheit für ein Novum: Der Pole ist der erste ausländische Spieler, der an den ersten zwölf Spieltagen der Bundesliga so häufig getroffen hat (XL-Galerie: Alle Lewandowski-Tore in dieser Saison).

"Immer versuchen, etwas Neues zu machen"

"Viele Leute erwarten von mir nur Tore, aber ich will auch ein besserer Spieler sein", sagte Lewandowski nach einer seiner zahlreichen Gala-Vorstellungen. "Die Tore sind eine Sache, die anderen sind Siege mit den Bayern und gut spielen." Und doch definiert sich der Mittelstürmer derzeit in erster Linie über seine Treffsicherheit.

Die defensive Ausrichtung vieler Gegner macht es ihm dabei nicht gerade leicht. Dass der Stürmer dennoch so oft einnetzt, ist ein Beleg seiner Stärke.  "Wenn die Gegner defensiv spielen, musst du immer versuchen, etwas Neues zu machen", erklärte Lewandowski.  "Du musst immer kämpfen und den freien Platz suchen."

Unersättlicher Torhunger

Auch von der dichtesten Defensivreihe lässt sich der Offensivspieler nicht aufhalten. Sein Hunger auf Tore ist nie zu stillen. Gegen den VfB ärgerte er sich trotz klarer Führung noch über jede vergebene Chance. Eines seiner Erfolgsrezepte ist, dass er sich nicht mit bereits Erreichtem zufrieden gibt. "Bei jedem Spiel geht es wieder von vorne, also bei null los. Das ist ein Gedanke, der mir sehr hilft", sagte Lewandowski unlängst im Interview mit bundesliga.de.

Im Schnitt benötigte der Mittelstürmer in dieser Saison 62,7 Minuten für ein Tor. Er ist damit der effektivste Spieler. Dieser Wert beeindruckt umso mehr, da Lewandowski nur neun Mal über die vollen 90 Minuten zum Einsatz kam. Er ist damit auf bestem Weg die erfolgreichste Saison eines Torjägers zu spielen. Trifft Lewandowski weiter so regelmäßig, könnte er sogar Gerd Müllers legendäre 40 Tore aus der Saison 1971/72 übertreffen (Video: Lewandowski jagt Müller). Anfang Oktober gab sich Lewandowski allerdings eher zurückhalten: "Es ist noch viel zu früh, daran zu denken." Noch.

Aus München berichtet Maximilian Lotz