München - Fünferpack und 100. Treffer in der Bundesliga: Robert Lewandowski startet durch und lässt die Fußballwelt jede Woche wieder staunen. Der 27-Jährige hat sich in der Bundesliga zum Top-Stürmer entwickelt und bricht beim FC Bayern München einen Rekord nach dem anderen.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der FCB-Stürmer über die steile Entwicklung seiner Karriere, seine Einstellung zum Fußball und das hohe Niveau in der Bundesliga.

bundesliga.de: Hallo Herr Lewandowski oder sollen wir Sie besser "Superman" oder "Terminator" nennen?

Robert Lewandowski (lacht): Wer nennt mich denn so?

bundesliga.de: Einige polnische Zeitungen haben Sie nach Ihren vielen Toren so genannt. Als was fühlen Sie sich denn?

Lewandowski: Ich verrate Ihnen etwas: Die größte Herausforderung für einen Sportler ist, sich nicht so zu fühlen. Wenn du das nicht schaffst, wirst du gleich im nächsten Spiel genau daran erinnert. Es ist besser ein geerdeter Mensch zu sein, der seinen Job so gut wie möglich macht.

"Ich halte mich an die Marschroute"

bundesliga.de: Das heißt, der Mann, der Tore am Fließband schießt und in aller Welt bestaunt wird, kann seine Tore gar nicht richtig genießen?

Lewandowski: Vielleicht ist das sogar so. Aber ich habe eine Gegenfrage: Haben Sie schon mal einen Fußballspieler gesehen, der nach acht Spieltagen in Jubel ausbricht und feiert?

bundesliga.de: Mal wieder 1:0 für Sie. Aber Spaß beiseite, wie schafft man es, den ganzen Trubel auszublenden?

Lewandowski: Genau so, ausblenden.  Das einzige woran ich mich halte ist die Marschroute: Das nächste Spiel ist die nächste Herausforderung. Wenn du alle paar Tage Spiele hast, kannst du deinen Kopf nicht mit fantastischen Bezeichnungen und Schlagzeilen füllen (Lewandowskis Rekorde im Überblick). Außerdem: Meine Tore sind immer auch Tore meiner Mannschaft.

bundesliga.de: Es ist schwer zu glauben, dass Sie es schaffen ruhig und gelassen zu bleiben?

Lewandowski: Mir hilft auch meine Erfahrung. Ich hatte auch Bei Borussia Dortmund eine Phase das lief es. Zwölf Tore in zwölf Spielen waren es so glaube ich - inklusive Champions League gegen Real Madrid. Aber ich habe damals auch gemerkt, bei jedem Spiel geht es wieder von vorne, also bei Null los. Das ist ein Gedanke, der mir sehr hilft.

"Zum Höhepunkt gehören für mich auch Titel"

bundesliga.de: Und ein Geheimnis hinter Ihrem Erfolg gibt es nicht?

Lewandowski: Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass viele einzelne kleine Dinge zählen, die man zusammen kriegen muss. Fußball beschränkt sich nicht auf Fußball spielen. Als ich 18 war da habe ich zum Beispiel gemerkt, mir fehlt es an Kraft, um mich besser durchsetzen zu können. Besonders wichtig ist bei mir sicher auch die Regeneration, denn Fußball ist auch Arbeit, du musst um Räume und Chancen kämpfen – das geht am besten, wenn du dich wohl fühlst.

bundesliga.de: Fühlen Sie sich auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere?

Lewandowski: Was heißt Höhepunkt? (Die unglaubliche Nacht des Lewandowski) Vielleicht ist das sogar so, aber darum geht es mir nicht. Ich bin 27 Jahre alt und versuche – es denn der Höhepunkt ist – den so lange wie möglich andauern zu lassen. Außerdem gehören zum Höhepunkt für mich immer auch Titel.

bundesliga.de: Vergangene Saison nach dem frühen Titel war von einem Spannungsabfall der Bayern die Rede ...

Lewandowski:... wenn das der Fall war, wissen wir, dass wir diesen Fehler diese Jahr nicht mehr machen.

bundesliga.de: Für viele steht der Deutsche Meister 2015/2016 schon fest?

Lewandowski: Da bin ich anderer Meinung. Wir haben derzeit vielleicht einen Vorsprung, aber ich sehe nicht, dass andere Teams wie Borussia Dortmund, der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen keine Chance mehr haben (zur Tabelle). Die Bundesliga bleibt für uns eine Herausforderung.

Das Interview führte Oliver Trust

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews