Zusammenfassung

  • Lars Stindl kehrt gegen Bayern überraschend in die Startelf zurück und ist gleich der Matchwinner der Partie
  • Dieter Hecking gelingt ein taktischer Kniff mit der Rückkehr seines Kapitäns
  • Stindl: "Irgendwann war der Tank dann leer"

München - 161 Tage musste er warten, auf nur wenige Einsatzminuten hatte er gehofft – und noch nicht einmal zehn vergingen, ehe Lars Stindl erstmals entscheidend eingriff. Seine Balleroberung leitete den Führungstreffer für Borussia Mönchengladbach ein, in der 16. Minute traf der Kapitän dann beim sensationellen 3:0-Erfolg beim FC Bayern München auch noch selbst - und krönte damit seine fabelhafte Comeback-Story, die nur ein Teil der Gladbacher Erfolgsgeschichte ist.

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Beim 2:2 beim VfL Wolfsburg am vergangenen Wochenende gehörte Stindl erstmals seit seinem Riss der Syndesmose im Sprunggelenk Ende April wieder dem Gladbacher Kader an. "Ich bin froh, dass ich in Wolfsburg endlich mal wieder dabei war", sagte Stindl unter der Woche. "Vielleicht reicht es am Samstag in München für ein paar Minuten."

Stindl: "Irgendwann war der Tank leer"

Es reichte. Für deutlich mehr. "Dann war aber auch irgendwann der Tank leer", gestand Stindl hinterher. 65 Minuten waren es insgesamt, die er als "sehr intensiv" beschrieb. Mit Standing Ovations der mitgereisten Gladbacher Fans und begleitet von Sprechchören wurde der Rückkehrer gebührend verabschiedet.

© imago / Jan Huebner

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Überraschend tauchte der 30-Jährige, der wegen seiner Verletzung auch die WM verpasste, beim Topspiel beim Rekordmeister sogar in der Startelf auf. Die Ankündigung von Trainer Dieter Hecking auf der Pressekonferenz am Donnerstag, wonach Stindls Saison erst nach der Länderspielpause so richtig beginnen werde und er ihn eher auf der Achterposition sehe, erwies sich im Nachhinein als geschickter Bluff.

Heckings Plan mit Stindl und Plea geht auf

Denn auf dem Rasen nahm Stindl den Platz in der Sturmspitze ein und verdrängte Gladbachs Toptorjäger Alassane Plea auf den linken Flügel. "Ich wollte mit Lars noch einen zweiten ballsicheren Spieler haben", erklärte Hecking hinterher seinen Schachzug. "Alassane hat in Nizza links neben Mario Balotelli gespielt, er hat im Test in Bochum in der ersten Länderspielpause links gespielt. Das hatte ich im Kopf."

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Dass der Franzose dort nicht minder torgefährlich ist, bewies er in der zehnten Minute nach der eingangs erwähnten Balleroberung Stindls und einer anschließenden Gladbacher Ballzirkulation über mehrere Stationen, bis der starke Jonas Hofmann Plea in Szene setzte. Trocken versenkte Gladbachs Goalgetter den Ball rechts unten zu seinem schon fünften Saisontor.

Stindl stellt Weichen endgültig auf Sieg

Es war der erste Torschuss der Gäste und auch der zweite sechs Minuten später saß. Wiederum nach einem Zuspiel von Hofmann war es Stindl selbst, der die Weichen der Gladbacher endgültig auf Sieg stellte. "Wir freuen uns erstmal über diesen besonderen Tag, für die Mannschaft und für mich persönlich. Weil meine Bilanz in den letzten zehn Jahren hier in München nicht so toll war", sagte Stindl, für den es im achten Anlauf in der Allianz Arena der erste Treffer war.

"Wir wissen diese Momentaufnahme sehr gut einzuordnen" Lars Stindl

Aber nicht nur wegen seines Treffers war Stindl an diesem Abend in München so wertvoll. "Er hat wahnsinnig viel gearbeitet, auch Bälle gehalten. Es freut uns natürlich, dass er wieder da ist", sagte Matthias Ginter über den zweikampfstärksten Gladbacher auf dem Platz (neun gewonnene Duelle).

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Herrmann erklärt Gladbachs Erfolgsrezept

Und Stindls Abschlussstärke ist für die Fohlen natürlich noch ein zusätzliches Plus. "Wir waren sehr effizient und haben sehr gut verteidigt", brachte Joker Patrick Herrmann das Erfolgsrezept auf den Punkt. Sein Tor in der 87. Minute machte den insgesamt nie ernsthaft gefährdeten Gladbacher Sieg endgültig perfekt. "Hinten müssen wir erstmal gut stehen und vorne haben wir enorme Qualitäten, da sind wir immer für ein Tor gut", erklärte Herrmann den momentanen Lauf.

© gettyimages / Christof Stache

Neben dem in München erfolgreichen Trio, überzeugen seit Wochen auch die offensiven Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen: Florian Neuhaus und eben Hofmann, der die ersten beiden Tore vorbereitete. Der Sprung auf Tabellenplatz zwei ist daher kein Zufall. "Wir freuen uns über die Momentaufnahme. Aber in Gladbach können wir das sehr gut einschätzen und einordnen", mahnte Stindl abschließend in seiner Rolle als Kapitän zur Bodenhaftung. "Wir freuen uns ein paar Tage über den Sieg und werden dann wieder alles dafür tun, um gegen Mainz nachzulegen. Das Spiel wird uns wieder alles abverlangen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz