Wolfsburg - Er war der personifizierte Albtraum des FC Bayern. Kevin de Bruyne. Der Belgier spielte gleich mehrfach die Abwehr des Rekordmeisters schwindelig und war mit seinen zwei Toren und seinem bereits elften Assist der überragende Spieler beim 4:1-Sieg des VfL Wolfsburg. Im Interview spricht er über das Spiel sowie die Ziele der Wölfe.

Frage: Herr De Bruyne, ganz Deutschland hat sich gefragt, wie man nur die Bayern schlagen kann. Jetzt hat der VfL Wolfsburg den Tabellenführer mit 4:1 deklassiert. Wie haben Sie das geschafft?

Kevin de Bruyne: Ich weiß ja wie es läuft, alle werden sagen, wir haben jetzt die Bayern geschlagen und das ist auch sehr nett. Über den Sieg können wir uns jetzt auch zwei Tage freuen, aber es waren auch nur drei Punkte. Natürlich ist es schön gewesen, eine solche Topleistung ausgerechnet gegen Bayern abzurufen. Der Schlüssel war einfach nicht ängstlich zu sein und selbst zu attackieren. Das haben wir ganz gut hinbekommen.

"Ich bin stolz auf die Mannschaft"

Frage: Mit welchem taktischen Rezept kann man gegen die Bayern bestehen?

De Bruyne: Die Bayern spielen meist sehr risikoreich und gegen die meisten Bundesliga-Teams klappt da auch ganz gut. Besonders beim vierten Gegentor haben sie uns sehr viel Raum gelassen, sogar in unserer eigenen Hälfte, wo man dann auch nicht abseits stehen kann. Gegen Bayern muss man auch mit Risiko spielen, das hat heute ganz gut geklappt. Ich bin stolz auf die Mannschaft, denn jeder einzelne Spieler hat besonders in der Defensive einen super Job gemacht.

Frage: Ihr zweites Tor zum 4:1 war eine Demonstration ihrer Schnelligkeit und ihrer außergewöhnlichen technischen Fähigkeiten. Wie haben Sie die Situation erlebt?

De Bruyne: Es war eine Eins-gegen-Eins-Situation. Dante hat erwartet, dass ich mit rechts schieße, aber ich habe mir den Ball auf links gelegt. Als ich den Ball geschossen habe, dachte ich gleich, dass ich ihn gut getroffen habe. Es war ein schönes Tor.

"Es sind noch acht Zähler Rückstand"

Frage: Wenn der Tabellenzweite den Spitzenreiter 4:1 bezwingt, muss man die Frage nach der möglichen Meisterschaft stellen. Kann der VfL den FC Bayern noch einmal im Titelrennen gefährlich werden?

De Bruyne: Nein. Wir sollten ganz locker bleiben. Es sind immer noch acht Zähler Rückstand. Es waren jetzt drei Punkte für uns. Vielleicht werden andere Teams auch versuchen, so wie wir zu spielen, dass könnte Bayern unter Druck setzen. Aber Bayern bleibt Bayern, sie werden noch eine Menge Spiele gewinnen. Wir müssen uns auf die nächsten Partien fokussieren.

Frage: Der Respekt der Bayern gegenüber dem Konkurrenten aus der Autostadt dürfte nach dem Spiel immens gestiegen sein.

De Bruyne: Vielleicht. Ich glaube, die anderen Teams der Liga haben uns schon großen Respekt gezollt, wie gut wir im Moment spielen. Am Mittwoch gegen Eintracht Frankfurt wird es dann ein ganz anderes Spiel, da sind wir dann der Favorit. Wir müssen mental frisch für diese Partien sein, um in Frankfurt zu bestehen.

Frage: Schon in der Hinrunde haben Sie sich in einer überragenden Form präsentiert. Hätten Sie gedacht, dass Sie bereits zum Rückrundenstart so stark sind?

De Bruyne: Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich heute so gut fühle. Es waren natürlich für mich und den Verein schwierige Wochen. Klar bin ich froh über meine Leistung. Es ist gut, dass wir zu Beginn der Rückrunde gleich drei Spiele in einer Woche habe und so schnell beschäftigt sind.

"Das Ziel ist die Champions League"

Frage: Mit ihren starken Leistungen sind Sie auch bei europäischen Topclubs im Fokus. Muss sich der VfL-Fan Sorgen machen, dass Sie im Sommer wechseln, wenn ein gutes Angebot kommt?

De Bruyne: Ich bin mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Ich spiele im Moment guten Fußball, genauso wie die ganze Mannschaft, das ist das Wichtigste. Das Ziel ist es die Champions League zu erreichen und so viele Spiele zu gewinnen, wie möglich. Ich hoffe, ich kann dieses Level halten.

Frage: Zusammen mit Stürmer Bas Dost haben Sie heute ein überragendes Angriffsduo gebildet. Wie schätzen Sie die Leistung ihres Teamkollegen ein?

De Bruyne: Jeder wird heute sagen, dass er unglaublich gespielt hat. Bas und ich verstehen uns sehr gut, auch weil wir die gleich Sprache sprechen, das hilft natürlich. Er weiß, was ich mache und ich weiß er machen wird. Er hatte zuletzt schwierige Zeiten in Wolfsburg und jetzt sieht es anders auch nachdem Ivica Olic den Verein verlassen hat. Ich hoffe, er kann seine Form konservieren.

Aufgezeichnet von Alexander Barklage