Drei Tore in den letzten beiden Spielen: Leverkusens Kai Havertz - © imago images / Hartenfelser
Drei Tore in den letzten beiden Spielen: Leverkusens Kai Havertz - © imago images / Hartenfelser
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Leverkusen-Leistungsträger Kai Havertz: Nach Meilenstein auf Rekordkurs

Stuttgart – Wenige Schritte Anlauf, ein kurzes Verzögern und dann Ron-Robert Zieler verladen: Wie ein alter Hase übernahm Kai Havertz Verantwortung und schoss Bayer 04 Leverkusen vom Elfmeterpunkt zum 1:0-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart. Im 100. Pflichtspiel für die Werkself war der hochtalentierte Youngster einmal mehr der entscheidende Mann bei den Rheinländern.

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Bei seinem Meilenstein, den Havertz mit 19 Jahren und 306 Tagen als jüngster Spieler nach Julian Draxler (19 Jahre, 170 Tage) erreichte, überzeugte der Leverkusener nicht nur als Vollstrecker, sondern war erneut Dreh- und Angelpunkt der Bayer-Offensive. Die Krönung seiner starken Leistung: Mit seinem 13. Saisontor beendete der Nationalspieler die Niederlagenserie des Europapokal-Aspiranten und nährte die Hoffnungen von einer erneuten Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb.

Kaum verwunderlich, dass Havertz ein Sonderlob seines Trainers einheimste. „Wir wissen alle, dass er ein außergewöhnlich talentierter Spieler ist – auch, wenn er noch viel lernen muss. Aber, wenn man so jung ist, so gut spielt und dann auch noch so ruhig beim Elfmeter ist, das ist schon besonders“, schwärmte Peter Bosz nach dem souveränen Auftritt seines Schützlings am Elfmeterpunkt. Dreimal trat Havertz bisher als Strafstoßschütze in der Bundesliga in Erscheinung, dreimal verwandelte er aus elf Metern.

Havertz agiert mit 19 Jahren auch vom Punkt eiskalt - imago images / Sven Simon

Wieder einmal stand der derart gelobte Offensivakteur im Fokus des Interesses: Sein Tor des Tages bedeutete, dass Havertz weiter an einer Rekordsaison arbeitet. Lediglich ein Spieler hatte in jüngerem Alter 13 Saisontreffer auf dem Konto: Horst Köppel schoss in der Saison 1967/68 sogar 18 Tore für den VfB Stuttgart. Eine Marke, die Havertz durchaus noch erreichen kann. Doch der jüngste Leverkusener Debütant der Bundesliga-Historie ist nicht nur ein Mann für Rekorde, sondern auch für wichtige Treffer: In Stuttgart erzielte er bereits zum sechsten Mal in dieser Spielzeit das 1:0 für die Werkself – nur Andrej Kramaric (TSG Hoffenheim) hat öfters den Torauftakt für sein Team gemacht. Und nur zur Erinnerung: Havertz ist Mittelfeldspieler.

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Doch auch Havertz war beim eher mühevollen Arbeitssieg in Stuttgart anzumerken, dass die jüngsten Ergebnisse an ihm nagten. In der Nachspielzeit vergab er freistehend die vorzeitige Entscheidung, als er den Ball an Zieler, aber auch am Tor vorbeilegte. In der ersten Halbzeit hatte es ihm derweil wie dem gesamten Leverkusener Team an der nötigen Zielstrebigkeit gemangelt, um aus der drückenden Überlegenheit der Werkself auch Zählbares zu machen. „Wir haben das Spiel kontrolliert und uns Torchancen herausgespielt. Jedoch hat man auch gesehen, dass uns beim Abschluss das Selbstvertrauen vielleicht etwas gefehlt hat“, konstatierte auch Bayer-Coach Peter Bosz.

"Das ist ein sehr gutes Ergebnis für uns. Nach drei Wochen ohne Sieg war es wichtig heute die drei Punkte mitzunehmen – für's Gefühl und für's Selbstvertrauen“, betonte der Niederländer. Nach drei Niederlagen am Stück konnte Leverkusen nun wieder einen Sieg einfahren – und darf sich weiter berechtigte Hoffnung auf die Europapokal-Qualifikation machen. Sollte Bayer auch in der kommenden Saison im internationalen Wettbewerb vertreten sein, dürfen sie sich vor allem bei Eigengewächs Havertz bedanken. Auch wenn er noch viel lernen muss: Den Riecher für die wichtigen Tore und die Eiseskälte vor dem gegnerischen Kasten hat der Rekordmann bereits im Blut.