Gelsenkirchen - Der eine fischt den Freistoß von Cristiano Ronaldo aus dem Winkel, der andere knallt den Ball unbekümmert Iker Casillas um die Ohren. Zwei königsblaue Youngster haben gegen Real Madrid gezeigt, wie Schalkes Zukunft aussehen könnte.

Timon Wellenreuther und Felix Platte haben trotz der 0:2-Niederlage in der Champions League ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und dürfen auf mehr hoffen - vielleicht auch am Samstag in der Bundesliga gegen Werder Bremen.

Platte bringt Mut ins Schalker Angriffsspiel

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Seit Platte den Ball in der 74. Minute volley und vehement an die Madrider Latte gehämmert hat, kennt wohl jeder auf Schalke den jungen Mann, der vor einer Woche erst seinen 19. Geburtstag gefeiert hat. Auf der Rechnung hatte ihn bislang niemand - nicht einmal das eigene Stadionmagazin. Im Heft zum Real-Spiel suchte man Namen und Gesicht von Felix Platte noch vergeblich, so überraschend war sein Debüt in der Königsklasse offenbar selbst für den eigenen Verein gekommen.

Nur Horst Heldt war nach eigener Aussage wenig verwundert, dass der Torjäger der Schalker U19 nach der Verletzung von Klaas-Jan Huntelaar plötzlich gegen Casillas, Ronaldo und Co. auf dem Rasen stand. "Felix ist ein ähnlicher Spielertyp wie Klaas-Jan. Und er hat sich im Winter gut im Traininglager präsentiert, ist bei der Mannschaft geblieben, hatte auch in Frankfurt nach seiner Einwechslung gute Aktionen. Er hatte sich das verdient", meinte der Sportdirektor. Und verteilte gleich noch ein Sonderlob: "Er ist den Zweikämpfen nicht aus dem Weg gegangen, hat das toll gemacht. Schön!"

"Felix hat keine Angst vor nichts"

Bundesligaluft hatte Platte erstmals am Wochenende in Frankfurt für ein paar Minuten schnuppern dürfen. Jetzt gegen Madrid war er es, der die offensiven Akzente setzte. Der 19-Jährige ist zwar noch kein ausgereifter Spieler, zeigte aber keine Scheu vor den großen Namen, ging unbekümmert und mutig zur Sache. Und war damit das genaue Gegenteil zum Rest seiner etablierten Mitspieler, deren Angriffsversuche sich eher bieder und ängstlich ausmachten. "Mit ein bisschen Mut hätten wir mehr erreichen können", musste hinterher auch Dennis Aogo zugeben.

So aber blieb es dem groß gewachsenen Platte vorbehalten, mit seinem Knaller an die Latte das königsblaue Ausrufezeichen des Abends zu setzen. "Ich stand da rum und hab' einfach mal draufgehalten", erzählte er hinterher selbst. Fans hat er mit seinem unbekümmerten Auftritt gleich ein paar hinzu gewonnen, auch prominente Ex-Schalker. Jermaine Jones etwa schickte gleich mal aus den USA Grüße via Twitter: "Den Platte finde ich top. Der Junge hat Zukunft." Womit Jones sich in diesem Fall mit Schalkes Trainer Roberto Di Matteo einig war: "Felix hatte keine Angst vor nichts. Wenn er so weitermacht, hat er eine Zukunft bei uns."

Heldt lobt in den höchsten Tönen

Was man so auch über Timon Wellenreuther sagen könnte, der derzeit die Schalker Torwart-Hierarchie mit seinen Leistungen ordentlich aufmischt. "Bemerkenswert ist wahrscheinlich noch untertrieben", umschrieb Horst Heldt nach dem Real-Spiel seine Anerkennung für das Talent, dem er ebenso wie Platte empfahl, "mit einem Lächeln ins Bett zu gehen".

Auch der 19-jährige Wellenreuther ist einer aus der Kategorie "Jung, talentiert, mutig und königsblau", der gegen Madrid selbst vor dem Weltfußballer keine Angst zeigte. Als Cristiano Ronaldo allein aufs Schalker Tor zulief, kam er mutig aus dem Kasten. Und grinste später im Interview: "Da habe ich Ronaldo ein bisschen nervös gemacht. Er hat sich den Ball dann zu weit vorgelegt."

Platte gegen Bremen in der Startelf?

Mit Wellenreuther und Platte verfügt der FC Schalke 04 auf einmal über zwei personelle Alternativen mehr, die Trainer Di Matteo vielleicht schon am Samstag im Heimspiel gegen Werder Bremen (ab 15:00 Uhr im Liveticker) weiterhelfen können. Zwar steht Torhüter Fabian Giefer vor einer Rückkehr in den Kader, vorne aber hakt es bei den Knappen. Huntelaar ist verletzt und gesperrt, Eric Maxim Choupo-Moting wirkte gegen Madrid überspielt und blieb unauffällig.

Dass das Spiel gegen die Mannschaft der Stunde alles andere als einfach wird, hat Horst Heldt seiner Mannschaft schon einmal deutlich gemacht: "Werder weiß ja gar nicht mehr, wie verlieren überhaupt geht." Ein mutiger und engagierter Auftritt der Schalker kann da auf keinen Fall schaden. Platte und Wellenreuther jedenfalls wissen ganz genau, wie das geht.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte