Bundesliga

Julian Nagelsmann: "Der Menschenführer ist mehr wert als der Topfachmann"

Julian Nagelsmann über die Gründe der Erfolgsserie:

Vor der Abfahrt in den Urlaub an Chiemsee und Gardasee sprach Nagelsmann noch einmal über die Rettung der TSG Hoffenheim, warum das Spielglück in Hoffenheim zurückkehrte und wie er eine verunsicherte Mannschaft wieder zu Gewinnern machte.

"Ein entscheidender Faktor war, dass ich in Bremen in meinem ersten Spiel nach zwei Trainingseinheiten eine neue Grundordnung gewählt habe, die die Mannschaft noch nie gespielt hatte. Es hat ein bisschen Mut gebraucht, dies der Mannschaft zu verklickern. Die Spieler haben aber gemerkt, der Trainer ist ein bisschen verrückt und haben in dem Spiel, das 1:1 ausgegangen ist, verstanden, es ist egal, welche Grundordnung man spielt - viel wichtiger ist die Art und Weise, die Einstellung, mit der man eine Aufgabe angeht."

"Ich habe das Team nicht nur so aufgestellt, weil die Formation auf Bremen gepasst hat, sondern auch, um die Sinne der Spieler zu schärfen. Und dadurch gab es offenbar ein Klick im Kopf der Spieler, sie haben gemerkt: Wir können das noch schaffen. Und wenn man dann das nächste Spiel gewinnt, dann kommt das Selbstvertrauen zurück und auch das Vertrauen in den neuen Trainer wächst. Und so entsteht dann ein kleiner Flow."

Nagelsmann über Spielglück:

Nagelsmann über Vorbilder:

"Ein klassisches Vorbild habe ich nicht, ich schaue mir von vielen Trainern Dinge ab. Thomas Tuchel hat mich sehr geprägt, weil er mein Trainer war beim FC Augsburg.  Bei ihm haben mich die extremen Trainingsreize fasziniert, jedes Training war sehr anspruchsvoll. Das war in der Zusammenarbeit sehr anstrengend für die Spieler, weil Thomas positiv nervig war, er wollte immer alles aus dir herausholen. Diese  Zeit war sehr wertvoll für mich. An Pep Guardiola finde ich gut, wie er seine Mannschaften spielen lässt. Ich finde auch die Art und Weise seines Coachings an der Linie gut, er lebt diesen Sport."

"Er versucht, die Stärken und Schwächen der Gegner zu sezieren, obwohl er eine der besten Mannschaften der Welt trainiert. Diese Herangehensweise gefällt mir. Auch Carlo Ancelotti finde ich total interessant, der einen ganz anderen Ansatz verfolgt. Er kommt mehr über das Familiäre, lässt den Spielern mehr Freiheiten im Gegensatz zu Guardiola, der die Spieler schon in Muster hineinpresst. Ancelotti ist eher so der Beziehungstyp. Auch Ottmar Hitzfeld war außergewöhnlich in der Menschenführung. Aktuell gibt es Trainer, die mit total pragmatischem Fußball mehr aus ihren Mannschaften herausgeholt haben, als man gedacht hat. Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt zum Beispiel, oder Dirk Schuster in Darmstadt. Man kann sich bei vielen Trainern gute Dinge abschauen."

Nagelsmann über Energie:

"Wenn nicht irgendwo etwas total Interessantes steht, oder mir etwas ganz Wichtiges vorgelegt wird, dann lese ich das nicht. Mich interessieren eher die Zitate der Spieler, die sie den Journalisten direkt nach dem Spiel geben. Denn dort sagen sie öfter andere Dinge als intern. Und was aus den Emotionen heraus nach dem Abpfiff gesagt wird, enthält ja oft auch viel Wahrheit. Und das kann ich wiederum in meine Arbeit einfließen lassen."

Nagelsmann über das Hoffenheimer Image:

"Ich glaube, viele Vereine würden gerne tauschen mit uns. Wir gehen nun in die neunte Bundesligasaison. Natürlich sind wir noch ein junger Verein im Profibereich und wollen unser Profil schärfen. Die Reputation in der Öffentlichkeit wächst durch sportliche Erfolge, und vielleicht werden wir ja bald nicht mehr als graue Maus wahrgenommen werden. Wobei mir als Trainer relativ egal ist, ob irgendwo über uns steht, graue Maus oder bunter Vogel. Wir können jedenfalls stolz sein, dass wir die Klasse gehalten haben. Ziel ist natürlich jetzt, eine Saison wie die abgelaufene in Zukunft zu vermeiden."

Nagelsmann über junge Feuerwehrmänner: