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Jude Bellingham von Borussia Dortmund: Drei Spielertypen in einer Person

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Bisweilen ist es schon ein wenig beängstigend, wie gut Jude Bellingham mit seinen erst 19 Jahren schon ist. Doch was macht den Engländer zum derzeit mit Abstand wichtigsten Spieler von Borussia Dortmund? bundesliga.de macht die Taktik-Analyse.

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Wie wichtig Jude Bellingham für das Spiel von Borussia Dortmund ist, zeigt sich vor allem dann, wenn er mal nicht auf dem Platz steht. So wie beim vergangenen Champions-League-Spiel gegen den FC Kopenhagen. Der Einzug in das Achtelfinale stand bereits fest und so konnte BVB-Trainer Edin Terzic seinem Vielspieler auch mal eine Pause gönnen. In allen Bundesliga- und Champions-League-Partien hatte er zuvor keine Sekunde verpasst. Doch ohne seinen Mittelfeldmotor wirkte Dortmund uninspiriert und ideenlos, Bellingham wurde an allen Ecken und Enden vermisst. Denn: der Engländer ist in seiner Art, einen modernen zentralen Mittelfeldspieler zu interpretieren, schlicht Weltklasse. Bellingham vereint dabei gleich drei Spielertypen in einer Person.

Bellingham als Sechser: Der Ausputzer

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Rein auf dem Papier her agiert Bellingham im defensiven Mittelfeld als Teil einer Doppelsechs - meist neben Salih Özcan. Defensivarbeit gehört bei dieser Position selbstverständlich zu den Kernaufgaben. Und Bellingham meistert diese mit Bravour: Ligaweit hat er die meisten Zweikämpfe geführt (347) und auch gewonnen (202). Zum Vergleich: Auf Platz zwei dieser Liste bringt es Gladbachs Manu Kone gerade einmal auf 156 gewonnene Duelle.

Neben Tacklings gehören aber auch abgefangene Bälle zum Repertoire des Dortmunders. Als einer von zehn Bundesliga-Spielern besitzt der 19-Jährige derzeit den Skill "Balleroberer". Dabei ist Bellingham als Aggressive Leader nicht nur ein Anpeitscher für seine Mannschaftskameraden und die eigenen Fans, sondern auch ein äußerst unangenehmer Gegenspieler, der sich aber dennoch relativ fair verhält: Im Schnitt leistet sich Bellingham in dieser Saison nämlich nur ein Foul pro Spiel.

Bellingham auf der Acht: Der Box-to-Box-Spieler

Jude Bellingham in Zahlen

Doch Bellingham ist alles andere als ein reiner Sechser. Dafür sucht er viel zu oft den Weg nach vorne. Das Terrain zwischen eigenem Sechzehner und der Box des Gegners ist sein Hoheitsgebiet. Hier erobert er die Bälle und leitet dann blitzschnell den Gegenangriff ein, treibt die Bälle selbst nach vorne und verteilt sie mit geschickten Pässen. Das geht nicht ohne eine entsprechende Laufleistung: In der Statistik der gelaufenen Kilometern und intensiven Läufen findet man Bellingham unter den Top-5 der Bundesliga, unter den Spielern mit den meisten Sprints immerhin noch unter den besten Zehn.

Kein Wunder, ist Bellingham meist nur mit unlauteren Mitteln zu stoppen: Kein Spieler wurde 2022/23 ligaweit so oft gefoult wie er (37 Mal). Über seinen Drang in die gegnerische Hälfte sagt sein Nebenmann Salih Özcan: "Der hat so viel Spaß am Fußball, dass du ihn schon mal auf seine Position zurückrufen musst. Aber es macht wahnsinnigen Spaß, mit ihm zu spielen und ihm den Rücken freizuhalten."

Bellingham als Zehner: Der Vollstrecker

In der Offensive angekommen, ist er dann aber auch Spielmacher und Vollstrecker. Bezeichnend: Bellingham hat in 19 Pflichtspielen in dieser Saison schon neun Tore erzielt – und damit mehr als doppelt so viel wie jeder anderer Dortmunder. Als Mittelfeldspieler ist er mit 28 Torschüssen in der Bundesliga außerdem dem abschlussfreudigster Spieler seiner Mannschaft. Doch eine große Qualität ist es auch, erst einmal in diese Abschlusspositionen zu kommen, schließlich machen es ihm seine Gegenspieler alles andere als leicht: 253 Mal stand Bellingham in dieser Saison unter signifikantem Gegnerdruck – mehr als jeder andere Spieler ligaweit. Dass er sich dabei aus 62 Prozent der offensiven Drucksituationen befreien konnte (Bestwert beim BVB) spricht für seine enormen Qualitäten als Zehner.

Aber egal ob als Sechser, Achter oder Zehner: Auf allen drei Positionen ist Bellingham aktuell Weltklasse. Das macht ihn derzeit zu Europas vielseitigstem Mittelfeldspieler.

Karol Herrmann