Köln - Nach 19 Monaten verletzungsbedingter Pause gab Holger Badstuber am Freitag Abend sein Comeback. Im Testspiel des FC Bayern München gegen den mit Spielern des FC Memmingen verstärkten Fanclub "Red Baroons Dietenried" spielte der Verteidiger 57 Minuten auf der zentralen Position der Dreierkette.

Sein letztes Spiel zuvor hatte Badstuber am 1. Dezember 2012 gegen Borussia Dortmund bestritten. Beim Versuch, seinen heutigen Teamkollegen Mario Götze aufzuhalten, verdrehte sich Badstuber das Knie. Die Diagnose war schnell klar, Badstubers Kreuzband hatte bei der unglücklichen Bewegung Schaden genommen. Aus den üblichen sechs bis neun Monaten Pause, die Profi-Fußballer bei einem Kreuzbandriss bis zum Comeback benötigen, wurden bei Holger Badstuber knapp 600 Tage. Nach einer weiteren OP im März 2013, bei der Narbengewebe entfernt wurde, folgte im Mai 2013 ein neuer Schock.

Schockdiagnose Re-Ruptur

Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass sein neu eingesetzter Kreuzbandersatz wieder gerissen war. Diese sogenannte Re-Ruptur warf Badstuber weit zurück. Dennoch verlor er nie seinen Optimismus: "Nach dem zweiten Riss habe ich mir gesagt: Okay, jetzt ist einfach alles nur aufgeschoben worden! Ich war immer felsenfest davon überzeugt, dass ich zu alter Stärke zurückkehren werde", sagte er im Dezember im Interview mit fcbayern.de.

Da zunächst die Bohrkanäle der ersten OP zuwachsen mussten, verzögerte sich das Einsetzen der neuen sogenannten Kreuzbandplastik bis zum September 2013. In Vail in den USA ließ sich Badstuber ein Stück der Patella-Sehne des linken Knies einsetzen. Die Schufterei begann erneut, dieses Mal mit Erfolg. Im Februar 2014 kehrte Badstuber für Laufeinheiten auf den Trainingsplatz zurück, im Mai stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein.

"Ich bin ein anderer Spieler"

Sein Comeback auf dem Platz durfte er nun in seinem Geburtsort Memmingen feiern. "Natürlich war das schön", sagte Badstuber nach dem Spiel. Mehr als 10.000 Fans waren gekommen um den FC Bayern und Badstuber zu sehen. Den neuen Badstuber.

"Ich bin nicht mehr der Alte", sagte der 25-Jährige anschließend. Die Pause habe ihn verändert, viel sei in seinem Kopf vorgegangen. Das wird seiner Meinung nach auch im Spiel zu sehen sein. "Ich bin ein anderer Spieler und werde anders zurückkommen." Im Moment überwiegt aber die Freude darüber, dass er schmerzfrei ist und wieder voll dabei sein kann. "Jeder Ball, den ich spiele, spiele ich mit Freude", so Badstuber.

Das Gefühl für Mitspieler, Raum und Situationen wird er sich erarbeiten müssen. Die vielbeschworene Spielpraxis ist für ihn elementar um seine volle Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Und er wird noch Zeit brauchen, die ihm Pep Guardiola sicher zugestehen wird. Der Bayern-Trainer freute sich sehr über die gelungene Partie von Badstuber.

Vielseitiger "Neuzugang" für Guardiola

Für den Coach, der Badstuber noch nie zuvor in einem Spiel eingesetzt hatte, ist der Rückkehrer quasi ein Neuzugang. Dazu einer, dessen Vielseitigkeit für Guardiola viele Vorteile bietet. Badstuber kann neben der zentralen Position in einer Dreierkette auch als Innenverteidiger, linker Außenverteidiger oder Sechser spielen.

Für ihn kommen solche Gedankenspiele um sein Einsatzgebiet aber noch zu früh. "Wichtig ist, dass ich gesund bin, dass ich im Spiel keine Hemmungen habe und dass ich mich sicher fühle. Das war das A und O", sagte er nach dem Spiel zu fcbayern.de. Ohne Druck will er problemfrei immer weiter zu alter Stärke finden. "Und dann schauen wir, wo die Reise hingeht."

Zunächst zurück auf den Trainingsplatz, um weiter an seiner Form zu arbeiten. "Jedes Spiel, jede Trainingseinheit bringt mir Sicherheit. So machen wir das weiter. Ich muss noch viel arbeiten, um dorthin zu kommen, wo ich war."

Sebastian Stenzel