Köln/Augsburg - bundesliga.de spricht im Exklusiv-Interview mit Abdul Rahman Baba über das anstehende Duell gegen den FC Bayern München, seine ersten Monate beim FC Augsburg und den Afrika-Cup.

bundesliga.de: Abdul Rahman Baba, der FC Augsburg hat erstmals vier Bundesliga-Spiele in Folge gewonnen, ist so erfolgreich wie noch nie - die Stimmung in der Mannschaft muss phantastisch sein.

Abdul Rahman Baba: Ja, das stimmt. Die Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld ist super, das merkt man in jedem Training, in jedem Spiel. Aber wir müssen weiter hart arbeiten, alle im Team müssen jeden Tag ihr Bestes geben.

bundesliga.de: Könnt ihr die starke Form über die Saison halten? Was ist für den FCA drin in dieser Spielzeit?

Baba: Wir wollen natürlich so viele Spiele wie möglich gewinnen, wissen aber auch, dass es schnell in die andere Richtung gehen kann. Wir haben mit Bayern, Hannover und Mönchengladbach jetzt drei sehr schwere Spiele vor der Winterpause. Da müssen wir nochmal alles aus uns herausholen.

"Brauchen gegen Bayern einen perfekten Tag"

bundesliga.de: Woran machen Sie die guten Resultate fest, worin liegt Augsburgs Erfolgsgeheimnis?

Baba: Weil wir auf und neben dem Platz eine Einheit sind. Jeder versucht seinem Teamkollegen zu helfen, jeder gibt alles für das Team. Das hat man auch am letzten Samstag in Köln gesehen, als die ganze Bank bei unserem Siegtor aufgesprungen ist.

bundesliga.de: Kann Augsburg am Samstag auch gegen Bayern München gewinnen? Wie ist Bayern zu schlagen, worauf wird es ankommen?

Baba: Wir brauchen natürlich einen perfekten Tag. Bayern zählt zu den besten Mannschaften der Welt. Aber wir spielen zuhause vor unseren Fans, haben in unserer Arena fünf von sechs Spielen gewonnen. Wir werden auf jeden Fall unsere Chance suchen.

bundesliga.de: Sie werden gegen Arjen Robben spielen, einen der weltweit stärksten Spieler auf Rechtsaußen. Bereiten Sie sich auf ihn in besonderer Weise vor?

Baba: Er ist natürlich ein super Spieler, seit zwei, drei Jahren in einer unglaublichen Form. Es ist schwierig ihn ganz auszuschalten, aber ich kenne seine Spielweise und werde gut vorbereitet sein.

"Ich denke offensiv"

bundesliga.de: Wer ist Ihr bisher stärkster Gegenspieler gewesen? Inwiefern war es schwierig, gegen ihn zu spielen?

Baba: In der Bundesliga triffst du jede Woche auf starke Gegenspieler. Wir haben schon gegen Borussia Dortmund gespielt mit Reus, Aubameyang und Mkhitaryan, oder gegen Leverkusen mit Son und Bellarabi. Das sind alles sehr, sehr gute Spieler.

bundesliga.de: Sie selbst haben entscheidenden Anteil am Augsburger Erfolg, haben mehr Flanken aus dem Spiel geschlagen als jeder andere, drei davon haben zu Toren geführt. Wie würden Sie Ihr Spiel charakterisieren?

Baba: Ich denke offensiv, möchte mich möglichst oft nach vorne einschalten. Wenn dann eine Flanke zum Tor führt, ist es natürlich umso besser. Aber man muss solche Situationen jede Woche trainieren, immer und immer wieder Flanken schlagen.

"Unsere Spielweise kommt mir entgegen"

bundesliga.de: Interessanterweise haben Sie vor dieser Saison in 42 Spielen in Deutschland nur einen Treffer vorbereitet. Merken Sie, dass Sie einen großen Schritt in Ihrer Entwicklung gemacht haben? Haben Sie etwas verändert, im Training, in der Spielvorbereitung?

Baba: Unsere Spielweise kommt mir natürlich entgegen, wir versuchen viel über die Flügel zu spielen. Ich habe hier in Augsburg schon viel dazu gelernt und will Schritt für Schritt besser werden. Dass es in dieser Saison bis jetzt so gut klappt, freut mich natürlich.

bundesliga.de: Dabei hatten Sie einen denkbar ungünstigen Start in Deutschland, gleich im ersten Spiel für Greuther Fürth sind Sie vom Platz gestellt worden. Haben Sie Ihr Spiel hier umstellen müssen?

Baba: Nein, als Spieler bin ich schon der Gleiche geblieben. Jeder Trainer hat aber eine andere Spielphilosophie, verlangt etwas anderes von dir. Darauf musst du dich einstellen. Aber ich habe auch in Fürth sehr gute Spiele gemacht.

bundesliga.de: Profitieren Sie von Markus Weinzierl? Was haben Sie unter ihm gelernt?

Baba: Ja, ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen. Er redet viel mit uns, will, dass wir uns immer weiter verbessern. Das hilft uns als Mannschaft sehr.

"Fühle mich sehr wohl in Augsburg"

bundesliga.de: Welche Spieler haben Sie geprägt? Hans Sarpei hat ja auch als Linksverteidiger für Ghana gespielt, ist aber sicherlich ein anderer Spielertyp...

Baba: Hans Sarpei ist sehr bekannt in Ghana, weil in seiner Zeit nicht so viele Spieler von uns im Ausland gespielt haben. Meine Spielweise ist aber ein wenig anders, jeder muss da seinen eigenen Weg gehen.

bundesliga.de: Wären Sie vielleicht noch stärker würden Sie weiter vorne spielen? Welche ist Ihre Lieblingsposition?

Baba: Auf der linken Seite fühle ich mich am wohlsten. Da ist es egal, ob offensiv oder defensiv. Im Spiel muss man sowieso gut angreifen, aber auch gut verteidigen können. Das ist das Wichtigste.

bundesliga.de: Auf dem Feld sind Sie auf der Überholspur, Ihre Karriere scheinen Sie Schritt für Schritt anzugehen, mit der SpVgg Greuther Fürth sind Sie sogar in die 2. Bundesliga abgestiegen. Haben Sie einen Karriereplan? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Baba: Jetzt bin ich hier in Augsburg und fühle mich sehr wohl. Ich denke noch nicht daran, was ich in fünf oder zehn Jahre mache. Ich will weiter erfolgreich Fußball spielen und vor allem gesund bleiben.

"Sportlich läuft es gut"

bundesliga.de: Haben Sie vor Ihren Wechseln Rat bei anderen (auch ehemaligen) ghanaischen Bundesliga-Spielern eingeholt, beispielsweise Kevin-Prince Boateng?

Baba: Klar redet man mit seinen Landsleuten ab und zu über die Bundesliga und andere Vereine. Aber Rat habe ich bei meinen Wechsel eigentlich keinen geholt. Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen.

bundesliga.de: Was hat den Ausschlag für Ihren Wechsel zu Augsburg im Sommer gegeben? Sie sollen Angebote mehrerer namhafter Clubs gehabt haben, auch schon vor Ihrem Wechsel nach Fürth.

Baba: Augsburg hat sich sehr um mich bemüht und wollte mich unbedingt haben. Das hat mir gefallen. Wir haben ein gutes Team, einen guten Trainer und eine tolle Stimmung im Stadion. Außerdem hat man in den letzten Jahren gesehen, dass sich hier junge Spieler gut weiterentwickeln können. Es war die absolut richtige Entscheidung.

bundesliga.de: Wie fassen Sie Ihre ersten Monate in Augsburg zusammen?

Baba: Ich bin super aufgenommen worden, die Mitspieler sind alle sehr nett zu mir. Sportlich läuft es gut, und auch sonst ist Augsburg eine wirklich schöne Stadt.

bundesliga.de: Können Sie sich vorstellen, lange in Augsburg zu bleiben? Auch die Mannschaft scheint sich stetig zu verbessern.

Baba: Klar kann ich mir das vorstellen, aber ich habe sowieso noch einen Vertrag bis 2019 beim FCA. Somit bleibe ich dem Verein also noch lange erhalten. Dennoch weiß man nie, was im Fußball alles passieren kann.

"Meine Landsleute bewundern deutsche Spieler"

bundesliga.de: Wie ist das Feedback aus Ghana auf Ihre Erfolge, ist Augsburg dort ein bekannter Verein?

Baba: Unsere Erfolge in den letzten Wochen sind auch in Ghana wahrgenommen worden. Generell lieben die Leute in Ghana den Fußball und informieren sich auch über die Spiele und Vereine in Europa. Ganz unbekannt ist Augsburg jetzt sicher nicht mehr.

bundesliga.de: Wenn Sie nach Hause kommen, wie werden Sie empfangen - sind Sie dort mittlerweile ein großer Star?

Baba: Nein, als großen Star würde ich mich nicht bezeichnen. Ich bin ja gerade erst 20 Jahre alt, und es gibt einige Fußballer in Ghana, die national und international große Erfolge gefeiert haben.

bundesliga.de: Wie wird die Bundesliga in Ghana betrachtet?

Baba: Überwiegend positiv. Es ist schließlich die Liga des Weltmeisters. Meine Landsleute haben Respekt vor den deutschen Spielern und bewundern sie.

bundesliga.de: Was aus Ihrer Heimat fehlt Ihnen hier besonders? Sind Sie in Deutschland schon heimisch? Decken sich Ihre Erfahrungen mit den Vorstellungen, die Sie hatten, als Sie mit 18 Jahren nach Deutschland gewechselt sind?

Baba: Ab und zu sehnt man sich schon nach der Heimat. Aber ich fühle mich auch in Deutschland sehr wohl. Ich versuche mich möglichst schnell zu integrieren, lerne auch fleißig Deutsch.

"Afrika-Cup ist ein großes Turnier"

bundesliga.de: In der Winterpause treten Sie mit Ghana beim Afrika-Cup an. Mit welchem Ziel, persönlich und für die Mannschaft?

Baba: Der Afrika-Cup ist natürlich ein großes Turnier. Wir haben in der Qualifikation gute Spiele gezeigt und wollen deshalb auch so weit wie möglich kommen. Ich hoffe, ich kann der Mannschaft dabei helfen.

bundesliga.de: Nationaltrainer Avram Grant soll angedeutet haben, dass Kevin-Prince Boateng die Möglichkeit auf ein Comeback hat. Hoffen Sie auf seine Nominierung?

Baba: So ein Spieler wie Boateng, mit seiner Klasse und seiner Ausstrahlung, tut normalerweise jeder Mannschaft gut. Aber unser Trainer wird sich schon seine Gedanken machen und dann die richtige Entscheidung treffen.

Die Fragen stellte Felix Seaman-Höschele