2. Bundesliga, bundesliga

Herzlich willkommen in der Bundesliga, Holstein Kiel!

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Holstein Kiel ist der 58. Club in der Geschichte der Bundesliga! Nach zwei erfolglosen Versuchen, über die Relegation ins deutsche Oberhaus aufzusteigen, erkämpfen sich die Störche unter Trainer Marcel Rapp den direkten Aufstieg in die Bundesliga.

Eigentlich sollte es eine Saison des Umbruchs sein für Holstein Kiel. Eine Menge wichtiger Spieler wie Kapitän Hauke Wahl, Leistungsträger Fabian Reese und Routinier Alexander Mühling verließen den Verein. Der erfahrene Fin Bartels beendete seine Karriere. 16 Spieler verließen die Störche im vergangenen Sommer. Doch Trainer Marcel Rapp und sein Team beim Nordclub konnten die Abgänge durch clevere Transfers auffangen und formten schnell eine Einheit aus den vielen frischen Gesichtern.

Auch gewisse Startschwierigkeiten blieben dabei nicht aus. An den ersten sieben Spieltagen musste Kiel drei Niederlagen hinnehmen und stand auf Rang sieben. Doch im zweiten Saisonviertel fand die wichtige Findungsphase statt, bei der sich die Störche Schritt für Schritt nach oben arbeiteten. Nach einer Siegesserie von fünf Spielen ließ sich Kiel auch von zwei Niederlagen zum Jahresstart nicht aufhalten, kämpfte sich zurück und legte im März und April eine neue Top-Serie von sechs Siegen in Folge hin - neuer Vereinsrekord in der 2. Bundesliga. Nach etwas Lampenfieber am 31. Spieltag gegen den 1. FC Kaiserslautern, die Kiel den ersten Platz kostete, sicherte sich die KSV nun im direkten Duell mit Fortuna Düsseldorf zwei Spieltage später den Aufstieg.

"Es ist für die gesamte Bundesliga stets etwas Besonderes, neue Mitglieder zu begrüßen: Holstein Kiel ist ab der kommenden Saison der 58. Club in der Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse. Zum Aufstieg gratulieren wir dem gesamten Team, der Vereinsführung um den Präsidenten und 2. Stellvertretenden Sprecher des DFL-Präsidiums Steffen Schneekloth, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Fans der 'Störche" sehr herzlich", so die DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel.

Holstein Kiel ist der 58. Bundesligist

Mit den neuen Spielern gab Holstein auch viel mentalen Balast ab. Viele der Spieler waren noch Teil des Kaders, der 2021 die Relegation nach einem starken 1:0-Hinspielsieg zuhause mit 1:5 gegen den 1. FC Köln verspielte. Im DFB-Pokal warf der Nordclub den FC Bayern München aus dem Turnier, scheiterte aber im Halbfinale an Borussia Dortmund. Gleich drei der verlorenen Stützen waren sogar bei der sensationellen Saison 2017/18 schon im Team, als die Störche - damals neuer Aufsteiger aus der 3. Liga - sofort die Relegation erreichten, aber gegen den VfL Wolfsburg beide Duelle verloren. Trotz der extrem erfolgreichen Zeit setzten sich auch die zwei Rückschläge der KSV fest.

Fragen und Antworten – hier geht‘s zum Bundesliga-FAQ

Mit frischem Geist konnte Marcel Rapp in dieser Saison auch einen frischeren Fußball spielen. Das System entwickelte sich noch einmal weiter, die Neuzugänge fanden sich perfekt in die Spielweise ein. Das gab der KSV die benötigte Kraft, um die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben und zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Bundesliga zu erreichen. Holstein Kiel ist der 58. unterschiedliche Bundesligist und der erste aus Schleswig-Holstein.

Dadurch erreicht die KSV ein neues Hoch. Die Zweitklassigkeit war für die "Störche" zwar in der Geschichte der eingleisigen 2. Bundesliga ein neuer Erfolg, jedoch spielte Kiel bereits von 1978 bis 1981 in der damaligen 2. Bundesliga Nord. Der wohl bekannteste Spieler dieser Zeit ist Weltmeister-Torwart Andreas Köpke. Zuvor spielte Holstein zwar auch lange erstklassig, damals jedoch noch in der Oberliga. Weil Kiel nicht zu einem der Gründungsmitglieder der Bundesliga oder 2. Bundesliga gehörte, spielte man plötzlich drittklassig, ohne sportlich abgestiegen zu sein. Nun ist die KSV wieder zurück an der Spitze des deutschen Fußballs.

Das Kollektiv macht Holstein Kiel erfolgreich

In dieser historischen Saison blieb die KSV jedoch auch nicht von Rückschlägen verschont. Ausfälle wie der von Stamm-Mittelstürmer Benedikt Pichler, Kapitän und Defensivanker Philipp Sander und die langen Verletzungen der Abwehrspieler Carl Johansson und Colin Kleine-Bekel, der mit seinem Kreuzbandriss wohl noch weit in die Bundesliga-Saison hinein fehlen wird, wurden über das Kollektiv abgefangen. Eine gewisse Kaderbreite und vor allem die Vielseitigkeit vieler Akteure sorgten dafür, dass Holstein Kiel trotz einiger Ausfälle stets die Spielidee von Marcel Rapp aufs Feld brachte.

Ein wichtiger Faktor des Störche-Erfolgs ist die trotz vielen Personalwechseln stabile Defensive. Der langfristige Wechsel des gelernten Sechsers Patrick Erras in die Abwehrkette machte den 29-Jährigen zum Abwehrchef der stärksten Defensive der 2. Bundesliga. Nicht zufällig stimmt sein Ausfall in der Hinrunde mit der schwächsten Saisonphase der Störche überein (drei Niederlagen, zwei Unentschieden, drei Siege in acht Spielen ohne Erras). Mit seiner Erfahrung bringt der 1,96m-große Verteidiger vor allem eines in die Defensive: Struktur. Zusammen mit seinem cleveren Verhalten im Strafraum und seiner starken Physis und Kopfballstärke machte er es Gegnern extrem schwer, ihn und seine Nebenleute zu überwinden.

Vorne glänzten die aktiven Neuzugänge Shuto Machino und der im Winter gekommene Alexander Bernhardsson genauso wie Pichler und Fiete Arp mit ihrem guten und strukturierten Pressing. Angeführt wurde das Team dabei neben Kapitän Sander von Toptorjäger Steven Skrzybski, der sich je nach Bedarf in der Sturmreihe oder etwas dahinter einsortiert, und Routinier Lewis Holtby, der in einer tiefer in der Schaltzentrale agierenden Rolle einen neuen Karrierefrühling erlebt und die Fäden des Offensivspiels in seinen Fingern hält.

Doch es ist vor allem das Kollektiv der gesamten Mannschaft, das herausragend funktioniert. Junge Talente wie Colin Kleine-Bekel, Tom Rothe oder Nicolai Remberg harmonieren perfekt mit den erfahreneren Spielern. Das gesamte Team formt eine Einheit, die alles füreinander gibt. Ein gutes Beispiel für die Stärke als Team sind die Scorerlisten der 2. Bundesliga: Weder bei den Top-Torjägern noch bei den Top-Vorbereitern ist einer der Störche in den Top-5. Skrzybski (zehn Tore, geteilter Platz 14) und Holtby (sieben Assists, geteilter Platz 6) stehen zwar etwas heraus, doch dahinter zeigt sich Breite statt individuelle Leistung. Mit Pichler (sieben Tore), dem vielseitigen Defensivspieler Timo Becker (sieben), Machino und Arp (jeweils fünf) sowie Holtby und Porath (jeweils vier) gibt es viele Torjäger im mittleren Erfolgsbereich. Auch bei den Vorlagengebern gibt es mit Rothe (fünf Vorlagen) sowie dem Trio aus Skrzybski, Sander und Machino (jeweils vier) gleich eine Bandbreite an Störchen hinter den Top-Individualisten.

Furiose Störche werden eine Herausforderung für die Bundesliga

Die zwei Siegesserien der KSV waren nur ein Zeichen, dass sich Holstein Kiel mehrfach in dieser Saison in einen Rausch spielte und dabei als Kollektiv noch besser funktionierte als ohnehin schon. Mit ihrer Geschlossenheit als Mannschaft und der immer wieder cleveren taktischen Einstellung durch Marcel Rapp und sein Trainerteam holte Kiel immer wieder wichtige Siege.

Auch in der Bundesliga wird diese Vielseitigkeit und schiere Unberechenbarkeit der Störche eine echte Herausforderung sein. Dass sich die KSV in einem starken Umfeld gut zurecht findet, hat sie bereits nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga gezeigt. In der kommenden Saison kann das neue nördlichste Team der Bundesliga-Geschichte (bisher F.C. Hansa Rostock) zeigen, wie gefährlich es den größten deutschen Clubs werden kann. Herzlich willkommen in der Bundesliga, Holstein Kiel!