Köln - Es kommt vielleicht wieder einmal alles anders für Timo Hildebrand. Dass sich Karrieren nicht planen lassen wie am Reißbrett, ist dem 35 Jahre alten Torwart längst bekannt. Nach einer wechselvollen Laufbahn hoffte er im Winter zum Karriereabschluss von Eintracht Frankfurt trotz eines Vertrages bis Saisonende in die USA zu wechseln. Daraus könnte aber vielleicht nichts werden, denn Timo Hildebrand wird womöglich noch länger in Frankfurt gebraucht.

Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass Felix Wiedwald an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt ist - und mindestens vier Wochen ausfallen wird. Der 24 Jahre junge Wiedwald war seit dem fünften Spieltag ein ausgezeichneter Vertreter von Stammtorwart Kevin Trapp, der sich im Derby gegen Mainz 05 einen Syndesmoseriss im linken Sprunggelenk zugezogen hatte und erst diesen Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird. Ein Einsatz am kommenden Freitagabend beim Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim komme aber für Trapp "wahrscheinlich zu früh", erklärte Eintracht-Trainer Thomas Schaaf, der den Ausfall Wiedwalds sehr bedauerte.

Wiedwald stellte selbst Trapp in Frage

Wiedwald kam im Sommer aus Duisburg nach Frankfurt, wurde aber bei Werder Bremen ausgebildet und dort noch vom damaligen Werder-Trainer Schaaf gefördert. Zuletzt spielte Wiedwald so überzeugend, dass selbst der Status von Kapitän Trapp nach dessen Rückkehr in Frage zu stehen schien. Und auch Wiedwald hatte gefallen an seiner Rolle als Nummer eins gefunden. "Ich habe Blut geleckt", sagte er jüngst. Nun liegt er
aber erst einmal untätig im Bett. Und deshalb wird am Freitag wohl Timo Hildebrand zu seinem 299. Bundesligaeinsatz kommen.

Für Hoffenheim bestritt der Wormser zwischen Januar 2009 und Juli 2010 38 Spiele. Nach Trapps Verletzung hatte die Eintracht den vereinslosen Hildebrand als Nummer 2 hinter Wiedwald verpflichtet. Nun steht der Dritte Torwart des WM-Dritten Deutschland 2006 – wenn nicht alles täuscht - plötzlich wieder im Scheinwerferlicht der Bundesliga.

Wendung kurz vor Weihnachten

Nach der Meisterschaft in Stuttgart 2007 geriet sein Wechsel nach
Valencia völlig daneben und auch in Hoffenheim und später bei Sporting Lissabon wurde Hildebrand nicht glücklich. In Schalke zeigte er noch einmal, was in ihm steckt, bevor er sein auslaufender Vertrag am Ende der vergangenen Runde nicht verlängert wurde. Nun steht er kurz vor Weihnachten wieder in der ersten Liga im Tor – mit dieser Wendung hat wohl selbst Timo Hildebrand nicht gerechnet.

Tobias Schächter