Im Jahr 2008 verabschiedet sich Ottmar Hitzfeld als Double-Sieger von der Bundesliga-Bühne - © ndreas Rentz/Bongarts/Getty Images
Im Jahr 2008 verabschiedet sich Ottmar Hitzfeld als Double-Sieger von der Bundesliga-Bühne - © ndreas Rentz/Bongarts/Getty Images
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Herzlichen Glückwunsch, Ottmar Hitzfeld: Der General wird 70

Köln - Der frühere Star-Trainer Ottmar Hitzfeld ist am Samstag in den Club der Siebziger eingetreten. "Fußball ist meine Leidenschaft, mein Hobby, war nicht nur Beruf", sagt Hitzfeld, der in Lörrach bei Freiburg "im engsten Familienkreis" seinen 70. Geburtstag feiert.

Der Fußball beschäftige ihn "nach wie vor", auch wenn er sich zu Hause vor dem Fernseher "die Rosinen" rauspickt, wie er lachend sagt. Hitzfeld vermisst den Kick beim Kicken. Schuld ist die Winterpause. "Es wird viel geschrieben, aber das ist nicht so spannend", meint Hitzfeld. Er brennt darauf, dass der Ball wieder rollt.

Die "Rosinen", das sind Spiele seiner früheren Clubs Borussia Dortmund und Bayern München, mit denen Hitzfeld einst die Champions League gewann. Er verfolge stets die neuesten Meldungen über BVB und FCB, den Traineralltag vermisse er aber keineswegs. "Mir geht es sehr gut, alles passt. Ich bin gesund und kann das Leben ohne Stress genießen", sagt Hitzfeld. "Ich habe überhaupt keine Sehnsucht nach meinem alten Beruf. Es ist zwar immer schwierig, eine solche Entscheidung zu treffen, weil man ja nicht weiß, wie es danach in einem aussieht. Aber inzwischen bin ich mir ganz sicher, dass es richtig war, aufzuhören, loszulassen und einen Schnitt zu machen", sagt Hitzfeld im aktuellen DFL-Magazin.

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Bild aus einer anderen Zeit: 1995 und 1996 gewinnt Hitzfeld mit dem BVB die Deutsche Meisterschaft - imago/Sven Simon

Abschied in die Schweiz nach dem Double 2008

Vor allem der Umgang mit Stars wie Matthias Sammer, Oliver Kahn oder Franck Ribéry sei fordernd gewesen. Täglich habe er gedacht: "Was steht in der Zeitung, was hat sich dieser oder jener Spieler wieder erlaubt." Als er 2004 in München entlassen wurde, war er froh: "Nach sechs Jahren Bayern war ich ausgebrannt." Das Angebot des DFB, Bundestrainer zu werden, lehnte er ab. "Ich brauchte eine Pause." Wehmut? "Überhaupt nicht! Ich wollte diesen Stress nicht mehr und hatte mit dem Trainerdasein abgeschlossen."

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Erst nach fast drei Jahren als TV-Experte zog es ihn im Februar 2007 noch einmal für 16 Monate nach München zurück. "Fußball ist keine Mathematik", dieser legendäre Satz fiel damals, weil Mathelehrer Hitzfeld es nach Meinung von Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge mit der Rotation übertrieben hatte. Nach dem Double 2008 verabschiedete sich Hitzfeld in die Schweiz, "weil man als Nationaltrainer regenerieren kann, keinen Alltagsstress hat".

Hitzfeld wird als Trainer auch "Der General" genannt, weil er seine Teams stets mit viel Empathie, aber auch mit großer Autorität führt - imago/Fassbender

Trainer-Ikone der Bundesliga

Der sogenannte Ruhestand tut ihm spürbar gut. Deshalb brauchen unverdrossene Interessenten, die den Mann zu einem Comeback à la Jupp Heynckes überreden wollen, erst gar nicht freundlich nachzufragen. Den Trainer Ottmar Hitzfeld wird die Fußballwelt nicht mehr erleben. Warum auch, schließlich hat er persönlich fast alles erreicht, was man als deutscher Trainer erreichen kann? Mit dem BVB (1997) und den Bayern (2001) gewann er die Champions League, holte dazu mit seinen zwei Lieblingsclubs summa summarum sieben Deutsche Meisterschaften und drei DFB-Pokalsiege. Hitzfeld ist nach Udo Lattek der zweiterfolgreichste Trainer der Bundesliga-Geschichte.

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Seine fachkundige Einschätzung des deutschen Profifußballs gibt er dennoch weiterhin gerne ab. "Die Bundesliga hat insgesamt eine unglaubliche Qualität", lobt Hitzfeld die große Bühne des deutschen Fußballs, auf der er zur Trainer-Ikone wurde. Als Fachmann, der nicht zu reißerischen Urteilen neigt, bleibt er eine öffentlich wahrgenommene Institution, auch wenn er sich längst aus dem Rampenlicht zurückgezogen hat. Heute lebe er "wie ein Rentner", sagt Hitzfeld: "Zeitungen lesen, Brötchen kaufen, Fußball schauen." Bloß keinen Stress!

SID / Roland Zorn für das DFL-Magazin

Hitzfelds berufliche Stationen im Überblick:

  • 1983-1984 Trainer SC Zug
  • 1984-1988 Trainer FC Aarau
  • 1988-1991 Trainer Grasshopper Club Zürich
  • 1991-1997 Trainer Borussia Dortmund
  • 1997-1998 Sportdirektor Borussia Dortmund
  • 1998-2004 Trainer FC Bayern München
  • 02/2007-2008 Trainer FC Bayern München
  • 2008-2014 Nationaltrainer Schweiz

Hitzfelds größte Erfolge als Trainer:

  • Deutscher Meister: 1995, 1996, 1999, 2000, 2001, 2003, 2008
  • Champions-League-Sieger: 1997, 2001
  • Weltpokalsieger: 2001
  • DFB-Pokalsieger: 2000, 2003, 2008
  • Schweizer Meister: 1990, 1991
  • Schweizer Cupsieger: 1985, 1989, 1990