Gelsenkirchen - Plötzlich ganz oben mit dabei – und Hertha BSC staunt auch ein bisschen über sich selbst. Der perfekte Saisonstart mit weißer Weste lässt in Berlin spätestens nach dem 2:0-Sieg auf Schalke die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Saison wachsen. Doppeltorschütze Ondrej Duda rückt dabei immer stärker in den Mittelpunkt.

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Ausgelassene Party im Berliner Fanblock, großer Jubel auf dem Rasen - und das schon am zweiten Spieltag. Aber es war eben auch nicht nur ein einfacher Dreier, den Hertha BSC mit dem 2:0-Erfolg beim FC Schalke 04 eingefahren hat. Zum einen erlebt es Berlin überhaupt erst zum zweiten Mal in der Historie, dass man mit zwei Siegen in die Saison gestartet ist. Zum anderen war es ein Ergebnis, auf das man so lange warten musste. 14 Jahre nach dem damaligen 3:1-Erfolg gelang der Hertha wieder ein Sieg in Gelsenkirchen.

"100 Jahre" gehen für Hertha zu Ende

Zur siegreichen Mannschaft von damals zählte – neben den Torschützen Marcelinho, Kovac und Raffael - auch ein gewisser Pal Dardai. Und selbst der kann sich kaum noch an die guten, alten Zeiten erinnern: "Gefühlt haben wir auf Schalke 100 Jahre nicht mehr gewonnen, das war immer sehr bitter. Dieses Mal war es toll, auch für unsere Fans. Glückwunsch an die Mannschaft, das war eine Riesenleistung", stellte Berlins Trainer nach dem Abpfiff nicht ohne Stolz fest.

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Dass es derart gut läuft für den Hauptstadtclub, das hatte wohl auch Dardai allenfalls erhofft. Zumal die Ausgangslage auf Schalke aus personeller Sicht alles andere als optimal war. Marvin Plattenhardt fiel angeschlagen aus, Karim Rekik musste schon nach fünf Minuten verletzt runter. Doch mit einer Mischung aus Disziplin und Willen, perfekten taktischen Vorgaben und mannschaftlicher Geschlossenheit konnte Hertha BSC nicht nur im Ruhrpott punkten. Der Auftritt nährt insgesamt die Hoffnung, dieses Mal beständig weiter oben mitspielen zu können.

Duda: "Wir sind aufgetreten wie ein Mann"

Auch die Spieler selbst sahen einen Schlüssel für den Erfolg im großen Teamgeist. "Wir haben alle elf Mann gebraucht, um auf Schalke zu gewinnen. Es war ein Mannschaftssieg", stellte Rune Jarstein heraus, der selbst in der Schlussphase mit glänzenden Paraden den Sieg festgehalten hatte. Und auch der zweifache Torschütze Ondrej Duda feierte einen Erfolg des Kollektivs: "Wir sind aufgetreten wie ein Mann, das war entscheidend."

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Der Slowake selbst ragte aus der homogenen Elf allerdings nicht nur aufgrund seines ersten Bundesliga-Doppelpacks noch einmal heraus und könnte für die Zukunft zu einem ganz wichtigen Faktor werden. Vor zwei Jahren war Duda als Versprechen für die Zukunft in die Hauptstadt gewechselt, konnte den großen Erwartungen aber bisher nicht gerecht werden. "Anfangs hat er sich einsam gefühlt, dann war er verletzt. Jetzt konnte er die gesamte Vorbereitung mitmachen, das zahlt sich aus", stellte Pal Dardai zufrieden fest.

Ondrej Duda ragte mit zwei Treffern aus einer starken Berliner Mannschaft noch heraus
Ondrej Duda ragte mit zwei Treffern aus einer starken Berliner Mannschaft noch heraus © gettyimages / Christoph Koepsel

Ein Tor stand aus 21 Spielen bislang für Duda zu Buche, jetzt knipste er doppelt, war an vier der fünf Berliner Torschüsse beteiligt. Dabei verkörperte "Number 10", wie ihn seine Mitspieler ehrfürchtig rufen, auf Schalke auch die Berliner Disziplin beispielhaft. Der Offensivkünstler arbeitete viel, lief mit 12,3 Kilometern mehr als jeder Schalker und scheute keinen Zweikampf. In Dardais Siegtaktik kam ihm die Aufgabe zu, die Kreise von Schalkes Neuzugang Sebastian Rudy quasi in Manndeckung entscheidend einzuengen – was Ondrej Duda nahezu perfekt erledigte, indem er zugleich seine eigenen Freiräume nutzte.

Hertha stellt die beste Abwehr der Bundesliga

Glückwünsche wehrte der 23-Jährige bescheiden ab: "Ich konzentriere mich nur darauf, meinen Job zu machen, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Und ich versuche für die Mannschaft zu arbeiten und ihr zu helfen." Dafür waren seine Mitspieler voll des Lobes. "Unsere Taktik war ein bisschen auf ihn zugeschnitten, das hat perfekt gepasst und er hat es überragend gelöst", freute sich Valentino Lazaro. "Jetzt ist jeder extrem glücklich für ihn nach seinem schwierigen letzten Jahr."

Die derzeit vorherrschende Berliner Gefühlslage resultiert aber nicht nur aus der Freude über Dudas starken Auftritt. "Sechs Punkte, keine Gegentore - ich bin sehr glücklich", brachte Pal Dardai seine Emotionen auf den Punkt. Als einziger aller 18 Bundesliga-Clubs ist Hertha BSC noch ohne Gegentreffer und darf jetzt "mit einem freien Kopf in die Länderspielpause gehen, das ist auch mal schön", wie Lazaro lächelnd anmerkte. Ausruhen werde man sich auf dem dritten Tabellenplatz aber nicht, kündigte der Österreicher an: "Es ist ein Traumstart für uns. Aber wo die Mannschaft wirklich steht, das wird man erst nach einigen Spieltagen sehen können." Oder um es mit den Worten des Trainers zu sagen: "In der Bundesliga ist alles eng, da darfst du nie zufrieden sein."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte