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Fábio Vieira traumhaft gegen Köln
Fábio Vieira traumhaft gegen Köln - © IMAGO/Oliver Ruhnke
Fábio Vieira traumhaft gegen Köln - © IMAGO/Oliver Ruhnke
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Fábio Vieira beim HSV: der zweite Durchbruch

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Einst als eines der vielversprechendsten Talente weltweit für eine bemerkenswerte Ablösesumme vom FC Porto zum FC Arsenal gewechselt, stagnierte die Karriere von Fábio Vieira einige Jahre. Nach seinem Leihwechel zum Hamburger SV aber spielt der Offensivmann wieder groß auf. Das macht ihn derzeit so stark!

Ein angedeuteter Lauf Richtung Flügel, dann stattdessen ein temporeicher Weg in den Strafraum und ohne Blick zum Tor ein sehenswerter Heber aus etwa 15 Metern ins Netz: Vieiras traumhafter Führungstreffer beim 1:1 am letzten Spieltag gegen den 1. FC Köln verdeutlicht bereits einiges, was den 25-Jährigen bei Hamburg ausmacht – vor allem jedoch, dass ihm momentan einfach fast alles gelingt.

Vieiras Stärke hat System

Dieses besondere Gefühl für den Raum, gutes Tempo sowie technische Versiertheit gehören genauso zu Vieiras Repertoire wie ein außergewöhnliches Passspiel – und bei allem, was der Portugiese macht, gerade eines: eine bemerkenswerte Spielintelligenz, wie sie vor allem klassische Spielmacher auszeichnet; die heutzutage in vielen Systemen aber gar nicht mehr gebraucht werden.

Dass Vieira beim HSV allerdings erneut seine Bestform erreicht, hängt durchaus mit der spielerischen Ausrichtung unter Trainer Merlin Polzin zusammen. Dieser setzt in seiner Formation zwar nicht auf einen einzelnen Spieler im offensiven Mittelfeldzentrum, hinter dem Sturm vor einem oder zwei defensiv ausgerichteten Akteuren aber auf zwei zentrale Spieler mit Aufgaben nach vorne. Auf der dortigen halbrechten Position ermöglicht dies Vieira immer wieder, mit seinem starken linken Fuß entweder Zuspiele in die Schnittstelle gen linke Außenbahn zu geben – oder aus vielversprechenden Lagen selbst den Abschluss zu suchen.

Topscorer als Teil eines kongenialen Trios

Mit jetzt fünf Saisontreffern und vier Torvorlagen in der Liga ist Vieira bei den "Rothosen" sowohl einer der besten Torschützen als auch Assistgeber – und mit Abstand der Topscorer. Und obwohl der schmächtige 1,70-Mann in dieser Spielzeit verletzungs- und sperrenbedingt auch schon mehrmals aussetzen musste, war bei den Hamburgern keiner an so vielen Schüssen beteiligt wie er.

Vieira gewinnt durchschnittlich zudem für seine Position nennenswerte 51 Prozent seiner Zweikämpfe, entscheidet dabei fast jedes zweite Dribbling für sich. Seine Stärken ergänzen sich bestens mit denen von Albert Sambi Lokonga, ebenfalls von Arsenal zum HSV gekommen, und Nicolai Remberg. Im 3-3-2-2 wie zuletzt gegen Köln oder im häufiger gespielten 3-4-3 nimmt jeder Bestandteil dieses Trios eine klare Rolle ein: Remberg die Physis vor der Abwehr, Sambi Lokonga die Übersicht etwas weiter vorne – und nochmal ein Stück offensiver Vieira die Kreativität.

Nicolai Remberg und Albert Sambi Lokonga - Selim Sudheimer

"Der echte Fábio Vieira lehrt langsam zurück"

Abzusehen war Vieiras Leistungsexplosion in der Hansestadt dabei nicht unbedingt, hatte der Nordportugiese bei seiner Rückkehr zu Jugendverein Porto – wo ihm 2021/22 sein erster Durchbruch gelang – in der letzten Saison auf Leihbasis zwar ein ordentliches, jedoch auch wechselhaftes Spieljahr hinter sich. Bei den Gunners konnte er sich zuvor nicht durchsetzen; möglicherweise auch, weil der heutige Arsenal-Kapitän Martin Ødegaard als ähnlicher Spielertyp daherkommt.

Mit den Nordlondonern dürften die Hamburger bereits bald ins Gespräch über eine Weiterbeschäftigung Vieiras gehen. "Es war ein toller Schritt, hierher zu kommen", erklärte der HSV-Leistungsträger, der mit seinem Transfer zu einem Bundesliga-Aufsteiger durchaus ein Risiko eingeganen ist, kürzlich. "Der echte Fábio Vieira kehrt langsam zurück." Und er soll bleiben.

Felix Kindler