Schruns - Kaum hat der Regen mal aufgehört, da gibt’s trotzdem eine Dusche. Mitten im Gespräch mit den Journalisten bekommt Sebastian Mielitz den vollen Eimer Wasser von Teamkollege Immanuel Höhn über den Kopf geschüttet.

"Das Wasser war schon warm", beschwert sich der klitschnasse Neuzugang des SC Freiburg hinterher, nimmt die unfreiwillige Dusche aber gelassen hin. Ein Beleg für die gute Stimmung im Trainingslager der Breisgauer - doch auch die akribische Arbeit kommt nicht zu kurz.

Schuster bedauert Abgänge

Schon zum achten Mal in Folge hat der Sport-Club in der Saisonvorbereitung seine Zelte im malerischen Montafon in Österreich aufgeschlagen, am Sonntag, 27. Juli geht es wieder zurück nach Freiburg. Dass es nach so langer Zeit immer noch etwas Neues zu entdecken gibt, weiß Julian Schuster, der selbst zum siebten Mal dabei ist. "Das Spannende ist immer wieder die neue Truppe", sagt der Kapitän im Gespräch mit bundesliga.de.

Allerdings hat sich innerhalb der Mannschaft auf dem Papier nicht so viel verändert. Im Vergleich zum Vorjahr, als im Sommer gleich fünf Stammspieler den Verein verließen, ist es in diesem Jahr überschaubarer, wenngleich nicht weniger schmerzhaft. Denn mit Oliver Baumann und Matthias Ginter haben zwei tragende Säulen den SC verlassen, noch dazu zwei Identifikationsfiguren aus der Freiburger Fußballschule. "Das waren zwei Jungs, die wir nicht freiwillig hergegeben haben", sagt Schuster. "Vor allem weil sie sportlich und persönlich sehr gut zu uns gepasst haben."

Viele spannende Fragen

Auch für Trainer Christian Streich wiegt der Verlust dieser Schlüsselspieler schwer, insbesondere auf der Position im defensiven Zentrum. "Denn so wie wir kicken wollen, ist die Innenverteidigung eine enorm wichtige Position, auch im Hinblick auf die Kreativität im Spielaufbau", betont Streich. In Stefan Mitrovic (Benfica Lissabon) und Marc-Oliver Kempf (Eintracht Frankfurt) holte der Sport-Club zwei neue Manndecker. Kempf nimmt jedoch aktuell noch mit der U-19-Nationalmannschaft an der EM in Ungarn teil. Mit Tim Schraml aus der zweiten Mannschaft darf sich im Trainingslager daher ein weiterer Kandidat für höhere Aufgaben empfehlen.

Eine ebenso spannende Frage ist die Nachfolge Baumanns im SC-Tor. Mit Beginn des Aufenthalts in Schruns stieß Roman Bürki zum Team. Wie alle anderen Neuzugänge hat sich auch der Schweizer Nationalspieler im Rekordtempo eingewöhnt. "Was auch nicht schwer ist, bei diesen super Typen hier in der Mannschaft", meint Bürki. Zusammen mit dem Ex-Bremer Mielitz liefert sich der 23-Jährige ein Duell mit offenem Ausgang (Zahlenspiele zweier Zimmerkollegen). Mit beiden Neuverpflichtungen sind Trainer Streich und sein Team jedenfalls "absolut zufrieden".

Konkurrenzkampf sorgt für hohes Niveau

Die Konkurrenzsituation beim Sport-Club ist insgesamt so groß, wie lange nicht mehr. "Zum Glück haben wir die auf vielen Positionen, was automatisch für hohes Niveau sorgt", sagt Schuster, der vor allem die jungen Spieler nicht nur als Konkurrenten sieht. "Man unterhält sich auch miteinander, weil wir uns alle sowohl persönlich als auch als Team weiterentwickeln wollen", erklärt der Mittelfeldspieler. "Dazu müssen wir zusammen arbeiten und nicht gegeneinander."

Wie gut das Teamwork bislang funktioniert, zeigt die jederzeit konzentrierte Trainingsarbeit im Montafon. Besonders beim Einüben von spieltaktischen Aspekten ist Streich voll und ganz in seinem Element. Aber egal welche Übung gerade läuft, leise ist es nie. Jeder Lauf- und Passweg wird direkt auf dem Platz analysiert. Und die Spieler arbeiten aufmerksam mit. Da kann es schon mal vorkommen, dass der Coach eine Übung unterbricht, aber nicht zu Wort kommt, weil die Spieler untereinander intensiv diskutieren. "Da habe ich dann einfach drei Minuten gewartet, denn es wäre nicht gut gewesen, das zu unterbrechen", erzählt Streich.

"Eine ruhige Saison gibt es nie"

Nicht zuletzt wegen den bislang verletzungsfrei verlaufenen Wochen zieht der 49-Jährige ein positives Fazit des Trainingslagers. "Gut, im Sinne von sehr, sehr, sehr intensiv", meint Streich. Für Auflockerung des harten Trainingsalltags sorgten Aktivitäten fernab des grünen Rasens, wie eine gemeinsame Rafting-Tour oder ein Kochkurs auf Wunsch des Teams im Mannschaftshotel.

Dort genießt es Streich, neben all der akribischen Arbeit, auch selbst ein wenig zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tanken für die Saison. "Wenn dann die Spiele losgehen, ist das wieder eine ganz andere Nummer", sagt Streich. Mittelfeldspieler Schuster sieht es ähnlich: "Eine ruhige Saison gibt es nie." Für den Kapitän sei es aber von Vorteil, dass die Mannschaft zum Großteil zusammen geblieben ist, "aber eine Garantie, dass es dadurch ruhiger und einfacher wird in der Saison, ist das nicht". Die im Trainingslager erarbeitete Mischung aus Ruhe und Akribie könnte aber den entscheidenden Teil dazu beitragen.

Aus Schruns berichtet Maximilian Lotz