Schruns - Die Eins trägt Roman Bürki, sein Konkurrent Sebastian Mielitz auch - allerdings steht bei Mielitz noch eine Zwei davor. Der ehemalige Bremer trägt die Rückennummer 21 - auf den ersten Blick eine klare Rollenverteilung zwischen Stamm- und Ersatzkeeper beim SC Freiburg. Auf den zweiten Blick ist die Frage völlig offen, wer den zur TSG Hoffenheim abgewanderten Oliver Baumann beerben wird. Denn erst mit Beginn des Trainingslagers in Schruns ist der Konkurrenzkampf richtig eröffnet.

Am vergangenen Samstag ist auch Bürki im Team der Breisgauer angekommen, gut erholt zurück aus dem WM-Urlaub. Zusammen mit den Freiburger Teamkollegen Admir Mehmedi und Gelson Fernandes war er mit der Schweizer Nationalmannschaft in Brasilien. Als Keeper Nummer 3 blieb ihm allerdings nur die Rolle des Zuschauers. Beim Sport-Club dürfte das anders werden.

Bürki: "Gebe immer alles"

"Bei den Vertragsgesprächen wurde mir gesagt, dass eine neue Nummer 1 gebraucht wird", sagt der 23-Jährige im Gespräch mit bundesliga.de. "Deswegen gehe ich davon, dass ich spiele." Vor der WM tat er dies beim Grasshopper Club Zürich in genau 111 Spielen in der Schweizer Super League (Personalie). So gelang ihm in den letzten dreieinhalb Jahren der Durchbruch, der ihm zuvor bei seinem Ausbildungsverein Young Boys Bern verwehrt blieb.

Beim SC muss er sich nun aber neu beweisen, zumal Kontrahent Mielitz schon einen leichten Trainingsvorteil hat - für den ehrgeizigen Schweizer ist das kein Problem. "Egal wo ich bin, ich gebe immer alles und das ist auch von Tag zu Tag hier so", sagt Bürki.

Während der Trainingseinheiten im Montafon ist das kaum zu überhören. Lautstark dirigiert er seine Mitspieler, gibt Anweisungen oder schreit auch mal seinen Frust heraus, wenn er einen Ball nicht ganz zu fassen bekommen hat. Im anschließenden Gespräch schwärmt er dann ganz lässig von der Mannschaft, die ihm die Integration so spielend leicht gemacht hat: "Super Typen, super Staff!"

Kollegialer Konkurrenzkampf

Bei den Breisgauern wird bekanntermaßen sehr viel Wert auf einen guten Teamgeist gelegt. Da mag es auf den ersten Blick verwundern, dass Bürki in Schruns ausgerechnet mit seinem Kontrahenten das Zimmer teilt. "Ich denke, da ist schon ein bisschen Absicht dahinter", meint Bürki. "Es ist ja nicht so, dass wir nicht miteinander reden. Im Gegenteil, wir verstehen uns gut, wir helfen einander. "

Auch Mielitz geht mit der Situation locker um. "Das ist auch wichtig für die Mannschaft", betont der Ex-Bremer im Gespräch mit bundesliga.de. Im Gegensatz zu Bürki ist Mielitz bereits seit Beginn der Vorbereitung dabei. "Ich bin in meinem Fußballer-Leben wohl noch nie so viel gelaufen, wie hier", gesteht er. "Aber wer mich im Training beobachtet, sieht, dass es mir Spaß macht."

Der Spaß war ihm in der vergangenen Saison ab dem 14. Spieltag sichtlich abhanden gekommen. 2012 beerbte Mielitz bei Werder Publikumsliebling Tim Wiese. Zu Beginn der vergangenen  Saison war er noch lange Zeit Bremens Bester, in der Hinrunde parierte er 71 Prozent der Torschüsse und spielte vier Mal zu null.

Mielitz: "Die Entscheidung schwer machen"

Doch dann kam das Spiel gegen Mainz am 13. Spieltag: Bei der 2:3-Niederlage gingen zwei Gegentore auf seine Kappe. Anschließend bestritt Mielitz für den Verein, bei dem er neun Jahre lang unter Vertrag stand, kein einziges Spiel mehr. In dieser Zeit reifte der Gedanke eines Neuanfangs - auf den SC fiel seine Wahl. In den Trainingseinheiten und Testspielen seit dem Vorbereitungsstart konnte er sich bereits auszeichnen. Ein Vorteil gegenüber Bürki?

"Ich denke, ich habe es in den Spielen bislang sehr gut gemacht und auch im Training bringe ich mich voll ein", urteilt Mielitz. "Im Endeffekt möchte ich dem Trainerteam die Entscheidung so schwer wie möglich machen und das ist mir, glaube ich, bis jetzt auch ganz gut gelungen." So wie am vergangenen Freitag, beim ersten Härtetest gegen den VfR Aalen (1:1). Mit starken Paraden hielt Mielitz an seinem 25. Geburtstag bis zu seiner Auswechslung seinen Kasten sauber. Und bei gelungener Spieleröffnung gab es auch mal "gut so, Miele" von Trainer Christian Streich zu hören.

Den ersten Testspieleinsatz hat Bürki noch vor sich (zur Testspielübersicht), aber schon jetzt gibt es während des Trainings in Schruns gleichermaßen "gut, Roman"-Rufe von Streich zu hören. Dass sich zwei ambitionierte Torhüter ein Duell auf Augenhöhe um den Stammplatz liefern, ist für den SC Freiburg ein bislang unbekanntes Luxusproblem. Bürki sieht es positiv: "Ich finde den Konkurrenzkampf gut. Wir pushen einander zu Höchstleistungen." Eben ganz im Sinne des Teams.

Aus Schruns berichtet Maximilian Lotz