
"Tieftraurig und bestürzt" – Abschied von "Schlitzohr" Frank Mill
Der legendäre Bundesliga-Stürmer Frank Mill ist tot. Der ehemalige Spieler von Rot-Weiss Essen, Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf starb im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines im Mai erlittenen Herzinfarktes. Die Fußballwelt nimmt Abschied von einem echten Typen.
"Schlitzohr", diesen Beinamen hatte sich Frank Mill einst als Fußballer verdient. Seine trickreiche Spielweise, mit der er seine Gegenspieler und die Fans überraschte, aber auch seine humorvolle Art abseits des Platzes machten ihn zu einem echten Typen. Er gehörte zu den besten Angreifern der Bundesliga-Geschichte, obwohl die Szene, die am häufigsten mit ihm verbunden wird, ein Fehlschuss war. 1986 traf er im Auswärtsspiel bei den Bayern allein vor dem leeren Tor nur den Pfosten.
"Ich hätte genug Zeit gehabt, den Ball einfach ins Tor zu schieben, doch ich wollte es machen wie Pierre Littbarski. Mein Plan: ausholen, den Ball zwischen die Füße klemmen und nach einem Übersteiger elegant einschieben", sagte Mill rückblickend über diese historische Szene. Getroffen hat er davor und danach allerdings öfter als viele andere: 123 Mal in 387 Bundesliga-Spielen.
Dickel: "Einen guten Freund verloren"
Seine erfolgreichste Zeit hatte Mill beim BVB, mit dem er 1989 den DFB-Pokal gewann, 1992 Vizemeister wurde und 1993 das Finale des UEFA-Pokals erreichte.
Sein ehemaliger Mitspieler Norbert Dickel, heute Stadionsprecher in Dortmund, sagt: "Wir haben so viel gemeinsam erlebt, hatten immer einen engen Draht und gerne über alte Zeiten geredet. Ich bin sehr, sehr traurig. Ich habe einen guten Freund verloren."
BVB-Präsident Lunow: "Er war einer meiner Helden"
"Fränkie war ein Schlitzohr auf dem Rasen und ein wunderbarer Gesprächspartner außerhalb des Spielfelds. Als er 1986 zu uns kam, ging es bergauf. Er hatte großen Anteil am Gewinn des DFB-Pokals 1989, der Vizemeisterschaft 1992 und dem Erreichen des UEFA-Pokal-Endspiels 1993", erklärt Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund.
BVB-Präsident Reinhard Lunow ergänzt: "Er war einer meiner Helden und in den vergangenen Jahren ein gern gesehener Gast in unserem Stadion. Ohne Frank Mill wäre Borussia Dortmund 1989 nicht Pokalsieger geworden und würde heute nicht da stehen, wo wir stehen."
Völler: "Frank Mill war ein echter Teamplayer"
DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagt: "Wir sind tieftraurig und bestürzt über den viel zu frühen Tod unseres Weltmeisters Frank Mill. Dass er sich selbst nie als Weltmeister gesehen hat, war Ausdruck seiner Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Auch wegen dieser Charakterzüge neben all seinen fußballerischen Fähigkeiten, wegen seiner Freundlichkeit und Herzlichkeit war er überall geschätzt und hoch angesehen."
DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der gemeinsam mit Frank Mill 1990 in Italien Weltmeister wurde, verrät: "Die Nachricht von Frank Mills Tod hat mich schockiert. Neben Franz Beckenbauer und Andy Brehme wird uns jetzt ein weiterer Weltmeister von 1990 für immer fehlen. Frank Mill war ein echter Teamplayer, der mit seiner guten Laune und seinem Humor zum wunderbaren Mannschaftsgeist und dieser großartigen Zeit damals in Italien beigetragen hat. Er war ein feiner Fußballer und ein Schlitzohr im positivsten Sinne auf und neben dem Platz. Wir werden ihn vermissen."
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