Freiburg - HSV gegen Werder, Schalke gegen Dortmund - an die Brisanz der klassischen Derbys kommt das badisch-schwäbische Duell zwischen Freiburg und Stuttgart nicht ganz heran. Und dennoch ist die Partie für viele Anhänger ein ganz besonderes Spiel. Das gilt auch am Freitag, wenn der VfB zum ersten Spiel unter seinem neuen Coach antritt.

Fredi Bobic, ehemaliger Sportdirektor des VfB Stuttgart, war nicht immer einer Meinung mit den Fans in der Kurve. In einem Punkt herrschte aber Einigkeit zwischen dem Anhang und dem Mann, der schon als Spieler viele Duelle gegen die anderen Mannschaften aus Baden-Württemberg ausgetragen hatte: "Spiele gegen den KSC sind die richtigen Derbys, Spiele gegen Hoffenheim sind keine Derbys, Spiele gegen den SC Freiburg kleine Derbys.“ Etwas anders dürfte man das in Freiburg sehen, wo manche Hardcore-Fans immer wieder Schmähgesänge auf den VfB anstimmen.

Dass am Freitag (ab 20.15 Uhr im Live-Ticker auf bundesliga.de) ein besonderes Spiel angepfiffen wird, steht indes trotzdem außer Frage, denn selbst die größten Traditionalisten in beiden Fanlagern würden wohl nicht bestreiten, dass Spiele zwischen Freiburg und Stuttgart für die Fans beider Lager einen höheren Stellenwert haben als Spiele gegen Teams aus dem Norden oder Westen der Republik.

In den Partien zwischen beiden Mannschaften ist dann auch traditionell jede Menge Feuer, es kam in der Vergangenheit nur selten vor, dass sich eine der beiden Mannschaften mit einem Punkt zufrieden gegeben hätte. Dabei spricht die Bilanz für den VfB: Fünf der letzten sechs Liga-Duelle gewann das Team mit dem roten Brustring.

Freiburg will Revanche für letzte Saison

In der vergangenen Spielzeit kreuzte man sogar dreimal die Klingen. Am 12. Spieltag setzte sich der VfB bei strömendem Regen mit einem 3:1 in Freiburg durch und entschied das Heimspiel mit 2:0 ebenfalls für sich. Damals, am 5. April, war bereits der neue, alte Trainer Huub Stevens am Ruder. Weniger Glück hatten die Schwaben im Pokal: Hier setzte sich Ende September 2013 der SC durch - auch dank eines überragenden Keepers Oliver Baumann (jetzt: Hoffenheim), der Stuttgarts Angreifer zur Verzweiflung brachte. 2:1 hieß es am Ende eines Flutlichtspieles, das aus Sicht der Fans alles bot, was tolle Fußballspiele ausmacht.

Ähnlich könnte es auch diesmal laufen. Schließlich will Gastgeber Freiburg den positiven Trend der vergangenen Wochen unbedingt bestätigen. Und in Stuttgart hoffen Fans und Offizielle inständig, dass sich der Trainerwechsel bezahlt macht - am besten gleich im ersten Spiel unter Stevens.

Stevens führt viele Einzelgespräche

Der Veh-Nachfolger, der zuletzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren ließ, setzt bekanntlich auf Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit. Dass das Team in dieser Woche mehr Zeit miteinander verbrachte als zuletzt, ist als Signal zu verstehen. Aber Stevens, der oft einseitig als harter Hund beschrieben wird, führte in den vergangenen Tagen auch viele Einzelgespräche, um die Gründe dafür zu erfahren, warum seine Mannschaft trotz manches ordentlichen Spiels auf dem letzten Tabellenplatz steht.

Ganz anders die Stimmungslage in Freiburg, wo man derzeit auf gut gelaunte Offizielle und Spieler trifft. Kein Wunder, schließlich siegte der Sport Club nach schwachem Saisonstart zuletzt in Köln und gegen Schalke, punktete in Mainz und setzte sich im Pokal bei 1860 München durch. Gut möglich, dass der SC nahezu in Bestbesetzung auflaufen wird. Außer Sascha Riether (muskuläre Probleme) stehen alle Spiele aus dem 18-er-Kader zur Verfügung. Selbstredend  ist das Spiel seit Wochen ausverkauft - auch ein "kleines Derby" kann also die Massen elektrisieren.

Christoph Ruf