Zusammenfassung

  • Nach Schalkes erstem Derbysieg seit 2014 feiert Trainer Tedesco mit den Fans
  • Der Gang auf die Nordtribüne war dem Schalke-Coach zunächst unangenehm
  • Am Mittwoch kämpft Schalke gegen Eintracht Frankfurt um den Einzug ins Pokalfinale

Gelsenkirchen - Ein bisschen musste Ralf Fährmann seinen Trainer dann doch anschubsen. „Ich habe ihn ermuntert, in die Kurve zu gehen“, plauderte der Torhüter aus. Und so stand Domenico Tedesco, der sonst so sachliche und analytische Coach, nach dem Derbysieg des FC Schalke 04 über Borussia Dortmund plötzlich oben bei den Fans in der Nordkurve, hüpfte und sang ausgelassen mit und schwenkte den Schalke-Schal. „Zuerst wollte ich ja nicht“, bekannte er hinterher lachend, „aber ich hatte Angst, dass die Fans sonst das Stadion abmontieren.“

Wenn das Mekka der Schalker Fans, die legendäre Nordkurve, einen der Akteure vom Rasen hinauf in die Ränge holt, dann ist das eine Auszeichnung der besonderen Art. Ralf Fährmann stand schon dort, vor kurzem wurde auch Guido Burgstaller diese Ehre zuteil. Dass der Trainer vehement gefordert wird, ist eher ungewöhnlich und sagt daher so viel aus über den Wert, den dieser Domenico Tedesco für Schalke hat.

>>> Hier gibt es den Spielbericht zum Schalker Derbysieg

Der junge Trainer hat der Mannschaft nicht nur wieder Leidenschaft, Kampfgeist und Disziplin eingeimpft und sie damit in die Spitzengruppe der Bundesliga geführt. Am Ende wird er mit den Knappen wohl die Vize-Meisterschaft und die Rückkehr in die Champions League feiern. Sogar ein Titel kann es noch werden, zieht Schalke am Mittwoch gegen Frankfurt ins Pokalfinale ein. Vor allem aber hat der 32-Jährige dem königsblauen Umfeld gegeben, wonach es seit 2014 gelechzt hat – den Derbysieg über den BVB.

"Das ist ein richtig schönes Gefühl und ein echtes Privileg." Domenico Tedesco

Der letztlich deutliche und souveräne 2:0-Erfolg über Borussia Dortmund, vor allem ein Sieg der Mentalität, sorgte so für Bilder, die sie auf Schalke so schnell nicht vergessen werden. Tedesco, der mit dem Abpfiff erschöpft und glücklich auf die Knie sinkt. Schalke-Boss Clemens Tönnies, der seinen Trainer noch auf dem Platz beherzt an seine Brust drückt. Eine Mannschaft, die über den Rasen tanzt und hüpft.

Und natürlich der Trainer hoch oben in der Nordkurve. „Das ist ein richtig schönes Gefühl und ein echtes Privileg“, zeigte sich Domenico Tedesco nach der Aktion dankbar. Und doch hätte er sich gerne davor gedrückt, auf offener Bühne so zu feiern und gefeiert zu werden: „Ich hatte den Ultras auch ein paar Spieler vorgeschlagen, um in die Kurve hochzugehen. Eigentlich hätte die komplette Mannschaft dort hoch gesollt.“

Zwei Derbyhelden Arm in Arm: Trainer Tedesco und Torschütze Naldo
Zwei Derbyhelden Arm in Arm: Trainer Tedesco und Torschütze Naldo © gettyimages / PATRIK STOLLARZ/AFP

Die Fans aber wollten Tedesco – und auch die Spieler fanden es so genau richtig. „Er ist sonst kein Typ, der selbst öffentlich viel feiern möchte. Aber beim ersten Derbysieg seit 2014 ist das schon ein guter Grund“, meinte Derbyheld Naldo, der den Freistoß zum 2:0-Endstand in die Dortmunder Maschen gehämmert hatte. „Vom ersten Tag an hatten wir das Gefühl, dass der Trainer perfekt auf Schalke passt.“

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Tönnies sprach glückselig davon, Tedesco sei mit dieser Aktion „von den Fans geadelt worden“. Und Manager Christian Heidel, der seinen öffentlich eher sachlich wirkenden Trainer nicht nur am Spielfeldrand als echtes „Emotionsbündel“ charakterisiert, beugte verbal schon mal jeglicher Kritik an der Aktion vor: „Ich kann vor seiner Arbeit nur den Hut ziehen. Und wenn jetzt jemand sagt, er hätte nicht in die Kurve gehen sollen – das ist doch Quatsch. Ich fand’s gut! Und ich hätte nichts dagegen, wenn er es am Mittwoch wieder macht.“

"Ich fand´s gut! Und ich hätte nichts dagegen, wenn er es am Mittwoch wieder macht." Christian Heidel

Das setzt voraus, dass der FC Schalke 04 auch am Mittwoch nach Spielende auf der Siegerseite steht, wenn es im Pokal-Halbfinale gegen die Frankfurter geht. Viel Zeit, den Derbysieg ausgelassen zu feiern und die großen Emotionen sacken zu lassen, blieb Tedesco und seinen Profis nicht. „Ich bin schon müde. Es war nach der Niederlage in Hamburg, die uns doch ein bisschen verunsichert hat, eine sehr intensive Woche“, hatte der Trainer noch nach dem Abpfiff zugegeben.

Und dann doch gleich wieder den Schalter umgelegt: „Wir wollen bis zum Schluss um unsere Ziele kämpfen. Schön, dass wir die Saison bis zum letzten Tropfen haben. Mittwoch geht’s weiter! Die Jungs sind fokussiert. Wir wollen alle unbedingt ins Endspiel nach Berlin.“

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte