In der vergangenen Saison überraschte Schalke und landete auf Rang zwei - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Hitij
In der vergangenen Saison überraschte Schalke und landete auf Rang zwei - © © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Hitij
Bundesliga

Jahr zwei für Tedescos Schalke: Noch stärker als im letzten Jahr

Köln – Vor dem Start der vergangenen Saison gab es beim FC Schalke 04 viele Fragezeichen. 2016/17 hatten die Knappen nicht nur zum ersten Mal nach fünf Spielzeiten einen europäischen Wettbewerb verpasst, sondern mit Benedikt Höwedes, Klaas-Jan Huntelaar und Sead Kolasinac verließen auch drei prägende Figuren den Club. Dafür kam mit Domenico Tedesco ein neuer Trainer, der mit der Empfehlung von elf Partien an der Seitenlinie der 2. Bundesliga nach Gelsenkirchen kam. Ein Jahr später ist klar: Das Risiko hat sich ausgezahlt. Und viel spricht dafür, dass Schalke in diesem Jahr sogar noch stärker ist als im vergangenen – trotz der Abgänge von Leon Goretzka und Max Meyer.

Sane und Mascarell stärken die Defensive

Mit der Vizemeisterschaft in seinem ersten Bundesliga-Jahr hat Domenico Tedesco die Messlatte enorm hoch gelegt. Anders, als noch in der vergangenen Spielzeit, wäre es aber keine große Überraschung mehr, wenn Schalke am Saisonende unter den Top drei der Tabelle einlaufen würde. Zu stabil präsentierte sich das Team gerade in der Defensive. 37 Gegentore sprechen eine klare Sprache: Schalke ist nur schwer zu schlagen.

Mit der Verpflichtung von Salif Sane von Hannover 96 hat Königsblau sein Prunkstück sogar noch einmal verstärkt. Mit Naldo und Sane werden zukünftig nicht nur zwei der besten, sondern auch der kopfballstärksten Verteidiger der Bundesliga zusammen auflaufen. Zudem räumt davor nun Omar Mascarell ab, der einen großen Anteil an der starken Frankfurter Saison und dem Pokalerfolg der Eintracht hatte. Er wird die Planstelle von Max Meyer einnehmen, den Tedesco zwar erfolgreich zum Sechser umgeschult hat, der in Sachen Defensivqualitäten aber nicht an den ehemaligen Frankfurter heranreicht. Es ist also gut möglich, dass Schalke die Anzahl der Gegentore in dieser Saison sogar noch einmal verringern kann.

Video: Hinter den Kulissen auf Schalke

Video: Owo meets Domenico Tedesco

Für den zum FC Bayern abgewanderten Leon Goretzka hat Schalke mit Suat Serdar einen Spieler verpflichtet, der ähnlich vielseitig wie der Nationalspieler ist. Defensives, zentrales oder offensives Mittelfeld – alles Positionen, die der U21-Nationalspieler für Mainz in der Bundesliga schon gespielt hat. Auf Sicht ist ihm absolut zuzutrauen, in die Goretzka-Rolle hineinzuwachsen.

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Sollte es Tedesco in seinem zweiten Jahr nun gelingen, die Mannschaft spielerisch noch einmal weiter zu entwickeln, hat Schalke beste Aussichten, ganz oben mitzumischen. Ein Trumpf wird sicherlich die überragende Stärke bei Standardsituationen bleiben. In der vergangenen Saison erzielte kein anderes Team so viele Treffer nach ruhenden Bällen (26) wie die Knappen. Mit Sane hat S04 neben Naldo nun einen weiteren absoluten Kopfballspezialisten in seinen Reihen. Es wird für jeden Club wahnsinnig schwer werden, beide bei Ecken und Freistößen zu verteidigen.

Mehr Torgefahr dank Uth und Skrzybski

Aus dem Spiel heraus gelangen Schalke hingegen nur 27 Treffer. Diese Bilanz ist ausbaufähig. Und genau dafür hat Christian Heidel Mark Uth aus Hoffenheim und Steven Skrzybski von Union Berlin verpflichtet. Gerade Uth hat in den ersten Trainingswochen bei den Kollegen Eindruck hinterlassen: "Mark ist ein brutaler Killer vor dem Tor", schwärmt Breel Embolo in brachialen Tönen. Ein bemerkenswerter Satz, wenn man bedenkt, dass Embolo und Uth eigentlich Konkurrenten im Kampf um einen der Stammplätze im Angriff sind. Es ist ein Beleg dafür, dass es im Binnenverhältnis der Mannschaft stimmt.

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Dementsprechend müsste die Saison für Schalke eigentlich ein Kinderspiel werden - zumindest, wenn es nach Salif Sane geht: "Eine Mannschaft muss zusammenhalten, dann ist Fußball meistens ganz einfach", hatte der hünenhafte Defensivspezialist bei seiner Vorstellung auf Schalke erklärt. Den Beweis müssen die Spieler nun auf dem Platz antreten, aber die Vorzeichen haben sich geändert. Aus den Fragezeichen sind bei Schalke innerhalb eines Jahres Ausrufezeichen geworden.

Florian Reinecke