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Jonas Urbig gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Wochen
Jonas Urbig gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Wochen - © DFL/Getty Images/Daniel Kopatsch
Jonas Urbig gehört zu den großen Gewinnern der vergangenen Wochen - © DFL/Getty Images/Daniel Kopatsch
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Die kommende Nummer eins des FC Bayern München

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Jonas Urbig wird beim FC Bayern eine große Zukunft vorausgesagt. Möglicherweise kommt diese schneller, als viele es vermutet haben.

So erfolgreich wie der FC Bayern München seit Gründung der Bundesliga war, so erfolgreich auch die Torhüter-Dynastie. Angefangen von Sepp Maier über Jean-Marie Pfaff, Oliver Kahn und letztlich Manuel Neuer: Die Münchener hatten stets einen der besten Keeper der jeweiligen Epoche zwischen den Pfosten.

Nun gestaltete sich der Übergang insbesondere in den späten 2000er Jahren nach Kahn hin zu Michael Rensing deutlich schwieriger als gehofft. Und auch einen Neuer-Nachfolger, der nahtlos an seine Leistungen anknüpfen könnte, schien es lange nicht zu geben. An der Säbener Straße ist der sportliche und mediale Druck bekanntlich ein anderer. Doch Urbig schickt sich an, dieser Rolle schon jetzt gewachsen zu sein.

Nervenstärke trotz fehlender Spielpraxis

Schon bei seinem Debüt für den Rekordmeister war der Druck immens. Im Achtelfinalhinspiel der Champions League erzielte Jamal Musiala soeben das 2:0 gegen Bayer 04 Leverkusen. Neuer musste anschließend verletzt vom Feld, Urbig musste auf großer Bühne einen Kaltstart hinlegen. Aber sowohl in den verbliebenen 30 Minuten als auch im Rückspiel in der BayArena, als die Werkself zahlreiche gefährliche Ecken in den Fünfmeterraum schlug, zeigte der 22-Jährige keinerlei Nerven.

Generell musste er im Laufe seiner noch immer jungen Karriere stets mit Druck umgehen. Beim SSV Jahn Regensburg spielte er ein halbes Jahr gegen den Abstieg, bei der SpVgg Greuther Fürth schielte man lange auf die Aufstiegsränge. Beim 1. FC Köln, wo er nach zehn Spieltagen von Marvin Schwäbe abgelöst wurde, ist die mediale Aufmerksamkeit ohnehin immer am Anschlag.

In der aktuellen Bundesliga-Saison durfte Urbig dann zweimal von der Bank ran, blieb gegen den SV Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach nahezu fehlerfrei.

Eine andere Art von Torhüter

Es ist insofern bemerkenswert, als dass Urbigs Trainingswoche in der Regel anders aussieht als die eines "klassischen" Stammtorwarts. Wenn er fit ist, spielt Neuer auch. Da sich Urbig aber einerseits sportlich beim FC Bayern beweisen muss und mittlerweile erfahren hat, wie schnell er zu einem Einsatz kommen kann, muss er Woche für Woche so trainieren, als würde er spielen. Dass er wie in der aktuellen Phase vier bis fünf Partien am Stück bekommt, ist die Ausnahme.

Nicht umsonst lobte Julian Nagelsmann jüngst auf einer Pressekonferenz Urbigs Arbeitsmoral. Dieser habe einfach Bock zu trainieren und stelle sich nach dem Training gerne noch einmal ins Tor, wenn die Jungs noch ein paar Abschlüsse brauchen, betonte der Bundestrainer.

Teilzeitkraft: Urbig ersetzt den verletzten Manuel Neuer - IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER

Nicht nur Trainingsweltmeister

Es ist aber die eine Sache, im Training für gute Stimmung zu sorgen und dort seine Leistung zu bringen. Eine andere ist die Leistung auf dem Feld.

Torwarttechnisch ist Urbig wie so viele Schlussmänner seiner Generation hervorragend ausgebildet. Er ist sehr beweglich, kann dadurch im Eins-gegen-eins blitzartig ein Bein herausschieben und den Ball so blocken.

Im Rückspiel der Champions League gegen Atalanta Bergamo zeigte er gegen Mario Pašalić seine Furchtlosigkeit. Obwohl die Distanz kurz und der Schuss hart war, verdrehte er seinen Oberkörper nicht, behielt den Blick fest auf den Ball. Wenn man Urbig in solchen Szenen sieht, meint man, die Alpen hätten sich ein Stück nach Norden verschoben.

Im seitlichen Abdruck kommt die Explosivität des Bayern-Keepers besonders zum Tragen. Da mittlerweile immer mehr Schüsse rund um beziehungsweise innerhalb des Strafraums abgegeben werden, haben Torhüter kaum noch Zeit, einen Zwischenschritt zu setzen. Der Abdruck muss unmittelbar aus dem Stand erfolgen. Kombiniert mit einer sauberen Fußstellung, hat Urbig im Vergleich zu Noah Atubolu im seitlichen Abdruck eine größere Reichweite.

Schon jetzt bereit für den FC Bayern?

In das Spiel des Rekordmeisters hat sich der 22-Jährige sehr gut eingefügt. Zwar besitzt er noch nicht die Schnelligkeit Neuers in der Spielfortsetzung, der es versteht, den Ball mit einem Kontakt weiträumig zu verlagern.

Doch Urbigs lange Bälle hinter die gegnerische Kette haben sich bereits mehrfach bezahlt gemacht. Gegen den VfB Stuttgart leitete er so gefährliche Angriffe ein. Auch in der Königsklasse war es ein probates Mittel der Münchner. Im Schnitt kommen über 55 Prozent der langen Pässe an den Mann – unter den Torhütern ein Spitzenwert!

Dass der mittlerweile 40-jährige Neuer kürzertreten muss, ist unbestritten. Mit Urbig haben die Münchner aber schon jetzt einen Ersatz gefunden, der die Torhüter-Dynastie an der Säbener Straße fortführen kann.

Der Schüler und sein Meister: Urbig lernt im Training von Neuer - IMAGO/Mladen Lackovic