Gewannen zusammen neun Meisterschaften mit dem FC Bayern München - in Folge: Jerome Boateng und David Alaba - © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images
Gewannen zusammen neun Meisterschaften mit dem FC Bayern München - in Folge: Jerome Boateng und David Alaba - © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images
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David Alaba und Jerome Boateng: Das Super-Duo des FC Bayern München verabschiedet sich

Nach knapp 13 Jahren beim FC Bayern München verlässt David Alaba den deutschen Rekordmeister. Mit ihm geht sein kongenialer Partner der historischen Bayern-Saison 2019/20: Auch Jerome Boateng wird sich nach neun Meisterschaften in Serie neu orientieren.

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In der Abwehr des FC Bayern München geht im Sommer eine Ära zu Ende: David Alaba und Jerome Boateng verlassen den deutschen Rekordmeister. Alaba verbrachte 13 Jahre beim FCB, wechselte bereits im zarten Alter von 16 Jahren nach München. Boateng kam drei Jahre später an die Isar. Zusammen prägten sie ein Jahrzehnt lange die Defensivreihe der Roten. "Das wird immer meine Familie bleiben: Die Spieler, die Mitarbeiter, alle drumherum", sagt Boateng in der Doku "Danke, Jerome!", die der FC Bayern auf seiner Homepage veröffentlicht hat. "Für mich war es klar, dass ich irgendwann einmal weiterziehen werde. Aber ich werde alle Menschen hier in meinem Herzen behalten."

Im Film sieht man den Innenverteidiger in der Allianz Arena sitzen, während auf der Leinwand warme Worte seiner Mitspieler zu sehen und zu hören sind. Vor allem als Manuel Neuer sich über die Nummer 17 der Bayern äußert, habe Boateng Gänsehaut bekommen. "Du bist gemeinsam mit mir zum FC Bayern gekommen. Du standest in der Zeit immer vor mir - und auch hinter mir. Danke für alles, was du für mich getan hast", sagt der Kapitän des FCB und der deutschen Nationalmannschaft während Boateng sichtlich ergriffen zuhört.

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362 Pflichtspiele bestritt der 32 Jahre alte Weltmeister von 2014 für die Bayern, 228 davon in der Bundesliga. In Boatengs erster Bayern-Saison verpasste es der Innenverteidiger, der auch in insgesamt zwölf Partien als Rechtsverteidiger für den FCB auflief, noch einen Titel - doch seit 2012/13 wurde der 1,90 Meter große Hüne in jedem Jahr Deutscher Meister mit den Münchnern. Besonders 2012/13 und 2019/20 werden in Erinnerung bleiben: In beiden Saisons gewann der Abwehrrecke mit den Bayern das Triple und war zudem eine der defensiven Stützen der Roten. Im Champions-League-Finale von 2013, als Borussia Dortmund mit 2:1 im Londoner Wembley-Stadion bezwungen wurde, leitete der Abwehrspieler, der für seine überaus präzisen Flugbälle in die Tiefe bekannt war und ist, den Siegtreffer mit einem Freistoß vom Mittelkreis ein.

"Ich bin schnell zum Ball und hatte gesehen, dass Franck super reingelaufen ist", schildert Boateng seinen perfekt getimten Flugpass zum Franzosen Ribery. "Der Rest, wie die beiden das dann ausgespielt haben, ist dann unglaubliche Klasse", sagt Boateng über Riberys Hackenpass zu Arjen Robben, der dann anschließend Mats Hummels stehen ließ und Keeper Roman Weidenfeller mit einem abgezockten Flachschuss ins rechte Eck überwand. Damals einer der ersten Gratulanten beim niederländischen Superdribbler: David Alaba. Der damals 20 Jahre alte Österreicher agierte als Linksverteidiger und harmonierte während Bayerns erster, historischer Triple-Saison formidabel mit Ribery. An Alabas forsch-frechen Auftritte von 2013 erinnert in der zweiten Triple-Saison der Bayern Alphonso Davies, der hinten links gleichfalls mit Offensivdrang, Tempo und Spielwitz zu überzeugen wusste.

Jerome Boateng und David Alaba nach dem Triumph in der Champions League 2013 - imago sportfotodienst/imago sportfotodienst

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Im Laufe der Jahre zog es den polyvalenten Alaba, der links und innen verteidigen kann, immer mehr ins Zentrum: 243 seiner 430 Pflichtspiele für die Bayern bestritt der Österreicher links in der Viererkette. 38 Mal lief der Österreicher im zentralen Mittelfeld des FCB auf - dort agiert er auch meist in der Nationalmannschaft. 116 Mal agierte die Nummer 27 bei den Bayern in der Innenverteidigung. Der erste Trainer, der Alaba dort einsetzte, war Pep Guardiola: im DFL-Supercup 2014/15. Der Katalane sagte bereits im September 2015 folgendes über den flexiblen Alleskönner: "Er kann ohne Zweifel einer der besten Innenverteidiger der Welt werden." Insgesamt 39 Mal setzte Guardiola seinen Musterschüler im Abwehrzentrum ein. Alabas Vorzüge? "Er ist schnell, kann gut aufbauen, ist immer hundertprozentig konzentriert."

Der nächste Coach, der Alaba vermehrt links in der Innenverteidigung aufstellte war und ist: Hansi Flick. "Links verteidigen konnte er mit geschlossenen Augen nachts um halb drei perfekt. Die Position als Innenverteidiger hat er sehr gut angenommen", sagte Flick im vergangenen Sommer über den 28 Jahre alten Kicker mit dem feinen linken Fuß, der in seiner Zeit bei den Bayern elf seiner 33 Treffer per direktem Freistoß erzielte. Mit Boateng rechts und Alaba links in der Innenverteidigung machten die Münchner das zweite Triple in der Vereinsgeschichte klar. Nur ein (!) Spiel in der Saison 2019/20, in dem Alaba und Boateng von Beginn an zusammen in der Innenverteidigung auf dem Feld standen, wurde verloren: beim 1:2 in Gladbach am 14. Dezember 2019. Es war das erste Spiel, das die beiden unter Flick zusammen im Abwehrzentrum absolvierten. In den restlichen 20 Partien mit dem Super-Duo gab es 19 Siege und ein Remis.

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Alaba spielte als linker Innenverteidiger 2019/20 die beste Saison seiner bisherigen Karriere und machte die Prophezeiung Guardiolas wahr. Der Österreicher, der in der Jugend von Austria Wien ausgebildet wurde und im Sommer 2008 von dort an die Isar wechselte, holte mit den Münchnern sogar einen Meistertitel mehr als Boateng: Die zehn Titel des Kapitäns der österreichischen Nationalmannschaft sind Rekord - nur Thomas Müller kommt sonst auf so viele Titel in der Bundesliga. "Ich bin als 16-Jähriger aus Wien hierhergekommen, und 13 Jahre später blicken wir auf fast die Hälfte meines Lebens zurück. Das sagt doch eigentlich alles“, sagte Alaba, als er seinen Abschied von den Bayern verkündete. Nach den "unglaublich schönen Jahren" in München habe er beschlossen, "dass ich noch einmal etwas Neues machen möchte, um einen weiteren Schritt nach vorne zu machen." Aber: "Natürlich verlasse ich den FC Bayern mit einem weinenden Auge."

Wohin es den 28 Jahre alten Österreicher und Boateng in Zukunft ziehen wird, ist noch nicht klar. Was aber sicher ist: Nach neun zusammen errungenen Deutschen Meisterschaften, je fünf Siegen im DFB-Pokal und im DFL-Supercup, sowie je zwei Triumphen in der Champions League, im UEFA Supercup und bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft, verlassen den FC Bayern zwei wichtige Säulen, die den Verein in dieser Zeit maßgeblich geprägt haben. Eine Ära geht zu Ende.

Patrick Dirrigl

Prost und Servus: Jerome Boateng, David Alaba und Javi Martinez verlassen die Bayern im Sommer - Alex Grimm/