München - Über sich selbst spricht Thiago nur ungern. Und wenn doch, dann dreht sich jeder Satz zugleich um die ganze Mannschaft. "Es geht nicht um mich, sondern um das Team", entgegnete der Spanier auf die Frage, ob er sein bestes Halbjahr im Trikot des FC Bayern München gespielt habe. Dank neuer Konstanz und in neuer Rolle hat sich der 25-Jährige zu einem Fixpunkt des Münchner Spiels entwickelt - das Reden darüber überlässt er lieber anderen.

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Einst ernannte Pep Guardiola den Mittelfeldstrategen mit den berühmten Worten "Thiago oder nix" zu seinem absoluten Wunschspieler. Doch ausgerechnet im ersten Jahr ohne seinen Ziehvater, der ihn seit der Jugend beim FC Barcelona und später ab 2013 beim FC Bayern begleitete, ist er bei den Bayern endlich zum erhofften Leistungsträger geworden. Vor allem, weil er seit über einem Jahr von schwereren Verletzungen verschont geblieben ist und sich endlich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren kann. Hinter Robert Lewandowski ist Thiago der Bayern-Feldspieler mit den zweitmeisten Einsatzminuten im bisherigen Saisonverlauf.

Ancelotti findet richtige Position für Thiago

Der Trainerwechsel im Sommer von Guardiola zu Carlo Ancelotti kam seiner persönlichen Entwicklung zugute. "Es ist etwas anderes", sagte Thiago, schließlich hätten Pep und Carlo jeweils ihren eigenen Stil. "Es ist großartig, solche Trainer zu haben, die alles gewonnen haben, um jeden Tag von ihnen zu lernen."

Mit der Leistung seines Schützlings beim 3:0-Sieg gegen RB Leipzig war Lehrer Ancelotti so sehr zufrieden, dass er ein Sonderlob verteilte. "Er hat uns geholfen, gut nach vorne zu arbeiten", sagte der Bayern-Trainer, der Thiago in neuer Funktion zu neuem Glanz verhalf. "Die Idee war, zwischen den einzelnen Linien zu spielen", erklärte Ancelotti sein taktisches Konzept gegen den Tabellenzweiten. "Das war nicht einfach. Leipzig ist sehr gut organisiert, vor allem in der Abwehr. In diesen Situationen hat Thiago richtig gut gespielt. Er hat die richtige Position eingenommen."

Stratege mit neuen Stärken

Die ist deutlich offensiver ausgelegt als noch unter Guardiola. Während Thiago früher als Bindeglied zwischen der Position des Sechsers und Achters agierte, schlüpfte er zuletzt in Ancelottis veränderter 4-2-3-1-Grundordnung in die Rolle des Spielgestalters. "Ich fühle mich wohl, auf der Zehn zu spielen, so wie auf jeder anderen Position - aber stell mich bloß nicht ins Tor", spielte Thiago die Bedeutung der Umstellung herunter.

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Dennoch belegen die Zahlen, dass Thiagos Stärken in offensiverer Rolle noch besser zur Geltung kommen - ohne dass seine strategischen Fähigkeiten darunter leiden. Als Ballmagnet funktioniert er in der Offensive ebenso wie in der Defensive: Gegen Leipzig hatte er die meisten Ballaktionen aller Spieler (113) und ging bei den Bayern die weitesten Wege (11,5 Kilometer).

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Welch entscheidenden Anteil er am Sieg hatte, belegen die Zahlen in der Offensive: Thiago war an zehn Torschüssen direkt beteiligt, erzielte das wichtige Führungstor und legte den zweiten Treffer von Xabi Alonso auf. "Er ist immer anspielbar, torgefährlich und will sich zeigen. Das ist eine sehr gute Mischung", sagte Mats Hummels über Thiago. Es war bereits sein drittes Saisontor, nach noch nicht einmal der Hälfte der Spiele. Bisher gelangen ihm in seiner Profikarriere weder im Barca- noch im Bayern-Trikot mehr als zwei Tore in einer Spielzeit.

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So war es nicht zuletzt seine Galavorstellung, die im Topspiel den Unterschied ausmachte. Die Bayern haben dem bislang so starken Verfolger aus Leipzig am Mittwoch damit ganz klar die Grenzen aufgezeigt. "Wir wollten die drei Punkte und wir wollten uns vom Zweitplatzierten Leipzig absetzen", erklärte Thiago die Zielvorgabe. Dank des Erfolgs überwintern die Bayern mit drei Punkten Vorsprung als Spitzenreiter und gehen zum sechsten Mal in Folge als Tabellenerster in die Winterpause.

Bevor er sich in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub verabschiedete, verlor Thiago dann doch noch ein paar Worte über sich selbst. "Ich schaue immer nach vorne und will besser spielen", erläuterte der Bayern-Star seine Vorsätze fürs neue Jahr - ohne natürlich den Teamgedanken zu vernachlässigen: "Und ich will die Dinge für meine Teamkollegen besser machen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz