
Alles ist relativ: Wenn mit Elversberg und den Bayern zwei Welten aufeinanderprallen
Am Sonntag um 17.30 Uhr ist der FC Bayern München zu Gast bei der SV Elversberg. Nicht nur auf den ersten Blick ein Duell zweier Welten, die aufeinanderprallen. In den 90 Minuten auf dem Platz verschwinden die Welten dann aber.
Luftlinie beträgt die Distanz 350 Kilometer. Je nach Auslegung, Interesse, Vorhaben eine gewaltige Strecke – oder eben gerade nicht. Ein Abstand, eine Distanz ist eben immer relativ. Zwischen dem FC Bayern München und der SV Elversberg liegen Welten, die 350 Kilometer sind da gefühlt eine Kleinigkeit. Und diese Welten prallen am 3. Spieltag der Bundesliga im Saarland aufeinander. Die Elv empfängt den übermächtigen Rekordmeister.
Es ist natürlich die klassische "David gegen Goliath"-Geschichte, wenn die Teams erstmals in der Bundesliga aufeinander treffen. Und dann wieder auch nicht. Denn Elversberg ist weitaus mehr als ein nahezu unbewaffneter Hirte, der sich dem übermächtigen Riesen ohne Rüstung stellt.
Metropole trifft auf Seelenort
Auf den ersten Blick könnten die Unterschiede tatsächlich kaum größer sein. Hier die Weltstadt, die Metropole, die drittgrößte Stadt des Landes – dort der kleine Ort im Saarland, der internationalen Touristen wohl eher unbekannt ist. Wie groß dieser Unterschied in Zahlen ist? Nun gut, würde jeder Einwohner des Ortsteils Elversbergs ins heimische Rund gehen, er könnte noch einen weiteren Fan mitbringen, um das Stadion vollzukriegen. In München hat nicht mal jeder 20. Einwohner die Chance, ein Ticket für die Allianz-Arena zu ergattern – selbst wenn Dauerkarten und Gastmannschaft keine Rollen spielten.
Es gibt zahlreiche Beispiele, wie weit die sportlichen Welten auseinanderliegen: Hier der Rekordmeister der Bundesliga, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, da das Team, das vor fünf Jahren noch in der Regionalliga kickte. Als der Rekordmeister begann seine eigene packende Geschichte mit den ersten Titeln zu schreiben, da wurde an der Kaiserlinde noch richtiger Amateurfußball gespielt.
In den 90 Minuten zählen die Welten nicht
Der FC Bayern hat mindestens eine Handvoll Spieler in den eigenen Reihen, deren Marktwert jeweils über dem des gesamten Kaders der Saarländer liegen dürfte. Von Budget, Einnahmen und Ausgaben ganz zu schweigen. Regelmäßige Gegner der Bayern heißen Real Madrid, Paris Saint-Germain oder Liverpool – die der SV hießen bis vor wenigen Jahren Pirmasens oder Großaspach. Die Liste der Unterschiede ist lang, es gibt noch zahlreiche weitere Punkte, um die Welten aufzuzeigen, die am Sonntag aufeinanderprallen.
Nur sind diese Unterschiede im Moment des Anpfiffs nicht mehr viel wert. Die Grenzen verschwinden. Denn die Verantwortlichen der SV Elversberg haben mittlerweile ihre eigene Erfolgsgeschichte geschrieben. Eine märchenhafte, eine im Profifußball mehr als ungewöhnliche. Der FCB spielte bekanntlich auch nicht von Beginn an in der Bundesliga. Der heutige Erfolg ist auch einer der harten Arbeit, der guten Entscheidungen – natürlich unter anderen Voraussetzungen und doch mit gewissen, wenn auch kleinen Parallelen.

Eine besondere Wette
In einem Paralleluniversum spielen die Teams nämlich nicht mehr. Auch durch eine starke Scouting-Abteilung, durch eine hervorragende Kaderplanung und clevere Transfers ist die Distanz zu den Bayern deutlich geschrumpft. Elversberg spielt eben auch in der höchsten Klasse des Landes – und das verdient.
Nicht nur das: Nach dem 2. Spieltag belegt die Elv den vierten Tabellenrang der Bundesliga, zwei Punkte und zwei Plätze vor dem FCB. Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme. Das wissen alle Beteiligten. Und doch ließ sich SV-Trainer Vincent Wagner zu einer besonderen Wette hinreißen. Sollte die Elv das Spiel gegen den übermächtigen Gegner verlieren, wird sich der Coach von seiner charakteristischen Haarpracht trennen – ein gesundes Selbstbewusstsein hat der 40-Jährige.
Warum auch nicht: Der Abstand zweier Orte, zweier Welten ist immer relativ.
