Köln - Javi Martinez fehlt dem FC Bayern München mindestens bis zum Jahresende, auch Bastian Schweinsteiger wird auf unbestimmte Zeit ausfallen. Die beiden Verletzten haben die Planungen von Pep Guardiola ordentlich durcheinandergewirbelt. Welche Optionen bleiben dem Bayern-Coach? Wir haben mögliche Szenarien für Sie durchgespielt.

Bereits im DFB-Pokal-Finale Ende Mai schickte Guardiola sein Team mit einer defensiven Dreierkette auf den Platz. Auch in der laufenden Vorbereitung deutete Vieles darauf hin, dass der Spanier an diesem System festhalten möchte. Die zentrale Rolle in der Abwehr sollte dabei seinem Landsmann Javi Martinez zufallen. Guardiola schwinden nun die Optionen.

1. Boateng in der Abwehrzentrale

Ohne Martinez bleiben den Bayern drei nominelle Innenverteidiger, die in die zentrale Abwehrrolle schlüpfen könnten. Erster Kandidat ist Jerome Boateng. Problem: Der Trainer benötigt ihn auch auf der rechten Seite, denn dort herrscht ein Vakuum. Philipp Lahm wird nach Schweinsteigers Ausfall umso mehr im defensiven Mittelfeld gebraucht. Der zweite Rechtsverteidiger Rafinha fehlt nach seinem Außenbandriss noch mehrere Wochen. Damit muss Boateng eigentlich auf die rechte Seite rücken - und kann die Zentrale nicht übernehmen. Am 1. Spieltag muss Guardiola ohnehin komplett auf den gesperrten Weltmeister verzichten.

2. Alternativen Dante und Badstuber

Holger Badstuber oder Dante könnten ebenfalls die Martinez-Position übernehmen. Aber auch diese Lösungen scheinen nicht optimal: Badstuber fehlt nach 18-monatiger Verletzungspause die Spielpraxis, auch Dante wirkte im Supercup noch zu weit entfernt vom Zenit seines Schaffens. Einem der beiden die Rolle des Abwehrchefs zuzuteilen ist möglich – scheint aber zumindest gewagt.

3. Systemwechsel

Die Rückkehr zur bewährten Viererkette scheint die logische Konsequenz. Boateng als Rechtsverteidiger, Badstuber und Dante in der Mitte und Neuzugang Bernat auf der linken Seite heißt die zurzeit wohl einzig mögliche Kombination, denn auch hier sind die Auswirkungen der verletzten Defensivspieler in Abwehr und Mittelfeld, sowie der Abgang von Toni Kroos zu spüren.

4. Problemstelle defensives Mittelfeld

Die auf der "Doppelsechs" in der letzten Saison gesetzten Bastian Schweinsteiger, Thiago Alcantara und Toni Kroos stehen nicht zur Verfügung. Das Risiko die Neuverpflichtung Sebastian Rode und Youngster Pierre-Emile Höjbjerg gemeinsam auf dieser Schlüsselposition auflaufen zu lassen, dürfte Pep Guardiola zu groß sein. Auch der eher offensiv orientierte Shaqiri ist nicht die optimale Lösung. Damit ist Guardiola praktisch dazu gezwungen, mit Philipp Lahm oder David Alaba einen - oder beide - Außenverteidiger im defensiven Mittelfeld einzusetzen. Dass beide diese Rolle spielen können, haben sie zum Glück für Guardiola schon mehrfach unter Beweis gestellt.

5. Kurzfristige Neuverpflichtungen

"Klar, wenn man viele Spieler hat, die verletzt sind, überlegt man sich, ob man neue Spieler holt", sagte Kapitän Phlipp Lahm und ließ damit Raum für Spekulationen. Auch Franz Beckenbauer ist der Meinung, dass auf dem Transfermarkt nachgelegt werden muss: "Ich würde dem FC Bayern empfehlen, noch einen Abwehrspieler zu holen. Die Situation ist zu unsicher, es darf nichts mehr passieren. Ansonsten musst du auf Amateurspieler zurückgreifen." Sicher ist nur, dass bis zum Spiel gegen Wolfsburg kein Spieler geholt werden kann, der sofort weiterhilft.

6. Es bleibt spannend!

Wozu sich Pep Guardiola in taktischer Hinsicht entscheidet, bleibt dem Spanier überlassen. Die Möglichkeiten sind allerdings überschaubar und bergen allesamt ein gewisses Risiko. In der Pressekonferenz am Donnerstag hat Guardiola bereits angedeutet, dass er seine Taktik anpassen wird. Ein oder zwei weitere Neuzugänge könnten dennoch schnell Abhilfe schaffen. Mögliche Namen wurden in den letzten Tagen zur Genüge diskutiert. Wir sind gespannt, wozu sich die Offiziellen des FCB entscheiden.

Dennis-Julian Gottschlich